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Wild- und nicht Kuscheltiere

Schlossfledermäuse haben möglicherweise neues Quartier

Ingrid Kaipf wurde vom Regierungspräsidium mit der Betreuung der Fledermäuse im Schloss beauftragt, und sie bestätigt, dass (wie berichtet) die Kolonie in den vergangenen Monaten zurückgegangen ist.

27.08.2012
  • Ulla Steuernagel

Tübingen. Diesen Rückgang fand Ilona Bausenwein vom Verein der Freunde der Schlossfledermäuse, der früher die Betreuung der Tiere übernommen hatte, wenig verwunderlich. Bausenwein hatte denjenigen vorgeworfen, die seit 2003 die Großen Mausohren im Tübinger Schlosskeller beobachten und betreuen: „Da ist keine Fledermausliebe, da ist nur wissenschaftliches Interesse.“ Für sie ist klar, dass die Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz (AGF) zur Dezimierung der Kolonie aktiv beigetragen hat.

Ingrid Kaipf, die zuständige Fledermaus-Expertin und Mitbegründerin des Mössinger Fledermaushauses, will das nicht auf sich sitzen lassen. Zurück aus dem Urlaub kontert sie die Vorwürfe: „Wir sehen die Fledermäuse nicht als Kuscheltiere, wir respektieren, dass es Wildtiere sind.“

Die Animositäten zwischen den beiden Lagern der Fledermausschützer währen schon lange. Den Freunden der Schlossfledermäuse sei vor Jahren die Betreuung der Fledermäuse im Schlosskeller „vom Regierungspräsidium entzogen worden“, betont Kaipf, und ihnen sei „auch nie die Genehmigung“ dafür erteilt worden.“

Die Kolonie schrumpfte von 400 auf 50 Tiere

Kaipf will die alten Geschichten jedoch nicht wieder aufwühlen. Für sie hat der Rückgang der Kolonie, der sich per Lichtschranke an den Ausflugöffnungen des Kellers messen lässt, zunächst mit der Rodung der Bäume am Nordhang des Schlosses zu tun. Seit dem Frühjahr 2008 habe sich dadurch die Lichtsituation für die Tiere geändert. Die zur Altstadt hin gewandte Kellerseite bekommt abends nun die städtische „Lichtverschmutzung“ ab, die Tiere brauchen zum Ausfliegen jedoch komplette Dunkelheit. Deshalb fliegen sie seit einiger Zeit zum Hasengraben aus.

Dennoch ist das noch keine Erklärung dafür, warum die Zahl der Tiere so abgenommen hat. Kaipf schätzt, dass die Kolonie im Mai diesen Jahres innerhalb von zwei Wochen von 400 auf etwa 50 Tiere schrumpfte. Zunächst dachte sie, Marder oder Schleiereulen hätte unter den Mausohren gewütet. Aber mehr noch spricht für sie dafür, dass irgendetwas die Tiere vom Schlosshof her gestört habe. Es könnten Schläge gegen die Gitterstäbe des Kellerfensters gewesen sein, das nur wenige Zentimeter von den Tieren entfernt ist. Solche Schläge stellten einen ganz massiven Schock für sie dar, so die Expertin. An den Kies, wie er im Schlosshof zu finden sei, hätten sich die Tiere dagegen längst gewöhnt.

Für Kaipf spricht einiges dafür, dass die Mausohren ein noch unbekanntes Ausweichquartier gefunden haben. Sie tippt auf ein großes Scheunendach ganz in der Nähe von Tübingen. Da die Tiere unter Artenschutz stehen, müssen sich Hausbesitzer übrigens gastfreundlich verhalten, auch wenn es ihnen schwerfällt und nicht in Bau- oder andere Pläne passt.

Dass die Fledermausschützer, die die Arbeit der Freunde der Schlossfledermäuse übernommen haben, den kontinuierlichen Untergang der Kolonie provoziert hätten, kann Kaipf schon mit einer Zahl entkräften: In ihrer Ära, im Jahr 2005, hatte die Kolonie mit über 1000 Tieren den höchsten Stand erreicht. Kein Sommertheater und keine „Nabucco“-Oper hatte etwas dagegen ausrichten können. Mittlerweile sind es, so Kaipf, um die 250 Tiere und wenn sie jetzt nochmal weniger werden, dann hat das damit zu tun, dass sie nun ihre Höhlen-Winterquartiere aufsuchen.

Schlossfledermäuse haben möglicherweise neues Quartier
Während der Theater-Aufführungen im Schlosshof beobachtete Ingrid Kaipf, wie hier im Jahr 2004, per Monitor die Tiere im dunklen Keller. Archivbild: Metz

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27.08.2012, 12:00 Uhr

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