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Forstamtsleiter Klaus-Dieter Zuleger: Den Wald tunlichst meiden

Schlimmer als Vivian und Wiebke

HORB. Den Horber Forstamtsleiter Klaus-Dieter Zuleger plagen derzeit zwei Sorgen. Zum einen ist das tatsächliche Ausmaß der durch das Orkantief "Lothar“ verursachten (Wald-) Schäden noch längst nicht überschaubar. Andererseits warnt er die Bevölkerung dringend davor, in den Wald zu gehen: "Es besteht absolute Lebensgefahr!“ Bauhof, EVS, Feuerwehr, Polizei und THW waren die letzten beiden Tage nahezu pausenlos im Einsatz, um zumindest die wichtigsten Straßen, Eisenbahnverbindungen und Stromleitungen von Bäumen zu befreien.

26.04.2011
  • Willy Bernhardt

Was den Zuständigkeitsbereich des Staatlichen Forstamtes Horb betrifft, so lassen sich die durch den Orkan entstandenen Schäden nur in der Steigerungsform "schlimm, schlimmer, am Schlimmsten“ definieren. Klaus-Dieter Zuleger umreißt ein Szenario, das Kreisbewohnern bislang allenfalls durch Katastrophen-Berichterstattung im Fernsehen und im Zusammenhang mit Hurrikans etwa in den USA oder Zyklonen in Südostasien bekannt war. "Das Sturmtief ,Lothar' war schlimmer als Vivien und Wiebke 1990. Es ist eine Dimension, wie ich sie noch nie erlebt habe. Es ist unfassbar.“

In Göttelfingen (Gäu) wurde praktisch der gesamte Staatswald umgemäht. Nicht viel besser sieht's auf den Gemarkungen Grünmettstetten, Altheim und vor allem Waldachtal aus. "Lothar“ machte südlich des Neckars weder Halt vor dem fürstlichen Wald bei Dettensee noch vor Betras, Empfingens, Mühringens und Mühlens Forst.

In den Rexinger Hauptwald fraß der Orkan eine Schneise der Verwüstung. Wo bis Sonntag Morgen stolze Tannen- und Fichtenbestände die Gegend prägten und bestimmten, herrschen jetzt bis zu einem Hektar große Kahlflächen vor, wie zum Beispiel im Mühlener Auwald. Im Withau zwischen Altheim und Eutingen lagen über 130 umgeworfene Stämme quer über der Straße. Das Horber Forstamt will sich heute an eine erste Bestandsaufnahme heranwagen. Was den avisierten Einschlag für das nächste Jahr betrifft, müssen die vorberechneten Zahlen wohl neu geschrieben werden, vermutet Zuleger.

Besonders übel getobt hat "Lothar“, der mit einer gemessenen Geschwindigkeit von 165 Stundenkilometern von Dornstetten her den Horber Bereich heimgesucht hat, im Bereich des Industriegebiets "Heiligenfeld“. Landschaftsgärtner Andreas Töngi beziffert den Schaden an seinem völlig demolierten Gewächshaus auf 50 000 Mark. Und auch die stolze Pappelallee gibt's nicht mehr. Töngi hat festgestellt, dass nicht nur kranke oder anfällige Bäume, "sondern sehr viele starke und gesunde wie Streichhölzer umgeknickt sind“.

Auf den Breitenbaumhöfen wurden Dächer abgedeckt und der Horber Bauhof flickte gestern notdürftig die kaputt gegangenen Drahtglasscheiben an der Hohenberghalle. Alfred Hertkorn vom Bauhof beruhigt zumindest die Fußballfans der Stadt: "Das Stadtteilpokalturnier kann heute Abend dennoch beginnen.“

Zunächst galt das Hauptaugenmerk der derzeit nur mit einer Besetzung von 50 bis 60 Prozent operierenden Bauhoftruppe dem notdürftigen Flicken von Dächern wie beim Nordstetter Schloss, der Bildechinger Schule, der Lehrerwohnungen in Betra und Obertalheim, dem Ihlinger Neckarsteg sowie den in Mitleidenschaft gezogenen Dächern der Bauhof-Außenstellen Altheim und Betra. Dann geht's ans Freisägen gesperrter Gemeindestraßen. Hertkorns große Sorge: "Ich hoffe nur, dass jetzt nicht noch der Winterdienst dazu kommt.“

Zugführer Thomas Burt vom Horber THW berichtet, dass seine Ortsgruppe am Sonntag und gestern die Bahnstrecke Hochdorf - Freudenstadt und Hochdorf - Nagold vom Windbruch befreit hat und zudem gestern auch für die EnBW (vormals EVS) aktiv war. Werner Dauch, Netzbau-Spezialist der EnBW in Freudenstadt, vermeldete gestern Abend für den Horber Bereich Entwarnung.

Schlimmer als Vivian und Wiebke
Aufräumarbeiten in Horb.

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26.04.2011, 12:00 Uhr

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