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Festspiele

Scherze mit dem Cembalisten

Marcus Bosch dirigiert in Heidenheim Mozarts „Figaro“ als glutvolle „Winteroper“ mit Michael Volle.

19.02.2019

Von Jürgen Kanold

Starbariton Michael Volle. Foto: Carsten Sander

Heidenheim. Es ist rasende Eifersucht. Michael Volle braust auf, tobt und wütet, er singt und spielt als Schwerenöter Graf Almaviva das ganze Ensemble in Grund und Boden. Na ja, am Ende muss er die Gräfin tief getroffen um Verzeihung bitten – Gabriele Scherer, seine Gattin auch im wahren Leben. Schöne Pointe, aber natürlich alles nur Oper, genauer gesagt: „Winteroper“, und zwar „Die Hochzeit des Figaro“ konzertant im Congress Centrum Heidenheim, vom Publikum frenetisch gefeiert.

Michael Volle, der Weltstar, der im Sommer wieder als Hans Sachs in Barrie Koskys Bayreuther „Meistersingern“ annonciert ist, auf der Ostalb? Die Heidenheimer Fußballer spielen an der Spitze der zweiten Liga, die Opernfestspiele sind ähnlich erfolgreich unter Marcus Bosch. Der Dirigent fungiert seit jetzt zehn Jahren als künstlerischer Direktor und hat eine ganze Menge verändert und erreicht: das CCH neben der Freilichtbühne Schloss Hellenstein als Festspielhaus etabliert, die Stuttgarter Philharmoniker und den Tschechischen Philharmonischen Chor Brünn engagiert, neue Formate erfunden – und mit der Cappella Aquileia auch ein eigenes Orchester der Opernfestspiele gegründet, das die frühen Verdi-Opern aufführt und für Coviello Classics auf CD aufnimmt (gerade ist „I Lombardi“ erschienen).

Welche Klasse die Cappella Aquileia besitzt, die jung und erfrischend und durchaus historisch informiert auftritt, zeigte sie am Sonntagabend unter Marcus Bosch mit einem berauschenden „Figaro“. Musikantisches, durchdachtes, feines Spiel; begeisternde Holz- und Blechbläser. Michael Volle, Erzkomödiant und Rampensau mit ganz großem Bariton, trieb auch mit dem Cembalisten seine Scherze und holte verdiente Ovationen ab. Aber es gelang überhaupt eine starke Ensembleleistung: mit Michaela Maria Mayer als Susanna, Ida Aldrian als Cherubino – und Lancelot Nomura schlug sich als Figaro mit weichem Timbre auch neben einem übermächtigen Grafen gut.

Diese „Winteroper“ machte natürlich Laune auf die sommerlichen Opernfestspiele, die unter dem Motto „Glück“ stehen: Tschaikowskys „Pique Dame“ kommt draußen im Rittersaal heraus (mit Gabriela Scherer als Lisa), Verdis „Ernani“ im CCU. Die Erwartungen steigen kontinuierlich. Karten: www.opernfestspiele.de

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Erstellt:
19. Februar 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
19. Februar 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. Februar 2019, 06:00 Uhr

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