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Schnelle Eingreiftruppe macht in der City den Dreck weg
Ronny Flor entfernt mit seinem Dampfstrahler in der Stuttgarter Königstraße Aufkleber und auch Kaugummis. Foto: Caroline Holowiecki
Straßenreinigung

Schnelle Eingreiftruppe macht in der City den Dreck weg

Kaugummis, Kippen und Kleber: Stuttgart ist schmutziger geworden. Mit neuen Konzepten will die Stadtverwaltung Abhilfe schaffen.

20.12.2016
  • CAROLINE HOLOWIECKI

Die Stuttgarter Innenstadt vermüllt. Zwar ist die Menge des Straßenkehrichts, den der städtische Eigenbetrieb Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) pro Jahr einsammelt, zwischen 2011 und 2015 nicht eklatant gestiegen, nämlich von 5754 auf 5906 Tonnen, doch an der Art und Weise, wie dieser Müll in der Innenstadt zustande kommt, hat sich aus Sicht des AWS-Geschäftsführers Thomas Heß sehr wohl etwas verändert. „Die Sitten verrohen. Man lässt überall seinen Gruscht liegen“, haben er und seine Mitarbeiter festgestellt. Stuttgart habe nicht nur ein Putz-, sondern ein Einstellungsproblem.

Aus diesem Grund haben die Stadtverwaltung und die AWS den Kampf gegen den Dreck bereits vor einer Weile intensiviert. Ende 2013 hat der Gemeinderat beschlossen, neun von zehn Punkten eines neues AWS-Konzepts umzusetzen, mit dem Stuttgart und insbesondere die Innenstadt sauberer werden sollen. Dazu gehörten bislang unter anderem die Abfallberatung in Schulen und die Erweiterung der Reinigungszone 1, der besondere Beachtung zukommt. Sie umfasst neben der Königstraße und dem Schlossplatz die abgehenden Querstraßen. Und es zeigt sich: Die Maßnahmen sind von Erfolg gekrönt.

An diesem Erfolg sind auch Frank Lenfert und Ronny Flor beteiligt. Sie bilden die „schnelle Eingreiftruppe“ der AWS, die als eine der zehn Maßnahmen gegründet wurde. Mit einer Kärcher-Spezialanfertigung ziehen sie in der Frühschicht ab 3.45 Uhr los, um Aufklebern zu Leibe zu rücken, die Unbekannte an Schildern, Masten oder Mülleimern anbringen.

Seit einem Jahr ist der Trupp nun schon in der Reinigungszone 1 unterwegs. Neun Monate hat das Duo gebraucht, um einen Komplettdurchgang zu machen. Mit 600 Liter Wasser im Tankanhänger, einem 200-bar-Dampfreiniger, Hitze und – wenn es gar nicht mehr anders geht – Handschabern entfernen die Männer Aufkleber, und dies ohne Chemie, so AWS-Chef Heß bei einem Vor-Ort-Termin am Montag. Ein Trick: Fettige Pflegemittel vermiesen den Unbekannten den Klebespaß und machen die Entfernung anschließend leichter.

Für die AWS hat die „schnelle Eingreiftruppe“ eine besondere Bedeutung. Denn wo ein Aufkleber ist, kommen schnell weitere hinzu, und wo Unrat herumliegt, wächst der Berg rasch, weiß Dirk Thürnau, der Technische Bürgermeister. Zudem fühlten sich die Bürger durch wahllos angebrachte Parolen und Bildchen sowie herumliegenden Müll zunehmend gestört. Es gibt viele Beschwerden, bestätigt Heß. Und gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit nehme die Verschmutzung wieder zu. „Mehr Leute bedeuten mehr Müll“, so Heß.

Der nächste Punkt des zehnteiligen Konzepts steht bereits kurz vor der Umsetzung. In Bälde soll eine neue Kaugummi-Entfernungsmaschine angeschafft werden, erklärt Heß. Das Fahrzeug soll die hässlichen Flecken beim Drüberfahren mit Heißdampf vom Boden lösen. Die Maschine ist so teuer wie eine Luxuslimousine: Sie kostet 150 000 Euro.

Und auch in puncto Umdenken und Öffentlichkeitsarbeit wollen die Stadtverwaltung und die AWS vorankommen. So prüft die Wirtschaftsförderung laut Thürnau Möglichkeiten, in der Landeshauptstadt ein Pfandsystem für Mehrweg-Kaffeebecher einzuführen, um Wegwerf-To-Go-Becher zu verbannen. Freiburg hat‘s vorgemacht. Auch will Stuttgart mit charmanten Kampagnen wie in Wien die Leute zu mehr Disziplin erziehen. Und wenn gar nichts hilft, will man auf mehr Kontrollen setzen. Hier hofft Thürnau auf den Bußgeldkatalog, den das Land aktuell überarbeite. Denn bislang gebe es wenig Handhabe gegen Müllrowdys. Mehr als eine Verwarnung sei oft nicht drin.

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20.12.2016, 06:00 Uhr

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