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Essen an Schule und Kita als Drahtseilakt zwischen Kosten und Genuss

Schmeckt s denn nicht?

Den Kindern schmeckt's, es ist gesund und günstig noch dazu - so sollte das Mittagessen in Kita und Schulmensa sein. Aber geht das überhaupt? Experten sagen: ja, aber nur unter bestimmten Bedingungen.

26.11.2015
  • MADELEINE WEGNER

Sigmaringen: Kartoffeln, Vollkornbrot, Brokkoli, Salat, Geschnetzeltes, Kabeljau, Tilsiter, Hagebuttentee. So sieht beispielhaft eine "optimale Lebensmittelauswahl für die Mittagsverpflegung" nach den Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) aus. Welches Kind würde da laut "Juhu!" rufen? Nicht nur die Geschmacksfrage spielt eine Rolle, sondern auch die Kosten. Hochwertiges Essen anbieten, Kosten sparen und nicht die Kinder vergraulen: Das ist der Drahtseilakt, den Träger von Kitas und Schulen, Caterer, aber auch Schulen und Kitas sowie die Familien zu bewältigen haben. Und: Mit dem Ausbau der Ganztagsschulen wird das Thema Verpflegung an Bedeutung zunehmen.

Die Ernährungsgewohnheiten prägen sich auch in der Tageseinrichtung aus. "Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass sich die Kinder jahrelang den ganzen Tag in der Einrichtung verbringen", sagt Tina Janitz, Leiterin der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung. Gutes Essen heißt "Hauptsache viel Fleisch" - das war einmal. "Es ist nötig, ein Verständnis dafür zu schaffen, dass sich heute vieles verändert hat", sagt Janitz.

Vertreter der Kommunen und der Firmen, die das Essen für Kitas und Schulen bereit stellen, trafen sich kürzlich zu einem Werkstattgespräch der Vernetzungsstelle. Ein Caterer, der auf 20 Jahre Erfahrung zurückgreifen kann, sagt: Die wenigsten Schulträger sind bereit, ein Risiko einzugehen. Letztlich stehe immer der Preis im Vordergrund. "Der Schwarze Peter wird den Betreibern zugeschoben", sagt der Caterer. Und das sei eine schwierige Aufgabe: "Wo die Schüler zur Teilnahme am Essen verpflichtet sind, kann man gesundes Essen anbieten, ansonsten aber läuft es auf Döner und Pommes raus."

Das hat auch Janitz von der Vernetzungsstelle beobachtet. "Qualität allein bringt keinen Erfolg", sagt sie. Eine hohe Akzeptanz hingegen sorge für wirtschaftlichen Erfolg bei den Caterern. Deshalb sei es wichtig, dass das Menü-Angebot und etwa ein Wechsel zu gesundem Essen nach DGE-Qualitätsstandards mit allen Beteiligten ausgearbeitet und vor allem besprochen wird, sodass Schulen, Eltern und auch Kinder darauf vorbereitet sind. Dabei sei auch Geduld gefragt, sagt Janitz: "Die Kinder müssen das eben auch manchmal erst lernen, wieder gesund zu essen, das kann eine Weile dauern."

Um Caterer, Schulen, Kitas und deren Träger zu beraten gibt es in Baden-Württemberg die "Praxisbegleiter Kita- und Schulverpflegung", das ist ein bundesweit einmaliges Programm. Ingrid Kieck ist eine dieser Praxisbegleiter. Sie hat beobachtet, dass die Überfürsorglichkeit der Eltern in den letzten Jahren extrem zugenommen habe. Zugleich jedoch sieht sie auch das Akzeptanzproblem von gesundem Essen. "Der Wille fehlt, das im Schulalltag einzubinden", sagt sie. Den Caterern rät sie beispielsweise, in einer Übergangsphase zunächst nur eine von mehreren Menülinien umzustellen.

Doch ist gesundes Mensa-Essen auch bei engem Kostenrahmen möglich? "Es geht - unter bestimmten Voraussetzungen und Rahmenbedingungen", sagt Margret Löhr, die als Betriebswirtin viele Kommunen und Einrichtungen berät. Dazu gehöre etwa eine größere Beteiligung am Mittagessen und fachliche Unterstützung der Schulleitungen und -träger beim Kostenmanagement. Nicht zuletzt sollten alle Beteiligten das jeweilige Konzept mittragen. "Da , wo es richtig gut läuft", sagt Janitz, " sind die Eltern mit im Boot und engagieren sich."

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26.11.2015, 08:30 Uhr

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