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Schlagartig Sex, Übelkeit, Geburt

Wie viele Filme haben wir schon gesehen, in denen Menschen, die von einer seelisch peinigenden Vorstellung übermannt werden, plötzlich aufs Klo rennen und sich übergeben.

30.07.2014
  • Peter Ertle

In der Realität geht nur ein geringer Teil solch schlimmer Vorstellungen mit schlagartiger Übelkeit einher. In Filmen aber braucht man äußere Zeichen, um innere Vorgänge zu übersetzen und das plötzliche Rennen aufs Klo ist offenbar ein unschlagbares Signal. Anschließend hört man dann Würgelaute.

Wie viele Filme haben wir schon gesehen, in denen sich zwischen Zweien eine für den Zuschauer längst sichtbare, zwischen beiden selbst aber noch uneingestandene, unter dem Kessel gehaltene Leidenschaft gebildet hat. Nun betreten sie seine oder ihre Wohnung, schließen diese hinter sich und kaum ist das geschehen, schauen sie sich tief in die Augen, dann fallen sie übereinander her, reißen sich in einem Anfall ungebändigter Lust, am besten noch im Wohnungsflur, die Klamotten vom Leib, nein, eigentlich nicht mal das richtig, schon sind sie dermaßen am seufzen und stöhnen.
Auch das kommt in der Realität vor, zum Glück. Wir sind ja keine lustfeindlichen Langweiler, oder? Auch haben wir es so oft im Kino gesehen, dass es unsere Vorstellung von Leidenschaft besetzt hat und unbewusst nachgespielt wird.

Wie viele Filme haben wir schon gesehen, in denen hochschwangere Frauen von der einen auf die andere Sekunde vor wahnsinnigen Schmerzen zusammenbrechen, die Fruchtblase platzt, und jetzt muss es natürlich ganz, ganz schnell gehen. Ein für den Beginn von Geburten sehr untypisches Phänomen, aber es macht richtig was her.

Wie viele Filme haben wir schon gesehen, in denen Schauspieler die rauchende Fluppe zwischen den Lippen hielten, trotzdem reden konnten und keine Probleme damit hatten, dass der Rauch ihnen in die Augen stieg. Gut, das Problem verschwindet allmählich mit den verschwindenden Rauchern im Film. Trotzdem: Ist das nicht ein bisschen doof?

Ach, die Liste wäre lang. Schön sind Filme, die nicht immer die gleichen Chiffren bemühen, denen was Neues einfällt, etwas, das der Realität mehr entspricht – oder der blühenden Phantasie – je nachdem, ob Filmrealismus oder Kunstkino gefragt ist.

Es gibt solche Filme, so ist es ja nicht. Morgen läuft zum Beispiel einer, im Sommernachtskino. „Boyhood“ heißt er. Er ist noch in anderer Hinsicht ein echtes Unikum: Der Regisseur Richard Linklater hat über einen Zeitraum von zwölf Jahren mit den gleichen Schauspielern immer wieder gedreht. Das heißt, der Film – kein Dokumentarfilm, aber ebenfalls zwölf Jahre Lebenszeit spiegelnd – lässt seine Figuren ganz real älter werden. Das gab’s noch nie. Empfehlenswert.

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30.07.2014, 12:00 Uhr

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