Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
„Schauspiel ist wie Urlaub vom Ich“
Lebt seit sechs Jahren mit Mann und Kindern in Los Angeles: Franka Potente. Foto: dpa Foto: dpa
Filmstar

„Schauspiel ist wie Urlaub vom Ich“

Von Franka Potente war lange nichts zu hören und zu sehen. Jetzt kehrt sie mit einem ARD-Krimi ins deutsche Fernsehen zurück – aber ihr Herz schlägt in Los Angeles.

27.10.2016
  • GABY HERZOG

Hamburg. Filmstar Franka Potente ist gerade aus L.A. gelandet. Nur für zwei Tage ist sie in Berlin, um Interviews für ihren neuen Film „Der Island Krimi“ (ARD) zu geben. Ihr Comeback im deutschen Fernsehen. Dann fliegt sie auch schon wieder in die USA, wo sie seit sechs Jahren lebt. Zurück zur Familie, zu den beiden Töchtern Polly und Georgine und ihrem Mann, dem Schauspieler Derek Richardson.

Frau Potente, für die ersten beiden Teile des neuen „Island-Krimis“ haben Sie drei Monate in Reykjavik gedreht. Wie oft haben Sie zwischendurch kalifornische Sonne getankt?

Franka Potente: Gar nicht, ich hatte keinen Drehtag frei. Aber natürlich kann ich nicht so lange ohne die Kids sein. Darum ist meine ganze Familie mitgekommen. Die Mädchen sind da in den Kindergarten gegangen, haben dort Brot gebacken und mit Begeisterung Butterbrot mit Fisch gegessen. Zu Hause würden sie so etwas natürlich nie anrühren, da essen sie nur Pizza und Nudeln.

Obwohl die Mädchen kein Isländisch sprechen, hat das gut funktioniert?

Erstaunlich gut. Der Schlüssel zur ersten Verständigung war die Eis- prinzessin. Am ersten Tag haben wir mit allen Kindern das Lied von Elsa und Anna gesungen, und das Eis war gebrochen. Danke Disney!

Für viele Eltern ist Disney ein Graus.

Da muss man sich locker machen. Zu Hause gehen unsere Kinder in einen eher alternativen Kindergarten. Aber man kann noch so viele Öko-Bananen und Dinkel-Kekse verfüttern – Elsa und Anna sind Stars, an denen man nicht vorbeikommt. Wir haben fünf Prinzessinen-Kleider zu Hause. Eines von ihnen hat vorne auf der Brust einen Knopf. Wenn man den drückt, fängt das Kleid an zu glitzern und spielt den Titelsong des Films.

Und Sie haben noch nicht die Batterien rausgeschraubt?

Zugegeben, ich spiele ständig mit dem Gedanken, den kleinen Schraubenzieher zu holen, um dem Gedudel ein Ende zu bereiten. Aber dann schmeißt sich einer auf den Boden und heult stundenlang. Und ganz ehrlich: so schlimm finde ich das auch gar nicht. Prinzessinnen, Meerjungfrauen, Einhörner, irgendwie ist das doch ganz witzig. Ich hätte so etwas als Kind nie bekommen.

Sie sind in Dülmen, in der Nähe von Münster aufgewachsen.

Eine Kleinstadt in der Provinz in den 70ern. Mit einer wahnsinnig bewussten Mutter. Ich durfte keinen Zucker essen, kaum Fernsehen und sie hat mir bunte Hosen genäht, obwohl sie das gar nicht besonders konnte. Dazu habe ich selbst gestrickte Pullover getragen. Wie ein Clown, ein Outcast. Das will ich anders machen.

Im Island-Krimi spielen Sie Solveig Karlsdóttir, eine Krimiautorin, die in einen Mordfall verwickelt wird und ihn auf ihre Art als Hobbydetektivin löst. Sie geht spontan Risiken ein und stellt den eigenen Gerechtigkeitssinn über Gesetze.

Solveig ist in ihrer Art so, wie man auch hätte werden können. Sie ist so alt wie ich, hat aber ein ganz anders Lebens-Konzept gewählt. Sie ist ungebunden, hat keine Kinder und ist manchmal etwas rau, der eher unperfekte Typ. Mit mir selbst hat sie weniger zu tun. Aber genau das mag ich so an meinem Beruf. Schauspielen ist immer etwas wie in den Urlaub gehen.

Urlaub vom eigenen Leben?

Ja. Eine meiner Lieblingsrollen der vergangenen Jahre war die einer Serienmörderin. In „The Bridge“, einer amerikanischen Serie, in der ich zusammen mit Diane Kruger gespielt habe. Damals waren die Kinder noch total klein und ich war zu Hause voll im Mama-Modus. Beim Dreh habe ich dann diese wahnsinnig düstere Gestalt gespielt. Weiter weg von Brei und Windeln geht nicht.

Haben Sie damals die Rolle bewusst gewählt?

Nein. Mich treibt es auch gar nicht so sehr um, was ich als Nächstes spiele. Der Regisseur hat mich offenbar in der Rolle gesehen, und ich habe sein Angebot gerne angenommen. So einfach. Und mal ganz ehrlich: Die meisten Schauspieler lügen doch, wenn sie sagen, dass sie nach einer Rolle gesucht haben und dass sie den tiefen Wunsch verspüren, damit der Welt etwas zu zeigen. Bullshit.

Bullshit?

Es gibt sehr viele Schauspieler und die meisten haben eh nicht so viel zu tun, dass sie sich ihre Rollen auswählen könnten. Man sagt oft ,ja‘, um Geld zu verdienen, und freut sich doppelt, wenn es eine schöne Rolle ist. Das ist doch auch gar nicht ehrenrührig!

Sie leben seit 2010 in den USA. Hat es Ihrer Karriere geholfen, dass Sie nach Hollywood gezogen sind?

Hollywood ist ein Stadtteil von Los Angeles und hat mit meinem Alltag sehr wenig zu tun. Die Entscheidung in die USA zu ziehen, hatte private Gründe. Ich habe mich dort in meinen Mann verliebt, und ich wollte Kinder. Sorry! Und weil Derek kein deutsch kann, war klar, dass ich zu ihm ziehe. Hätte er in Pittsburgh gewohnt, wäre das auch okay gewesen.

Sendetermin „Island-Krimi – Der Tote im Westfjord“: Heute, 20.15 Uhr, ARD.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

27.10.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball