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Schloss Lichtenstein: Landesdenkmalamt spricht sich gegen Windpark aus
Die Gegner der Anlage fühlen sich bei Anhörung bestätigt

Schloss Lichtenstein: Landesdenkmalamt spricht sich gegen Windpark aus

Gegenwind für die geplanten fünf Rotoren bei Sonnenbühl: Das Landesdenkmalamt hält die Anlage auf dem Hohfleck für unzulässig, da sie das Erscheinungsbild von Schloss Lichtenstein am Albtrauf zu sehr störe.

19.07.2016
  • Matthias Reichert

Sonnenbühl. Auf bis zu drei Tage war die Anhörung des Landkreises wegen des geplanten Windparks auf dem Hohfleck bei Undingen angesetzt. Kein Wunder, gab es doch mehr als 18500 Einwendungen gegen die fünf Windräder, welche die Melchinger Firma Sowitec dort bauen will. Doch gestern früh sind zum Auftakt der Anhörung nur etwa 80 Leute in die Genkinger Sporthalle Sonnenbühl gekommen.

Die Rotoren sind mit 126 Meter Durchmesser geplant und würden sich auf 137 Metern Nabenhöhe drehen. Die meiste Kritik hat es, wie berichtet, an der Beeinträchtigung des Landschaftsbildes gegeben: Es hieß, dass die Windräder die Ansicht des denkmalgeschützten Schlosses Lichtenstein massiv stören würden.

Diese Kritiker dürfen sich nun bestätigt fühlen. Denn Martin Hahn vom Landesamt für Denkmalpflege machte klar, dass laut Gutachten seiner Behörde der Denkmalwert des 1840 bis 1842 erbauten Schlosses durch die Windräder erhebliche Einbußen erleiden würde. Bekanntlich ließ Baumeister Carl Alexander Heideloff sich vom gleichnamigen Roman Wilhelm Hauffs inspirieren. So sei das Schloss „ein Schlüsselwerk des romantischen Historismus in Deutschland“, sagte Hahn.

Der Gutachter von Sowitec, Prof. Sören Schöbel argumentierte zuvor, die historisch beabsichtigten wichtigen Perspektiven auf das Schloss seien nicht durch die Windräder beeinträchtigt. Und beim Panoramablick vom Lochenstein könnten die Wanderer nur entweder auf das Schloss oder auf die Windräder schauen.

Hahn hat das Panoramabild von Sowitec aus dieser Perspektive animiert – so dass sich die Rotoren der Windräder nun auf der großen Leinwand drehten. Damit machte er deutlich, dass die Anlage sehr wohl den Blick vom Schloss ablenken würde. So gehe der prägende Charakter der Ansicht verloren; das Schloss werde in seinem Denkmalwert marginalisiert. Deshalb hält Hahn die Windräder aus Sicht des Denkmalschutzes für unzulässig. Weitere Gutachten seien aus Sicht seiner Behörde hierzu nicht mehr nötig, beantwortete er eine Frage von Landrat Thomas Reumann, der moderierte.

Die Zuhörer applaudierten. Zuvor hatten sie gelacht, als der Sowitec-Gutachter zwischen einem Denkmal mit Landschaft und einer Landschaft mit Denkmal differenzierte. Erst nach fast zwei Stunden kamen die Bürger zu Wort. Beim Thema Denkmalschutz beschränkten sie sich auf Zustimmung zum Denkmalamt und Ablehnung gegen den Sowitec-Gutachter: „Man kann eine Landschaft nicht zerstückeln oder in Winkel aufteilen“, sagte etwa Harald Stoll vom Traifelberg – „das ist ein Gesamtbild“.

Sabine Wälder aus Engstingen ist die Sprecherin der örtlichen Interessengemeinschaft (IG) gegen die Windräder. Jeder Regionalmarkt werbe für Urlaub auf der Alb, sagte sie ins Saalmikro – „und alle tun das mit einem großen Bild von Schloss Lichtenstein“. Die IG hat bekanntlich 18000 Unterschriften gegen den Windpark gesammelt. Auch Weitgereiste unterschrieben. „Fast alle Besucher waren entsetzt, dass das Schloss so verschandelt werden soll“, so Wälder. Die Motivation vieler Kritiker brachte Erwin Groll auf den Punkt: „Ich möchte mir von meinen Enkeln nicht den Vorwurf machen lassen, ich hätte nicht rechtzeitig Widerspruch eingelegt.“

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19.07.2016, 22:00 Uhr

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