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Schießen: Pistolenschützin Julia Hochmuth setzt nach verpasster Olympia-Teilnahme auf Rio de
Wie von der großen Liebe verlassen

Schießen: Pistolenschützin Julia Hochmuth setzt nach verpasster Olympia-Teilnahme auf Rio de Janeiro

Selbst in Italien trainiert sie täglich: Pistolenschützin Julia Hochmuth verbringt derzeit ein Auslandssemester in Mailand. Die knapp verpasste Olympia-Teilnahme abgehakt hat die 24-Jährige, die an der Universität Tübingen General Management im Master studiert. Hochmuth hat ein neues Ziel anvisiert: die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro.

14.11.2012
  • Florian Rotberg

Milano/Tübingen. Im Sommer 2011 hatte sich Hochmuth, die für die SGi Ludwigsburg in der Bundesliga schießt, für das „Top-Team London 2012“ qualifiziert. Im Mai dieses Jahres entschieden die Leistungen in den Weltcups in Mailand und München, wer schließlich den verbliebenen Quotenplatz im deutschen Team einnimmt und zu den Olympischen Spielen fährt. Hochmuth musste knapp einer Konkurrentin den Vortritt lassen. Besonders bitter war die verpasste Qualifikation, da Hochmuth alles auf Olympia ausgerichtet, täglich trainiert und das Studium zurückgesteckt hatte.

„Im ersten Moment ist es vielleicht so, wie von der großen Liebe verlassen zu werden“, versucht Hochmuth ihre damaligen Gefühle zu schildern. Eine gewisse Zeit brauchte Hochmuth, um das Ganze zu verarbeiten. Dabei halfen Gespräche mit den Eltern, die in der ehemaligen DDR selbst erfolgreich im Schießen waren, und mit der Sportpsychologin Annika Olofsson, mit der sie bereits im Vorfeld zusammenarbeitete. Nun will sich Hochmuth zuerst einmal auf ihr Studium in General Management konzentrieren, das sie 2014 abschließen möchte. Während ihres Bachelor-Studiums in Sportmanagement machte sie das verpflichtende Berufspraktikum bei einem Sportartikelhersteller. „Das hat mir sehr gut gefallen. Ich könnte mir vorstellen, später in diesem Bereich zu arbeiten“, sagt die 24-Jährige, die in Tübingen in einer Wohngemeinschaft lebt.

Den Master in General- und nicht in Sportmanagement zu machen, bezeichnet Hochmuth als „Vernunftentscheidung“: „In Sport hätte ich viele Seminare mit Anwesenheitspflicht gehabt, in BWL habe ich hingegen nur Vorlesungen.“. Sie fühlt sich eher als Sportler denn als Betriebswissenschaftlerin: „Ich bin sicher keine typische BWL-Studentin, gehe auch weiterhin mit Jogginghosen in die Vorlesung.“

Wie in Tübingen ist auch in Mailand das Leben der Julia Hochmuth klar strukturiert, um Studium und Leistungssport verbinden zu können. „Ohne knallharte Zeitpläne geht nichts, und diese muss ich strikt einhalten“, berichtet Hochmuth und ergänzt: „Das ist sicher nicht für jeden geeignet.“ Auf zehn bis zwölf Stunden reines Schießtraining kommt Hochmuth die Woche. Hinzu gesellen sich etwa acht Stunden Ausgleichssport wie Ausdauer- oder Krafttraining, schätzt die in Suhl in der damaligen DDR geborene Sportschützin. In Deutschland pendelt Hochmuth hauptsächlich zwischen Tübingen und Pforzheim, wo das Landesleistungszentrum im Sportschießen ist.

Bei diesem Pensum fehlt wohl ab und an auch mal die Motivierung zum Schießen? „Manchmal würde ich schon gerne daheim bleiben und nicht trainieren. Aber da hilft mir dann mein Freund, der selbst Schütze ist, und mit dem ich in Mailand zusammen trainiere“, sagt sie. Mindestens bis Februar will die Pistolenschützin noch in der italienischen Modemetropole bleiben. Zwischendurch fliegt sie aber nach Deutschland, um für ihren Verein SGi Ludwigsburg in der ersten Bundesliga anzutreten.

„Vom Schießen kann man nicht leben.“ Außer den Kosten für Flüge und Hotels bekommt sie von ihrem Verein lediglich die Fahrtkosten erstattet. Daher ist sie dankbar für die Unterstützung ihrer Eltern und der deutschen Sporthilfe. Zudem arbeitet sie als Hilfskraft am Tübinger Sportinstitut und wird durch ein Stipendium gefördert. Ab 2014 beginnt für Hochmuth wieder die heiße Phase des „Olympia-Zyklus“. Bis dahin soll das Studium abgeschlossen sein. Eine Option sei dann die Sportfördergruppe der Bundeswehr, der viele ihrer Nationalmannschafts-Kolleginnen angehören. „Da hätte ich eine finanzielle Absicherung und könnte mich nur auf den Sport konzentrieren. Ich möchte mal sehen, wie es nur mit Schießen und ohne Nebenbelastungen funktioniert“, sagt die Sportschützin.

In Rio 2016 wäre Hochmuth 28 Jahre alt – kein Alter für eine Sportschützin. Viele der Kolleginnen sind Mitte 30 und älter. Daher hätte die Ludwigsburgerin wohl noch die Möglichkeit an weiteren Olympischen Spielen teilzunehmen. „Wenn ich noch 16 Jahre schieße, wären das theoretisch vier Olympische Spiele“, rechnet sie vor. Bei all den Reisen und Verpflichtungen: Bleibt ihr da Zeit für die genüssliche Seite des Studentenlebens? „Ich bin wenig feiern“, berichtet sie, „wenn ich in Tübingen weggehe, mag ich die Altstadt mit ihren Studentenkneipen.“ Durch ihre Verpflichtungen bekommen ihre Freunde Hochmuth nicht oft zu sehen. „Daher will ich mich wenigstens unterhalten können, wenn ich weggehe.“

Schießen: Pistolenschützin Julia Hochmuth setzt nach verpasster Olympia-Teilnahme auf Rio de

Schießen: Pistolenschützin Julia Hochmuth setzt nach verpasster Olympia-Teilnahme auf Rio de
Zwischen Wirtschaftsunterlagen und Schießanlagen: Sportschützin Julia Hochmuth. Privatbild / Baumann

Die größten Erfolge von Julia Hochmuth: Sechste Junioren-Weltmeisterschaft 2006 im Einzel, persönliche Bestleistung beim Weltcup 2011 in München; Einzug in das Finale der besten Acht, Qualifikation für das Top-Team London 2012.

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14.11.2012, 12:00 Uhr

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