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Rottenburgs neuer Bundesliga-Manager Daniel Mey im TAGBLATT-Interview

Schnell beworben, schnell genommen

Seit zwei Wochen ist Daniel Mey als Manager des Volleyball-Bundesligisten TV Rottenburg im Amt. Beim Ligakonkurrenten Düren hat der 39-Jährige vier Jahre lang unter anderem in der Geschäftsführung gearbeitet. Im TAGBLATT-Interview spricht der Rheinländer über TVR-Coach Hans Peter Müller-Angstenberger, den Rückzug von Unterhaching – und über Karneval und Fasnet.

31.07.2014

TAGBLATT: Herr Mey, welche schwäbischen Wörter haben Sie schon gelernt?

Daniel Mey:(lacht) Ich habe schon mal im Schwabenländle gewohnt. In Ulm. Deshalb muss ich jetzt überlegen, was denn neu ist… „Abgeveschpert“!

Abgevespert?

„Abgefrühstückt“ sagt man bei uns im Rheinland. „Abgeverspert“ habe ich aber mehr aufgeschnappt als dass es mir beigebracht wurde.

Mentalitätsprobleme dürften Sie ja keine haben: Sie sind Rheinländer, lebten zuletzt in Köln – dort wird der Karneval so ausgiebig zelebriert wie in Rottenburg die Fasnet.

Gebürtig bin ich Koblenzer. Ich glaube aber, der Unterschied zwischen dem Karneval in Köln und der Fasnet in Rottenburg ist schon noch gegeben. Aber die Grundausrichtung in den Bereichen sollte gleich sein.

Aber das dürfte nicht der Hauptgrund gewesen sein, dass Sie zum TV Rottenburg gekommen sind…

Nein, natürlich nicht. Ich bin von Natur aus Volleyballer. Das ist meine Sportart, die ich seit mehr als 20 Jahren betreibe – sowohl aktiv wie auch als Trainer. Nachdem die Ausschreibung der Stelle in Rottenburg draußen war, die ich persönlich von Jörg Papenheim bekommen hatte…

… Sie kennen sich?

Wir kannten uns schon. Wir sind vor ganz langen Jahren auf der Trainerbank gegenüber gesessen: er bei der TG Nürtingen, ich beim VfB Ulm mit den B-Jugend-Damen.

Und er wies Sie auf die Ausschreibung hin?

Genau. Nachdem ich gesehen hatte, dass er die Stelle in Berlin bekommen hatte, habe ich mich direkt bei ihm gemeldet um ihm zu gratulieren. Ich wusste da natürlich, dass in Rottenburg diese Stelle schnell besetzt werden musste. Und da solche Stellen im Volleyball nicht gut gesät sind, war mir klar: Ich möchte mich dort bewerben. Das ist ein gut geführter Verein, der sich in der Bundesliga etabliert hat. So kam es dazu, dass ich meine Bewerbung schnell verschickt habe und auch schnell ein Feedback darauf bekommen habe. Nach dem Bewerbungsgespräch erhielt ich dann auch schnell eine Zusage.

Trotzdem zogen sich die Verhandlungen hin.

Eigentlich nicht. Wir waren uns relativ schnell einig. Man musste halt nur bis zur Unterschrift warten. Da ich bei meinem alten Job noch den Austritt machen musste und wir in der Kommunikation auch sauber sein wollten.

Sie kannten Rottenburg aus Dürener Zeiten?

Ich war ein Mal hier. Aber mehr auch nicht. Und ich war als Spieler des VfB Ulm auch schon zwei Mal in Rottenburg.

Dann dürfte Ihnen der heißblütige Trainer aufgefallen sein.

Defintiv! Aber auch ein Original.

Wie nahmen Sie als Außenstehender den TV Rottenburg wahr?

Die Wahrnehmung von außen, die wir und ich hatten, dass hier sauber gearbeitet wurde. Dass man nicht über seine Verhältnisse lebt. Dass hier nicht auf große Stars gesetzt wird, sondern immer wieder junge Spieler eine Chance bekommen, zu spielen. Wir sehen es ja jetzt bei Unterhaching, wozu es führen kann, wenn Sponsoren wegbrechen. Das ist hier alles immer sehr gut geführt gewesen. Dass der Trainer sehr extrovertiert ist, ist eigentlich mehr eine persönliche Sache. Wenn man neben dem Spielfeld mit ihm spricht, ist es auch wieder was ganz anderes.

Sie sprachen Unterhaching an, das sich nach dem Rückzug des Hauptsponsors jetzt definitiv aus der Bundesliga zurückgezogen hat. Was bedeutet das für die Liga und den TV Rottenburg?

Für uns, beziehungsweise für die Sportart und die Liga ist es ein ganz schlechtes Zeichen, dass es in einer Stadt mit einer guten Infrastruktur wie München nicht möglich war, den Spitzensport zu etablieren. Das ist ein trauriger Tag für den Volleyball in ganz Deutschland, dass so eine Mannschaft, die die letzten Jahre in der Champions League mitgespielt hat, auf einmal wegfällt!

Positiv für den TVR ist da vielleicht noch, dass es durch den Rückzug diese Saison nur einen Absteiger gibt. Der Klassenverbleib sollte demnach kein Problem sein…

Wir haben dieses Jahr, denke ich, ein sehr gutes Team zusammen. Es stehen noch drei Zugänge aus, die wir noch bekannt geben müssen. Die Play-Offs sollten wir erreichen können dieses Jahr. Gerade bei drei Aufsteigern, Haching, das sich zurückgezogen hat, haben wir sportlich ganz gute Chancen, da auf jeden Fall hinzukommen.

Wo setzen Sie Ihre Schwerpunkte in Ihrer Arbeit?

Ich habe meine Diplomarbeit über „Markenbildungsprozesse im Sport“ geschrieben. Und hier müssen wir erstmal schauen, wie sehen wir uns selber, und wie werden wir von außen gesehen? Um einen Prozess anzuschieben, ist es erst einmal sehr wichtig, dass man weiß, wo man hinkommen möchte, wie die Aufgangspositionen sind.

Und wohin möchte der TV Rottenburg?

Das ist eine Sache, die müssen wir noch intern mit allen Beteiligten besprechen. Es ist wichtig, dass wir eine gemeinsame Sprache sprechen. Da muss jeder mitziehen und jeder mit dabei sein! Dass man da eine gemeinsame Identifikationslinie findet. Je schärfer wir am Ende unser Profil haben, umso besser können wir uns darstellen, und umso einfacher wird es auch bei der Sponsorensuche.

Wohnen Sie schon in Rottenburg?

Seit dem 15. Juli habe ich schon eine Wohnung in Rottenburg, werde meine alte in Köln auch bis Ende August auflösen. Und bin dann auch Rottenburger mit Leib und Seele.

Der Blick auf den Dom bleibt Ihnen ja erhalten…

(schmunzelt) Ich habe schon scherzhaft gesagt: Alles wird ein bisschen kleiner. Der Fluß wird kleiner, der Dom wird kleiner…

…aber die Biergläser größer.

Da haben Sie recht! Das ist wahr. Bild: Ulmer

Interview: Tobias Zug

Schnell beworben, schnell genommen

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31.07.2014, 12:00 Uhr

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