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Archäologie

Schmuckstück im Keltengrab

Bei Arbeiten entdeckten Forscher in einem Grab in der Nähe der Heuneburg die bislang älteste Reiterfigur Süddeutschlands.

13.12.2016
  • MADELEINE WEGNER

Vorsichtig, mit drei Fingerspitzen und mit Hilfe einer Pinzette, löst Tanja Kreß eine schwarze Kugel aus der klebrigen Erde. Seit vier Wochen arbeitet die Tübinger Restauratorin an einem großen Erdblock, in dem Schmuckstücke und Knochen aus frühkeltischer Zeit verborgen sind. Bei einer Rettungsgrabung in der Nähe von Riedlingen hatten Archäologen das Material gesichert.

Das Grab hatten die Wissenschaftler des Landesamts für Denkmalpflege im Sommer am Fuße des Berges Bussen entdeckt. Hier sollte eine Umgehungsstraße zur B 311 bei Unlingen (Landkreis Biberach) gebaut werden. Die Grabung brachte mehrere teils gut erhaltene und außergewöhnlich ausgestattete Gräber zum Vorschein. Da sich hier durch Regen im Juni viel Nässe gestaut hatte und um allzu hohe Kosten zu vermeiden, wurden die Gräber im Block geborgen. In den Tübinger Werkstätten des Landesamts für Denkmalpflege werden sie derzeit freigelegt.

Eine Einordnung fällt schwer

In einem der drei Grabhügel entdeckten die Archäologen bereits eine kleine Sensation: eine 8,5 Zentimeter lange und 6,8 Zentimeter hohe Bronze-Figur, die einen Reiter auf einem doppelköpfigen Pferd zeigt. „Das ist bislang einmalig. Deshalb können wir es auch noch nicht genau einordnen“, sagte Grabungsleiter Marcus Meyer gestern.

Doch so viel sei sicher: Die Figur ist die älteste Reiter-Darstellung aus Süddeutschland. Ob sie sogar bundesweit die älteste ist, prüfen die Wissenschaftler derzeit. Die Bruchkanten an den Beinen des Reiterfigürchens deuten darauf hin, dass die Statuette ursprünglich an einem anderen Objekt befestigt war – auf dem Deckel eines Bronzegefäßes, an einem Joch oder Wagen, vermuten die Archäologen. Ähnliche figürliche Darstellung aus dieser Zeit gebe es vor allem bei italienischen Funden. Meyer geht deshalb davon aus, dass die Menschen im 7. Jahrhundert vor Christus Beziehungen in den Süden hatten und sich von deren Kunstwerken inspirieren ließen.

Das Grab gehörte wahrscheinlich einer sozialen Elite. In dem Grabhügel fanden die Forscher bereits Beigaben aus Keramik und Bronze, darunter auch ein fragiles, mit kleinen Löchern übersätes Bronzeblech. „Es gehörte unzweifelhaft zu einem keltischen Wagen“, sagte Meyer.

Der zweite, im Durchmesser gut 30 Meter große Grabhügel barg ein kleines Keramikensemble, ansonsten war das Grab leer – die Archäologen vermuten, dass es bereits in der Antike beraubt wurde. Im dritten, südlichen Grabhügel trat bereits knapp 20 Zentimeter unter der Oberfläche ein kleiner goldener Ohr- oder Schläfenring zu Tage. Die Knochen der bestatteten Frau sind schlecht erhalten, der Boden sehr nass. „Eine komplizierte Fundsituation“, sagt Meyer. Deshalb ist nun die Restauratorin mit dem Freilegen der Funde – darunter Schmuck wie die Gagatkugeln aus fossilem Holz und eine bronzene Halskette beschäftigt.

Die Überraschung der Archäologen war groß, als sie unter dem Block ein zweites Frauengrab fanden. Die Knochen der Frau sind deutlich besser erhalten. Derzeit werden sie in Konstanz anthropologisch untersucht.

Bislang sind keine vergleichbaren Gräber am Fuße des Bussen bekannt, sagte der Landesarchäologe Dirk Krausse. Der Berg selbst sei unerforscht. Doch die Grabhügel liegen nur elf Kilometer von der Heuneburg entfernt. Die neu entdeckten Gräber stammen aus der Zeit vor der Errichtung der Heuneburg. Ob es eine Siedlung auf dem Berg Bussen gab, und ob es Beziehungen zur Heuneburg gibt, wollen die Wissenschaftler in einem Langzeitprojekt untersuchen.

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13.12.2016, 06:00 Uhr

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