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ÖPNV

Schneller und günstiger

Die ersten drei Expressbus-Linien gehen zum 11. Dezember an den Start. Der Verband Region Stuttgart rechnet mit einer großen Nachfrage.

25.11.2016

Von DOMINIQUE LEIBBRAND

13 blaue Busse sind auf den drei Linien zunächst unterwegs. Pro Gefährt gibt es 41 Sitz- und 33 Stehplätze. Foto: Foto: Ferdinando Iannone

Stuttgart. Dass aus Zwist auch etwas Gutes entstehen kann, davon ist Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) überzeugt. Immerhin sei aus einem Streit zwischen dem Verband Region Stuttgart (VRS) und seinen Verbundlandkreisen über Zuständigkeiten der ÖPNV-Pakt entstanden, sagte er am Donnerstag bei der Präsentation der neuen Expressbusse auf der Messe Stuttgart. Diese wiederum sind ein Baustein des Pakts, der zum Ziel hat, den Anteil öffentlicher Verkehrsmittel in der Region bis 2030 erheblich zu erhöhen.

Zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember nehmen die ersten drei Expressbus-Linien ihren Dienst auf. Sie werden zwischen Kirchheim/Teck und Flughafen/Messe, Leonberg und Flughafen/Messe sowie Waiblingen und Esslingen verkehren – in den Hauptverkehrszeiten alle halbe Stunde, ansonsten stündlich. Die blauen Busse, die sich am Donnerstag zahlreiche geladene Gäste, darunter Landtagsabgeordnete und Regionalräte, anschauten, firmieren angelehnt an das englische Wort für „entspannen“ unter dem Namen „Relex“ und sind als Zusatzangebot für die in Teilen überlastete S-Bahn angelegt. Sie werden als Querverbindungen Mittelzentren und wichtige Knotenpunkte verbinden, die von der S-Bahn nicht direkt bedient werden, und sie sollen dabei schneller sein.

Der VRS-Vorsitzende Thomas Bopp sagte bei der Präsentation: „Express heißt, der Bus hält nur an ausgewählten, stark frequentierten Haltestellen oder Umstiegsknoten.“ Mit der Direktverbindung von Leonberg zum Flughafen etwa gelangt man künftig in 34 Minuten ans Ziel. Zeitersparnis: 20 Minuten. Kürzere Wege bedeuten auch weniger Kosten: Pendler sparen auf allen Strecken mindestens eine Zone ein – auf den Strecken gilt der reguläre Tarif des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS).

VRS weitet Kompetenzen aus

Mit den Expressbussen betritt der Stuttgarter Regionalverband Neuland, da er erstmals neben der S-Bahn auch für Busse zuständig ist. Dort hofft man nun auf eine gute Nachfrage des Angebots. Laut einer Marktstudie wird am Anfang pro Linie und Tag mit 500 Fahrgästen gerechnet. Die Erfahrung zeige, dass die Nachfrage nach und nach steigen werde, sagte der Leitende Technische Direktor des VRS, Jürgen Wurmthaler. Für den VRS-Vorsitzenden Bopp ist der Komfort in den Bussen, die die neueste Dieselnorm Euro 6 erfüllen, ein schlagendes Argument beim Kundenfang. Neben WLAN gibt es USB-Steckdosen, Leselampen, verstellbare Sitze und Klapptische. Faktoren, die, so Bopp, gerade für Geschäftsleute eine wichtige Rolle spielten.

Betrieben werden die Busse von der Firma Schlienz-Tours aus dem Rems-Murr-Kreis, die sich in einer europaweiten Ausschreibung durchgesetzt hatte. Sie ließ die Relex-Flotte bei der Daimler-Tochter Setra in Neu-Ulm produzieren und investierte dafür laut Geschäftsführer Erhard Kiesel drei Millionen Euro. Am 18. November habe man 13 fabrikneue Gefährte abgeholt, drei davon werden als Ersatzfahrzeuge vorgehalten.

So weit, so gut: Eine Sorge aber bleibt. „Volle Straßen“, so Erhard Kiesel. Zwischen Leonberg und dem Flughafen seien die Busse auf der Autobahn unterwegs, er hoffe, dass sie dort die erlaubten 100 Stundenkilometer auch ausfahren könnten – Stichwort Verkehr. Womöglich könne man in Zukunft auf dem Standstreifen oder einer Sonderspur fahren, sagte der Busunternehmer in Richtung der politischen Vertreter.

Infrastruktur für freie Fahrt

Verkehrsminister Hermann zeigte sich für infrastrukturelle Maßnahmen offen, Ziel sei, dass die Busse nicht im Stau stünden. In diesem Zusammenhang wurde unter anderem auch der Ausbau der Ostumfahrung von Stuttgart-Vaihingen, die sogenannte Nord-Süd-Straße genannt. Die Kommunen werden ihren Teil beitragen, indem sie Busse an Ampeln bevorzugt fahren lassen.

Die drei neuen Linien schlagen mit Kosten von knapp 2,5 Millionen Euro jährlich zu Buche. Mit Steigerungen ist wegen allgemeiner Preiserhöhungen zu rechnen. Das Land fördert das Angebot zunächst mit bis zu drei Millionen in den kommenden drei Jahren, den Rest stemmt der VRS über die Verbandsumlage, in die die umliegenden Landkreise und die Stadt Stuttgart einzahlen. Auf der Einnahmenseite rechnet man anfangs mit rund 200?000 Euro pro Jahr aus Ticketerlösen.

Mindestens ein Jahr will man sich Zeit geben, um zu testen, wie die Expressbusse angenommen werden. Danach könnten weitere folgen – im ÖPNV-Pakt ist zunächst von fünf Linien die Rede.

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Erstellt:
25. November 2016, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
25. November 2016, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. November 2016, 06:00 Uhr

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