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Schlimmer geht's immer
Es ging um Affären, um Sexismus und um E-Mails. Für ein gehaltvolles Gespräch über die Zukunft der USA war in dieser Schlammschlacht hingegen nur am Rande Platz. Foto: dpa
TV-Duell im US-Wahlkampf

Schlimmer geht's immer

Das Rennen um die US-Präsidentschaft hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Trump und Clinton lieferten sich eine Debatte unterhalb der Gürtellinie.

11.10.2016
  • PETER DE THIER

Washington. Schon die erste Debatte verlief überwiegend unsachlich: Stritten die beiden Teilnehmer doch über Obszönitäten, außereheliche Affären und Rassismus. Dass es zwischen den Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Hillary Clinton sogar noch hässlicher werden könnte, war kaum denkbar. Doch erneut bewies der Demagoge Trump, dass er immer noch einen draufsetzen kann. Das Rennen um das wichtigste politische Amt auf dem Erdball wurde im Laufe des 90-minütigen Duells, diesmal im „Frage und Antwort“ Format mit unentschlossenen Wählern, zu einer irritierenden Schlammschlacht.

Dass es keine sachliche Diskussion werden, sondern gleich zum Auftakt eine weitere Entgleisung des New Yorker Unternehmers den Ton angeben würde, das hatte sich Trump mit dem am Wochenende veröffentlichten Skandalvideo selbst zuzuschreiben. Als Star könne er sich bei Frauen alles leisten, sagte Trump in dem kurzen Mitschnitt aus dem Jahr 2005, selbst, an ihre Genitalien zu greifen. Es handele sich lediglich um „locker room talk“, um flapsige Worte, die Männer nach dem Sport in der Umkleidekabine äußern, spielte der 70-Jährige seine vulgären Äußerungen herunter und schlug einen weiten Bogen zu den 20 Jahre alten Indiskretionen von Ex-Präsident Bill Clinton. Gleich vier Frauen, die behaupteten, von Bill Clinton belästigt worden zu sein, hatte Trump als Gäste zur Debatte eingeladen.

Für Hillary Clinton ist die Debatte um die Äußerungen ihres Kontrahenten ein Geschenk, das sie zu nutzen wusste. „Ich weiß es, Sie wissen es, Amerika weiß es: Was wir in der Aufzeichnung gehört haben, das ist der wahre Donald Trump“, schoss sie zurück. Entwürdigt habe Trump nicht nur Frauen, sondern auch ethnische Minderheiten und die Eltern eines muslimischen Kriegshelden. Selbst über einen behinderten Reporter habe er sich mokiert. „ Und bei keinem hat sich mein Gegner entschuldigt.“ Ihre Schlussfolgerung: „Donald Trump ist nicht geeignet fürs Amt“.

Ganze 25 Minuten ging es so weiter. Wer auf eine sachliche Diskussion über wichtige außen-, sicherheits- und wirtschaftspolitische Themen gewartet hatte, ging an diesem Abend leer aus. Trumps Konterangriffe waren wie immer scharf und persönlich. „Worte, alles nur Worte“ schoss er zurück, als Clinton ihn mit zahlreichen Beispielen als Rassisten darstellte. Auch als Senatorin und Außenministerin sei es „bei Worten geblieben“. Weder habe sie für Afro-Amerikaner, Latinos oder andere Minderheiten gekämpft, noch dafür gesorgt, dass Amerika dem internationalen Terrorismus und speziell der radikalislamischen Miliz „Islamischer Staat“ (IS) etwas entgegenzusetzen hat. Alles sei ein „Desaster“. Schließlich drohte Trump, dass er als Präsident einen Sonderermittler gegen Hillary einsetzen würde, der wegen der E-Mail-Affäre ermitteln solle. Ging es um Fakten und politische Inhalte, bewies der Republikaner jedes Mal, dass er, gelinde gesagt, nicht unbedingt sattelfest ist.

Zu den größten Überraschungen dieser Debatte gehört, dass sie fast schon versöhnlich endete. Ob beide inmitten dieser brutalen Kampagne denn irgendetwas Positives über den Gegner zu sagen hätten, wollte ein Zuschauer wissen. „Ja, ich respektiere seine Kinder“, antwortete Clinton. „Sie ist eine Kämpferin, die nie aufgibt, das weiß ich an ihr zu schätzen“, sagte Trump. Zum Abschluss dann auch noch jener Händedruck zwischen den bitterbösen Rivalen, den sie sich am Anfang noch verweigert hatten.

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11.10.2016, 06:00 Uhr

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