Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Archäologie

Scherben eines Trinkgelages

Bei Ausgrabungen im Schlosshof Wittenberg wurden tausende Becherreste entdeckt.

10.01.2017
  • DPA

Wittenberg. Ein Sommertag vor über 500 Jahren. Im Schlosshof in Wittenberg sind lange Tische aufgebaut. Der Duft von Hirschbraten liegt in der Luft. Die Leute trinken und trinken. Sind ihre Becher leer, werfen sie sie auf den Boden, sie zerschellen auf dem Schlosshofpflaster. Diener reichen neue Becher, gefüllt mit Wein. So stellen sich Archäologen das Treiben auf dem Schlosshof in Wittenberg vor, wo sie nun einen reichen Fund gemacht haben.

„Wir haben ganze Schichten mit Bechern gefunden“, sagt Grabungsleiter Holger Rode. „Die Feiern haben hier im Schlosshof, im Sommer, stattgefunden. Die Becher wurden dann einfach weggeworfen. Das ist vergleichbar mit dem heutigen Umgang mit Pappbechern.“

Die Trinkbecher stammen aus dem 15. Jahrhundert. Etliche sind mit Rollstempelmustern, manche mit Maskenauflagen verziert, andere glatt. Die Farbe der Tonbecher variiert zwischen grünlich, grau bis rotbraun. „Dass sie nur einmal benutzt wurden, das sieht man“, sagt Rode. „Von Seiten der Herrschaft wurde dies bewusst gewollt, um zu zeigen, was man sich leisten kann.“

Diese Becher kommen nur im Schloss vor, kaum in der sonstigen Stadt, sagt Rode. „Gefeiert haben alle Adelsgeschlechter, die Askanier bis 1422, danach die Wettiner, die haben das alle so mit den Bechern gemacht.“

Im Wittenberger Schlosshof wird seit Anfang November gegraben, bevor eine Abwasserleitung gelegt wird. „Was wir nachweisen können, ist die Ringmauer, die das gesamte Areal umgab“, sagt Rode. „Aber das Problem ist, dass uns immer noch typische Mauerwerke fehlen, wie ein Turmgrundriss.“

Luthers Luxus-Ofen

Der Wettiner Friedrich der Weise (1463–1525) hatte auf dem askanischen Burggelände um 1480 mit dem Bau seines Schlosses und der Kirche begonnen. Von der außergewöhnlichen Ausstattung zeugen jetzt gefundene farbige Ofenkacheln mit weltlichen und biblischen Motiven.

Einen baugleichen Ofen hatte auch Luther. „Derartige Öfen waren aufgrund der mehrfarbigen Kacheln unfassbar teuer“, sagt Landesarchäologe Harald Meller. „Luther konnte den Ofen nur von einem Herrscher oder Kardinal geschenkt bekommen haben

Bei der Grabung kamen auch einzigartige bunte Bodenfliesen aus dem Schloss zutage. Rode: „Das ist sehr selten in Europa.“ Wahrscheinlich sind sie nach wenigen Jahren durch einen moderneren Bodenbelag ersetzt worden., sagt Rode. „Die Fürsten mussten ja mit der Zeit gehen. Sie konnten nicht mit altem Zeug repräsentieren.“ dpa

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

10.01.2017, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball