Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
K.o.-Tropfen im Cocktail?

Schöffengericht: 26-Jähriger soll junge Frau sexuell misshandelt haben

Der Angeklagte soll zwei flüchtigen Bekannten am 31. Juli 2014 in einer Engstinger Kneipe K.o.-Tropfen verabreicht und in der Nacht gegen deren Willen mit einer der beiden benommenen Frauen Geschlechtsverkehr gehabt haben.

25.06.2015
  • Dorothee Hermann

Reutlingen / Engstingen. Der 26-Jährige muss sich seit gestern wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen sowie sexuellen Missbrauchs widerstandsunfähiger Personen vor dem Schöffengericht Reutlingen verantworten. Er soll sich am Abend des 31. Juli 2014 mit einem Kumpel und zwei jungen Frauen in der Kneipe „Havanna“ in Engstingen getroffen haben.

Dort soll er den beiden Frauen heimlich K.o-Tropfen in die Cocktails geschüttet haben. Beide erinnern sich nicht mehr daran, dass sie samt den Begleitern in eine weitere Engstinger Lokalität, den „Trödler“, weitergezogen waren, wie es Aufnahmen der dortigen Überwachungskamera belegen. Erst am nächsten Vormittag seien sie wieder zu sich gekommen, sagten beide Frauen gestern. Beide fühlten sich ungewöhnlich mitgenommen, ganz anders als nach einem Kater durch Alkohol, wie beide ihn nach zu viel Asbach-Cola schon durchgestanden hatten. Doch einen kompletten Filmriss hätten sie nach einer Ausgeh-Nacht noch nie erlebt.

Mit einer damals 18-jährigen Schwesternschülerin soll der Angeklagte in der Nacht in deren Elternhaus in einer Reutlinger Kreisgemeinde geschlafen haben. Die Frau hat daran keine Erinnerung. Kurz darauf textete der Kumpel des Angeklagten der Frau aufs Handy: Es sei ein bisschen peinlich, aber das Kondom des Angeklagten sei geplatzt, und sie solle sich vorsichtshalber die „Pille danach“ besorgen.

Der Kumpel war mit der ebenfalls außer Gefecht gesetzten zweiten Frau in einem Jugendtreff zurückgeblieben, von wo ihn der Angeklagte nach Hause fahren sollte. Deshalb hatten die beiden Männer weiter Handykontakt. Die zweite Heranwachsende hatte sich zuvor mehrfach erbrochen. Sie wurde schlafend sich selbst überlassen.

Der Angeklagte kannte beide Frauen flüchtig von zwei Sommerfesten in Indelhausen und Hayingen, weil sein Kumpel ein Arbeitskollege der Schwesternschülerin war. Er bestreitet die Vorwürfe. Wortreich behauptete er gestern vor Gericht, sich bei beiden Festen so gut mit dem späteren Opfer verstanden zu haben, dass der Freund der jungen Frau ärgerlich wurde. Sie hätten aber beide miteinander schlafen wollen. Als klar war, dass sie nicht verhütete, fuhr er zunächst zu einer rund um die Uhr geöffneten Tankstelle in Riedlingen, die auch Kondome verkauft.

Ganz anders schilderte die mittlerweile 19-Jährige die Vorgeschichte: Sie erinnert sich mit Gewissheit nur an das Sommerfest in Hayingen, wo sie den Angeklagten nur flüchtig wahrnahm. An die Polizei wandte sie sich zunächst nicht.

Eine vom Tübinger Gerichtsmediziner Prof. Frank Wehner angeregte Haarprobe der beiden Frauen ergab bei der 18-Jährigen Rückstände von Benzodiazepam, wie es auch in K.o.-Tropfen vorkommen kann. Im Haar der Freundin fanden sich keine Fremdstoffe (sie hatte in der Tatnacht mehrfach erbrochen).

Beide Frauen sagten, sie hätten die Cocktails nicht selbst bestellt. Die Mischgetränke sollen in 0,7-Liter-Gläsern serviert worden sein und unter anderem jeweils zwölfeinhalb Schnäpse enthalten haben. Die Begleiter hätten sie mehrfach scheinbar witzelnd aufgefordert, zur Toilette zu gehen. Bei der Rückkehr soll der Cocktailrest saurer beziehungsweise bitterer geschmeckt haben. Ein Selbsttest mit dem identischen XXL-Cocktail vor kurzem in der Engstinger Kneipe habe keinen vergleichbaren Blackout ausgelöst.

Nun will das Gericht den Wirt zur Zusammensetzung des Mischgetränks befragen. Der Prozess wird am Dienstag, 30. Juni, fortgesetzt.

Info Richter am Amtsgericht: Eberhard Hausch; Schöffinnen: Bettina Bamberg, Ute Seitz. Staatsanwältin: Rotraud Hölscher. Nebenklage: Andrea Sautter. Verteidiger: Horst Epple. Gutachterin: Dr. Adina Schweickhardt.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

25.06.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball