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Schneller, günstiger und komfortabler
Noch sitzen recht wenige Passiere in den Relexbussen, das Angebot muss sich erst herumsprechen. Die ersten Passagiere reagieren positiv auf die Annehmlichkeiten der Fahrzeuge. Foto: Caroline Holowiecki
Nahverkehr

Schneller, günstiger und komfortabler

Seit Sonntag fahren die Relexbusse in Stuttgart und Umgebung. Die Expresslinien sollen Verbindungen beschleunigen und mehr Service bieten: Unsere Reporterin hat das getestet.

13.12.2016
  • CAROLINE HOLOWIECKI

Freie Platzwahl. Freie Platzwahl. Der junge Mann stellt seine Taschen auf den blauen Sitzen ab, stellt seine Lehne etwas nach hinten, zieht die schwarze Wollmütze über die Augen und gibt sich einem kurzen Schlummer hin, während draußen langsam der Tag anbricht. Erstmal relaxen im Relexbus. Seit dem Fahrplanwechsel am Sonntag verkehren die neuen hellblauen Busse unter anderem zwischen Kirchheim unter Teck und dem Flughafen. Der Vorteil: Wo man bislang mit der S-Bahn einmal die Schleife durch Stuttgart machen musste, geht's jetzt zügig mittendurch. Und, das ist das Versprechen an die Passagiere, die Fahrt soll besonders komfortabel sein, günstiger obendrein, weil weniger Zonen durchkreuzt werden.

Matthias Klöhn kommt kurz vor 8 Uhr am Kirchheimer Busbahnhof an. Er fährt normalerweise mit dem Auto zum Flughafen, wo er arbeitet. An diesem Montag jedoch – das Radio warnt mal wieder vor einem mächtigen Stau auf der A8 – möchte er das neue ÖPNV-Angebot testen. „Ich will wissen, ob er es in knapp 40 Minuten schafft“, sagt er, während der Busfahrer Maurice Krohmer einsteigt.

Heute jedenfalls startet die Fahrt gen Flughafen pünktlich. Während der junge Mann unter der Wollmütze keinen Mucks macht, sind die drei anderen Fahrgäste in ihre Smartphones vertieft. Es gibt Wlan an Bord. Das Passwort ist gut sichtbar an der Gepäckablage angebracht. Die Verbindung kommt rasch zustande, maximal 30 Megabyte sind pro Nutzer und Tag zulässig.

13 dieser nagelneuen Busse hat die Betreiberfirma Schlienz Tours im Einsatz, berichtet der Fahrer nicht ohne Stolz. USB-Anschlüsse und Klapptische an einigen Sitzen, Leselampen, extra viel Beinfreiheit und große Gepäckablagen sollen vor allem auf Geschäftsreisende attraktiv wirken.

Bereits auf der Fahrt von Kirchheim nach Wendlingen kommt der Bus etwas in Verzug. Es ist viel los auf den Straßen. Außerdem geht es auf langen Strecken durch 30er-Zonen, das hält auf. „Die Zeit ist vielleicht etwas knapp bemessen“, findet auch der Chauffeur. Am ersten Zwischenstopp, dem Wendlinger Bahnhof, hat der Relexbus fünf Minuten Verspätung.

Christian Dieterich aus Kirchheim stört das nicht. „Für mich ist das eine deutliche Verbesserung“, sagt er. Er muss nach Denkendorf zum Arbeiten, hätte normalerweise die S-Bahn genommen. In Esslingen habe er aber allzu oft den Anschlussbus verpasst. Nach dem Köngener Zentrum kommt der Bus schließlich schneller voran. Mit zehn Minuten Verspätung erreicht Christian Dieterich Denkendorf, gestresst wirkt er jedoch nicht.

Bei den zehn Minuten wird es schließlich auch bleiben, bis der Bus am Flughafen ankommt. Zeit genug für den Busfahrer Maurice Krohmer, am Busstopp hinter den Terminals drei und vier ein kurzes Päuschen einzulegen, bevor er weiter muss nach Leonberg. Von dort kommt Astrid Hornig gerade. Sie lenkt vom Flughafen den Relexbus zurück nach Kirchheim. Da sitzt um 8.57 Uhr zwar nur eine Passagierin drin, „heute Morgen haben jedoch schon 19 Personen die Verbindung von Leonberg aus genommen, 15 sind bis zur Uni gefahren“.

Unwohl fühlt sich Hannah Weiss im leeren Mobil jedoch nicht. Die junge Frau kommt aus Waiblingen-Beinstein, muss zum Praktikum nach Neuhausen. Die neue Verbindung bringt sie schneller ans Ziel, „das ist eine Erleichterung“, und das Wlan ist das Sahnehäubchen, findet sie.

Die Internetverbindung ist in diesem Bus jedoch nicht die beste. Das Smartphone findet sogar zwei Relexbus-Netzwerke, bei beiden jedoch bricht die Verbindung immer wieder ab. Markus Lutz ist das egal. Schon beim Einstieg in Denkendorf stimmt er in seine Lobeshymnen ein. „Bombe“, „top“ und „super“ sei die Verbindung, „so stelle ich mir das vor. Ich kann morgens eine Stunde länger schlafen und spare 50 Euro im Monat“, sagt der Pendler, der in Kirchheim arbeitet. „Das Angebot muss nur noch in mehr Ohren“, findet er.

Als der Relexbus am Kirchheimer Bahnhof um 9.35 Uhr eine Punktlandung hinlegt, parken zwei Autos unberechtigt auf dem Halteplatz. Die Fahrer schauen verdutzt, als der blaue Bus vorfährt. Ja, das Angebot muss sich erst noch herumsprechen.

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13.12.2016, 06:00 Uhr

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