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Bislang war es eine gute Schnecken-Saison für Hobbygärtner

Schleimspuren sind selten

Nacktschnecken sind eine Plage für Gärtner. Doch dieses Jahr fielen sie bisher nicht als schleimige, alles fressende Horde auf. Und es sind auch nicht alle Schnecken so schlimm.

12.06.2012
  • Mario Beisswenger

Tübingen. „Im Moment bin ich sehr zufrieden.“ Bei Hans-Peter Kern stehen prächtige Blaukraut- und Brokkolipflänzchen auf dem Beet. Auch Bohnen und Salat gedeihen, weil ihnen dieses Jahr die Schnecken nicht so zusetzen. Trockenheit und Kälte haben den schleimigen Bauchfüßlern mit Raspelzunge wohl die Kriechtour vermasselt, vermutet der Vorsitzende des Tübinger Obst- und Gartenbauvereins.

Sabine Wolf, die am Bahndamm bei Lustnau gärtnert, bestätigt Kerns Erfahrungen: „Mir ist dieses Jahr alles gut durchgekommen.“ Selbst auf dem Kompost, sonst ein Tummelplatz für Schnecken, hat sie bisher kaum eine gesehen. Ihr Nachbar Antonio Palma ein paar Parzellen weiter hat dagegen die wenig geliebten Kriechtiere durchaus schon in größerer Zahl gesichtet. „Schnecken gibt es wie sonst auch.“ An schattigen Plätzen, wo regelmäßig gegossen wird, fühlten die sich halt wohl, erklärt sich Palma das unterschiedliche Schneckenaufkommen.

„Ganz gebannt ist die Gefahr nie“, sagt auch Franz Maucher, der im Landratsamt die Beratung für den Pflanzenschutz im Landkreis Tübingen macht. Es gebe dieses Jahr tatsächlich weniger Schnecken. Er führt die geringe Zahl an Schleimspuren auf die Trockenheit im frühen Frühjahr zurück. So sieht es auch Ira Richling vom Naturkundemuseum in Stuttgart. Durch zwei extrem trockene Frühjahre 2011 und 2012 seien alle Nacktschnecken zurück gegangen, darunter auch die in Gärten besonders gefräßige Spanische Nacktschnecke.

Der Agrarbiologe Christoph Allgaier, der gerade in Tübingen über Schnecken promoviert, sieht dagegen den heftigen und langandauernden Frost im Februar als Grund für die geringe Schneckenzahl. Er hat diesen Winter die Schnecken im Auftrag eines Schneckenkorn-Herstellers genau erfasst. „Bis Februar waren sie alle da.“ Dann kam die recht heftige und länger dauernde Frostperiode und raffte viele der winzigen Jungschnecken dahin.

Die Bestimmung der Schnecken ist nicht einfach, aber man könne davon ausgehen, dass alles Braune grob zur Spanischen Wegschnecke gehört, sagt Richling. Diese Art wurde erst seit den 1960er Jahren eingeschleppt, was mit Günter Schmid ein Tübinger zuerst erkannte.

Das Problem sei die schiere Menge der für hiesige Breiten neuen Schneckenart, sagt die Stuttgarter Schneckenkuratorin Richling. Es sei schlicht die Masse an Schnecken, die dafür sorgt, dass vom frisch gepflanzten Salat über Nacht nichts mehr da ist und von Rittersporn oder Dahlien nur noch Stängelreste stehen. „Die anderen Arten fressen nicht nichts“, räumt Richling ein. Doch die neue Art vermehre sich eben am besten.

Die Experten sind sich nicht einig, warum die früher in Gärten häufige Rote Wegschnecke fast nur noch im Wald vorkommt und im Garten ihrer Spanischen Verwandten Platz gemacht hat. Richling sieht darin einen für eingeschleppte Arten typischen Vorgang: Sie können sich explosionsartig vermehren. Allgaier vermutet dagegen, dass die moderne Garten-Nutzung die Spanische Neuschnecke bevorzuge. Die komme besser mit dem häufigen Rasenschnitt in den Gärten zurecht.

Obwohl bei nassem Wetter die Fraßschäden wieder zunehmen, versucht Richling, den „allgemeinen Schneckenhass“ zu dämpfen. Nicht alles, was kriecht und schleimt, müsse gleich vernichtet werden. Sie schätzt zum Beispiel den großen Tigerschnegel. Eine grau-weiß gefleckte Nacktschnecke, die schon mal über zehn Zentimeter groß wird. Schaden würden die nachtaktiven Tieren im Garten nicht. „Die Schnegel sind ganz friedlich, die gehen keinen Salatkopf an.“

Schleimspuren sind selten
Spanische Wegschnecke trifft Weinbergschnecke. Beide sind bei Gärtnern nicht beliebt, Schaden richtet vor allem die gehäuselose Sohlenkriecherin an.Bild: Sommer

Klassisches Schneckenkorn gegen Fraßschäden im Garten empfiehlt Franz Maucher vom Landratsamt Tübingen. Die Wirkung des Korns lässt sich erhöhen, wenn es Gärtner in abgedeckten Schälchen präsentieren, wo Regen und Gießwasser es nicht aufweichen. Dafür gibt es im Fachhandel sogar schon Spezial-Schalen. Die vom Wirkstoff her sanftere Schneckenkorn-Alternative heißt Ferramol. Sie soll zum Beispiel auch Hunden nichts anhaben.

Höchst effektiv sind Schneckenzäune. Als Alternative bietet sich das Ausbringen von Moos-Extrakt an, den Schnecken nicht mögen.

In den Gärten in Lustnau an der Bahnlinie gibt es eine lokal angepasste Methode: Die Gärtner schmeißen die Schnecken einfach über den Bahndamm.

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12.06.2012, 12:00 Uhr

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