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Schluss mit lustig
Unbekannte in Horror-Clown-Kostümen rufen in den USA seit mehreren Wochen Unruhe hervor. Foto: A2800/_Erik S. Lesser
Washington

Schluss mit lustig

Menschen in gruseligen Clownskostümen versetzen Amerika in Schrecken. Eltern bangen um ihre Kinder.

15.10.2016
  • PETER DETHIER

Washington. Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr aus dem Haus, soziale Medien spielen verrückt, mehr als ein Dutzend Menschen ist von ebenso ratlosen wie überforderten Polizisten verhaftet worden. Berichte über Clowns, die an Straßenecken, auf Spielplätzen und Wanderwegen auftauchen, versetzen Amerika in Schrecken. Unklar bleibt, was sich dahinter verbirgt. Sind es alberne Lausbubenstreiche, machen Hollywoodstudios Schleichwerbung für neue Horrorfilme, oder handelt es sich um Kindesentführer?

Kinder angesprochen

Begonnen hatte die Hysterie Ende August in Greenville, South Carolina. Binnen weniger Tage häuften sich Berichte über einen in ein Kostüm gekleideten Mann mit einem kreideweiß bemalten Gesicht, lockigen, roten Haaren und einer leuchtenden Nase. Er habe neben einem Apartmentgebäude Kinder aufgefordert, ihm in den Wald zu folgen, sagten mehrere Jugendliche.

Der Weg führte zu einem heruntergekommenen Haus, von dem die Kinder behaupteten, dort lebten Clowns. Die Polizei ermittelte und fand nichts. Doch die Serie von Anrufen bei der Notrufzentrale riss nicht ab. Immer wieder schickte die Polizei einen Streifenwagen, immer wieder gingen die Cops leer aus. Greenville Sheriff Ryan Flood betonte, dass „wir keine Spur finden konnten, doch wir bleiben dran und wissen immer noch nicht, was wirklich geschehen ist.“

Der Fall hat im ganzen Land Schlagzeilen gemacht. Es dauerte nur wenige Tage, bis von Virginia über die Neuengland-Staaten bis hin nach Kalifornien verunsicherte Eltern, Lehrer und Kinder der Polizei von „gruseligen Clowns“ berichteten.

In einigen Fällen war das Motiv klar. So wurde ein 13-jähriges Mädchen in Virginia verhaftet, nachdem es im Internet Clowns anwerben wollte, um einen ihrer Lehrer zu ermorden. Einen leicht aufzuspürenden elektronischen Fingerabdruck hinterließ vergangene Woche auch ein 14-Jähriger in Kalifornien. Auf seiner Instagram-Seite mit dem Namen „Fontanas Killer Clowns“ hatte er Mitschüler bedroht. Er konnte verhaftet werden.

Wegen ähnlicher Drohungen ermitteln Behörden auch in Connecticut, Massachusetts und anderen Staaten. Manchmal geht es aber um mehr als um alberne, aber folgenschwere Drohungen im weltweiten Netz. So hat ein als Clown verkleideter Mann in San Francisco versucht, ein einjähriges Baby zu entführen.

Die Welle der „Grusel-Clowns“ hat nun auch Europa erreicht: In Schweden sei ein Mann von einem Angreifer mit Clown-Maske niedergestochen worden, teilte die Polizei der Region Halland gestern mit.

Wieso ausgerechnet jetzt?

Nicht nur die Polizei, sondern auch Sozialwissenschaftler zerbrechen sich den Kopf darüber, warum das Phänomen sich ausgerechnet wenige Wochen vor dem populären Kostümfest Halloween ausbreitet. Nach Ansicht des Psychologen Francis T. McAndrew „hat es damit zu tun, dass Clowns unberechenbar sind.“ Man wisse nicht, ob hinter der Fassade ein freundlicher Mensch oder ein Fiesling steckt.

Auch die Theorie, dass die Clowns schlicht Werbung für einen neuen Film machen sollten, kursierte. Kommendes Jahr soll eine neue Version des verfilmten Romans von Stephen King „Es“ über den gruseligen Clown „Pennywise“ ins Kino kommen. King gab jedoch Entwarnung und schrieb auf Twitter: „Zeit, die Clown-Hysterie herunterzufahren – die meisten Clowns sind gut, erheitern Kinder und bringen Leute zum Lachen.“

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15.10.2016, 06:00 Uhr

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