Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Schließung der Balkan-Route macht sich auch im Landkreis bemerkbar
Wenn die Zahl der Flüchtlinge weiterhin sinkt, soll die Notunterkunft in Talheim – hier ein Bild von der Ankunft der ersten Flüchtlinge Ende Oktober 2014 – geschlossen werden. Archivbild: gen
Weniger Flüchtlinge im April

Schließung der Balkan-Route macht sich auch im Landkreis bemerkbar

Im Landkreis Freudenstadt sinkt die Zahl der Flüchtlinge. Für den April erwartet das Landratsamt 35 Asylsuchende, im März waren es noch 183. Daher hält sich der Landkreis bei den langfristigen Anmietungen von größeren Unterkünften gerade zurück. An den geplanten Unterkünften in Horb wird aber festhalten. Denn diese werden auch für anerkannte Asylbewerber oder für den sozialen Wohnungsbau benötigt. Außerdem könnten die Flüchtlingszahlen im Sommer wieder steigen.

06.04.2016
  • dagmar stepper

Kreis Freudenstadt. Im Januar dieses Jahres wurden dem Landkreis Freudenstadt 144 Flüchtlinge zugewiesen, im Februar waren es 108, im März 183. Im April sind es nur noch 35. „Der deutliche Rückgang liegt daran, dass die Balkan-Route gerade dicht ist“, sagt Benjamin Geigl, der beim Landratsamt mit für die Flüchtlingsunterbringung zuständig ist. Wie sich die Zahlen in den kommenden Monaten entwickeln, das kann allerdings keiner vorhersagen. „Wir können derzeit nicht einschätzen, ob dieser Rückgang kurz- oder langfristig anhalten wird“, sagt Pressesprecherin Sabine Eisele auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE. Denn in den vergangenen Jahren stieg die Zahl der Asylbewerber im Frühjahr und Sommer wieder an, da sie andere Fluchtwege gewählt hatten. „Viele kommen dann übers Mittelmeer“, sagt Geigl.

Derzeit kein Interesse an der „Krone“ in Talheim

Wegen der unsicheren Prognosen über die künftige Zahl von Flüchtlingen im Landkreis Freudenstadt hält sich das Landratsamt derzeit mit langfristigen Anmietungen von größeren Objekten zurück. Denn dadurch werde der Landkreis oft auf Jahren an ein Mietverhältnis gebunden, sagt Geigl. Daher gibt es momentan auch keine konkreten Verhandlungen mit dem Besitzer des ehemaligen Gasthauses „Krone“ in Talheim. Das Gebäude, das Platz für rund 40 Flüchtlinge bieten würde, wurde zwar besichtigt, aber an einem Mietvertrag sei das Landratsamt derzeit nicht interessiert, so Geigl.

Doch wäre dieses Gasthaus nicht eine Chance, endlich die Notunterkunft in der alten Schule im oberen Talheim zu schließen? Schließlich wohnen hier über 40 Flüchtlinge auf beengtem Raum und ohne Privatsphäre. Manche sind hier bereits seit fast eineinhalb Jahren untergebracht. „Die alte Schule ist ein vorübergehendes Quartier. Viele, die dort wohnen, haben noch keinen Asylantrag gestellt“, bemerkt Geigl. „Sollten die Flüchtlingszahlen weiter zurückgehen, wäre die ehemalige Schule das erste Haus, das wir schließen würden“, sagt Geigl. Entsprechende Gespräche mit der Stadt Horb gab es bereits. Allerdings noch ohne konkrete Ergebnisse. Am 30. April läuft der Mietvertrag zwischen der Stadt Horb und dem Landratsamt aus, er wurde aber für ein halbes Jahr verlängert. Als Notlösung, falls die Zahlen wieder nach oben schnellen, so Geigl: „Wir trauen dem Frieden noch nicht.“

An den geplanten drei Flüchtlingsunterkünften auf dem Horber Hohenberg und in der Altheimer Straße will das Landratsamt aber festhalten. Insgesamt sollen sie Platz für 175 Asylbewerber bieten. Hier laufen derzeit die Gespräche mit den Fachplanern, informiert Landratamtssprecherin Sabine Eisele. In dieser Woche soll nun der Bauzeitenplan aufgestellt werden. Einen konkreten Termin für den Spatenstich gibt es aber noch nicht. Doch laut Plan sollen die Unterkünfte in Holzständerbauweise noch in diesem Jahr fertig werden.

Das Landratsamt hält an den Bauten fest, da sie nicht nur als Unterkünfte für Asylbewerber gedacht sind, sondern auch längerfristigen Zwecken dienen sollen. Flüchtlinge mit positivem Asylbescheid oder Geduldete benötigen ebenfalls Wohnraum, für den die Stadt Horb zuständig ist. Mehrfach beteuerte Horbs Oberbürgermeister Peter Rosenberger, dass die Stadt die Unterkünfte dann irgendwann vom Landkreis übernehmen könnte. Das wurde auch in der Januar-Sitzung des Gemeinderats so beschlossen. Für den sozialen Wohnungsbau wären die Objekte auch interessant, da sie günstigen Wohnraum in Horb bieten könnten. Denn gerade in der Kernstadt fehlt dieser, darauf weisen nicht nur Sozialverbände wie die Diakonie und die Caritas hin, das sagt auch der langjährige Vorsitzende von „Haus & Grund“, Manfred Bok.

Urteil Sattelacker Hof keine Auswirkungen

Dass der Gerichtsbeschluss zum Sattelacker Hof in Lützenhardt Auswirkungen auf die geplanten Neubauten haben, darüber werden nun auch in der Stadt Vermutungen angestellt. Beim Sattelacker Hof hatte das Verwaltungsgericht Karlsruhe einer Klage der benachbarten Mutter-Kind-Klinik recht gegeben: Es untersagte die Unterbringung von Flüchtlingen in dem ehemaligen Hotel, da der Bebauungsplan das nicht zulasse. Angelika Engeln, Mitglied im Horber Städtebau- und Sanierungsausschuss und Anwohnerin in der Altheimer Straße, schreibt daher in einem Leserbrief „dass es auch in Horb bei der Roßbergschule und in der Altheimer Straße zu Rechtsproblemen kommen kann, wird derzeit versucht, elegant darüber hinwegzugehen“. Dem widerspricht das Landratsamt – zumindest was den Hohenberg angeht. „Der dort geltende Bebauungsplan weist explizit Gemeinbedarf aus“, so Marlene Krech, Mitarbeiterin der Landratsamts-Pressestelle. Aus dem Urteil würden sich daher keine Konsequenzen für die geplanten Unterkünfte auf dem Hohenberg ergeben.

Eine Turnhallenbelegung ist nun voraussichtlich auch erst einmal vom Tisch. Doch Entwarnung gibt es nicht, so Pressesprecherin Sabine Eisele: „Wir werden Turnhallen erst dann belegen, wenn wir keine anderen freien Kapazitäten in Unterkünften und Wohnungen mehr haben. Das können wir jedoch auch für die Zukunft nicht ausschließen.“ Daher sucht das Landratsamt auch weiterhin dringend ganz normale Wohnungen.

Nichts Neues bei Riese

Bei den Verhandlungen zwischen dem Landratsamt und Oliver Riese über die Unterbringung von Flüchtlingen in dem ehemaligen Fabrikgebäude auf dem Hohenberg gibt es nichts Neues: Da man sich über den Preis im Januar nicht einig geworden ist, versprach Oliver Riese nachzubessern. Was er bislang laut Landratsamt allerdings noch nicht getan hat.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

06.04.2016, 01:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball