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Kreisbürger dürfen Sperrmüll weiter zu festen Terminen an die Straße stellen

Schlappe für den Landrat in der Kreistagssitzung

In der Debatte um die zukünftige Abholung von Sperrmüll und Holzabfällen bekam Landrat Joachim Walter mit seinem Vorschlag gestern eine klare Abfuhr. Die Mehrheit stimmte im Kreistag für einen Antrag der SPD-Fraktion, alles beim bisherigen Abholsystem zu belassen.

17.06.2015
  • Christiane Hoyer

Kreis Tübingen.Mit 27 Gegenstimmen bei 21 Befürwortern aus den Reihen der CDU- und FWV-Fraktion unterlag die Kreisverwaltung mit ihrem Vorschlag, im neuen Jahr nur noch per Abholkarte Sperrmüll und Holzabfall zu holen. Die Umstellung aufs Abrufsystem hätte rund 85 000 Euro mehr im Jahr gekostet. Die Sozialdemokraten setzten ihren mündlichen Antrag mit den Stimmen der Grünen durch, mit den Linken, der FDP und einigen Kreisräten aus der CDU – darunter Rottenburgs OB Stephan Neher und Klaus Tappeser. Die Grünen hatten in ihrem (schriftlichen) Antrag ebenfalls für die Beibehaltung des bisherigen Systems plädiert.

Robert Hahn begründete den SPD-Antrag mit dem Service für die Kreisbewohner. Außerdem sei die zentrale Straßensammlung einmal im Jahr ein „nicht organisierter Warentauschtag“, der es den Bürgern „auf einfache Art ermöglicht, gebrauchte Sachen wieder zu verwerten“. Viele zusätzliche private Fahrten zur Abfallentsorgung nach Dußlingen befürchtete Cordula Rutz (Grüne). Gisela Kehrer-Bleicher (Linke) kritisierte die wohl anfallenden höheren Abfallgebühren bei einer Umstellung.

Die Klagen über wilde Müllablagerungen nach einem zentralen Sperrmülltermin, erklärte Landrat Joachim Walter, hätten die Kreisbehörde veranlasst, das bisherige System in Frage zu stellen. Denn immer mehr gewerbliche Leute, besonders aus Osteuropa, würden den Sperrmüll abgreifen und außerhalb der Ortschaften noch einmal sortieren. Die Abfallentsorgungsfirma des Landkreises, aber auch die Mitarbeiter kommunaler Bauhöfe, müssten dann die übrig gebliebene „Sauerei wieder wegräumen“. Wie groß der finanzielle Aufwand ist, sei „schwer zu beziffern“.

Hirrlingens Bürgermeister und FWV-Sprecher Manfred Hofelich hatte sich jahrelang dafür eingesetzt, „beim jetzigen System zu bleiben“. Inzwischen habe er aber die „Auswüchse der Straßensammlungen“ mitbekommen. Das Abholen von Sperrmüll nur noch auf Abruf hält er daher für die bessere Lösung. Sie sei durchaus bürgernah. „Die Abrufkarte ist überschaubar“, so Hofelich, „da muss man nur drei Zeilen ausfüllen und dann abschicken“. Er plädierte aber zusätzlich für Warentauschtage, um möglichst viele Wertstoffe an Mann und Frau zu bringen statt diese wegzuwerfen.

Gerade Tübingen, so der Landrat, habe in diesem Jahr seinen Warentauschtag abgeschafft. Und das, obwohl es immer „regen Zuspruch“ gegeben habe. Allerdings sind die Tauschtage weniger geeignet für große, sperrige Sachen, erklärte Rutz. Außerdem hat sich ein Teil dieses Tauschhandels inzwischen auch aufs Internet verlagert.

Keine guten Erfahrungen hat nach Auskunft von Wolfgang Bleicher (Grüne) die Stadt Stuttgart mit dem ausschließlichen Abholen des Sperrmülls auf Abruf gemacht. „Da ist es hinterher genauso vermüllt“, so Bleicher – davon habe er sich kürzlich persönlich überzeugen können.

Rottenburgs OB Stephan Neher (CDU) sprach von „regionalen Unterschieden“ bei der „Angst vor Vermüllung“ oder der Zufriedenheit mit dem jetzigen System. Seine Fraktion stimmte daher uneinheitlich ab. Schon in der Vorberatung im Verwaltungs- und Technischen Ausschuss hatte sich das gestrige Votum abgezeichnet. Dort bekam die SPD für ihren Antrag eine knappe Mehrheit. So ließ der Landrat gestern augenzwinkernd über die Kreisvorlage abstimmen: „Mutig in die Niederlage!“

  • Sperrmüll und Holzabfälle werden auch 2016 im ersten Halbjahr zu einem festen Termin abgeholt, im zweiten Halbjahr über eine Abrufkarte.
  • >2014 kamen im Kreis 7670 Tonnen an Sperrmüll und Holzmöbelabfall zusammen – 3710 Tonnen lieferten die Kreisbewohner direkt im Entsorgungszentrum Dußlingen ab. 3960 Tonnen wurden per Abholung eingesammelt, davon 39 Prozent über Straßensammlung, 13 Prozent auf Abruf.
  • >Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises bietet eine Online-Gebrauchtwarenbörse an (www.abfall-kreis-tuebingen.de).

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17.06.2015, 12:00 Uhr

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