Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Keine Fahrräder und Fahrkarten

Schienenersatzverkehr der Ammertalbahn birgt Widrigkeiten für die Fahrgäste

Seit fünf Jahren bessert die Deutsche Bahn immer in den Sommerferien die Strecke der Ammertalbahn zwischen Tübingen und Herrenberg aus. Die Arbeiten an der Leit- und Sicherheitstechnik sowie den Gleisen sollen bis zum 12. September abgeschlossen werden. Der Schienenersatzverkehr fährt regelmäßig, aber nicht zur vollsten Zufriedenheit der Bahnkunden.

26.08.2015
  • Paul Runge

Tübingen/Herrenberg.Seit dem 30. Juli ist zwischen Tübingen und Herrenberg kein Zug mehr unterwegs. Pendler und Reisende müssen daher auf den eingerichteten Schienenersatzverkehr zurückgreifen. In einem halbstündigen Takt fahren dafür Busse von Tübingen über Unterjesingen, Pfäffingen, Entringen, Altingen und Gültstein nach Herrenberg.

Es ist nicht die erste sommerliche Zwangspause für die Bahn. Das Projekt zur Modernisierung der Strecke, zu dem auch die Erneuerung der Leit- und Sicherungstechnik sowie Reparaturen an den Gleisen gehören, zieht sich schon seit fünf Jahren hin. Die Kosten für die Optimierung des Bahnbetriebs betragen 4,5 Millionen Euro. Am 12. September sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Tags darauf, am letzten Feriensonntag also, ist wieder Normalbetrieb angesagt.

„Wir liegen sehr gut im Zeitplan“, versichert Dieter Braun, Verkehrsexperte im Landratsamt und Geschäftsführer des Zweckverbands ÖPNV im Ammertal. Dennoch seien die angekündigten Nachtarbeiten nötig. „Wir arbeiten nur nachts, wenn es nicht anders geht“, so Braun. Davon werden vor allem Anwohner der Streckenabschnitte zwischen dem Tübinger Westbahnhof und Entringen, sowie Bewohner in Bahnhofsnähe in Tübingen, Pfäffingen und Herrenberg betroffen sein.

Wie Anwohner aus Unterjesingen dem TAGBLATT mitteilten, sei die Geräuschkulisse der Bauarbeiten bislang schon schwer zu ertragen gewesen. Die zusätzlichen Nachtarbeiten stellen, so die Klage, eine nur schwer zumutbare, zusätzliche Belastung dar. Offizielle Beschwerden hat es bislang allerdings noch keine gegeben, wie Dieter Braun sagt.

Auch über den Ersatzverkehr habe sich bei ihm noch niemand beschwert, so Braun. Dabei läuft der nicht reibungslos. Besonders für Pendler, die auf Anschlussverbindungen angewiesen sind, wirkt sich der Ersatzfahrplan auf den Schlaf aus. Denn auf der Straße dauert die Fahrt doppelt so lange wie auf der Schiene. „Ich fahre die Strecke von Tübingen nach Herrenberg täglich und muss jetzt eine Stunde früher aufstehen“, erzählte Florian Lutscher. Und es ist nicht die längere Fahrzeit alleine, die ihn beeinträchtigt. „Meistens komme ich trotzdem noch zu spät, weil die Busse auch nicht immer pünktlich sind.“ Allerdings sei es ja nur für ein paar Wochen, wie der junge Maler gelassen anfügt.

Bezüglich der Pünktlichkeit der Busse hat Ulrike Stöhrer nichts zu meckern: „Man muss ja auch mal was Positives sagen. Die Busse waren bislang immer pünktlich.“ Was sie allerdings stört, sind die nicht vorhandenen Mitnahmemöglichkeiten für Fahrräder. „Ich fahre die Strecke zwischen Tübingen und Herrenberg regelmäßig und vermisse es sehr, zwischendurch auszusteigen und die restliche Strecke mit dem Fahrrad zurücklegen zu können.“

Auch bieten die Busse lange nicht so viel Platz wie die Wagons der Ammertalbahn. Wer beispielsweise mit kleinen Kindern unterwegs ist, hat es da häufig schwer, wie Gabriele Winter zu berichten weiß: „Ich wollte vor kurzem mit einem Kinderwagen mitfahren. Da bin ich dann doch lieber stehengeblieben und habe den nächsten Bus genommen.“

Da man weder an den Ersatzhaltestellen noch in den Bussen selbst Fahrkarten kaufen kann, kommt es zu unglücklichen Situationen, wie Winter am Beispiel eines Regentags erzählt: Da nach Aussage des Busfahrers zu viel schwarz gefahren werde, müsse er jeden Fahrgast beim Einstieg kontrollieren. Das habe die Menschenmenge, die schnell ins Trockene wollte, nicht besonders erfreut. „Er hat uns im wahrsten Sinne des Wortes im Regen stehen lassen“, so Winter. Das seien aber Einzelfälle. Die meiste Zeit funktioniere es mit dem Ersatzverkehr recht gut, auch wenn zu den Stoßzeiten ein Bus zu wenig für die Masse an Pendlern sei, die morgens im Normalfall drei Wagons der Ammertalbahn füllen.

Die Schwächen im Schienenersatzverkehr sind auch Dieter Braun bekannt. Besonders das Fahrkartensystem sei ein Problem. „Fahrkarten muss man sich am Bahnhof besorgen, das geht nicht im Bus. Dafür haben die Fahrer auch gar keine Zeit, sonst wird’s noch später“, so Braun. Für die Fahrgäste bedeutet das zusätzliche Wege. So sind die Bahnhofsautomaten in Tübingen-West, Unterjesingen oder Gültstein knappe 500 Meter von den Ersatzhaltestellen entfernt.

Nur wer ein Smartphone besitzt, kann sich mit der App „touch&travel“, die eine Fahrkarte ersetzt, Erleichterung verschaffen. Gezahlt wird dann zu Hause per Lastschriftverfahren.

Schienenersatzverkehr der Ammertalbahn birgt Widrigkeiten für die Fahrgäste
Eine Reisende verschafft sich mit einem letzten Blick Sicherheit: Statt Zügen fahren derzeit nur Busse vom Tübinger Hauptbahnhof nach Herrenberg. Bild: Runge

Die Sanierungsarbeiten an der Ammertalbahn zielen vor allem auf die Verbesserung der Pünktlichkeitund Sicherheit. Das bisherige Leitsystem wird dabei auf ein modular aufgebautes Signalsystem mit elektronischen Stellwerken umgestellt. Dazu müssen auch die Weichen umgebaut und angepasst, die Kontakte und Gleise an den Bahnübergängen erneuert, neue Stellwerkhäuser und Signale gebaut und die bestehenden Schranken an das neue System angepasst werden. Dadurch werde das Gefahrenpotenzial an Übergängen minimiert und die Fahrzeit optimiert, so Dieter Braun. Zusätzlich werden die Fahrgastinformationen verbessert, die auf elektronischen Tafeln an den Bahnstationen zu sehen sein werden. Ab September sind die Ankunftszeiten in Echtzeit einsehbar, die bislang noch ungenau durch Hochrechnung und Schätzung ermittelt werden.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

26.08.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball