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Die Finanzierung ist knifflig

Schönbuchbahn soll erweitert werden – doch wer zahlt?

Das „Sauschwänzle“ zwischen Dettenhausen und Böblingen wird bei den Fahrgästen immer beliebter. Der Zweckverband will die Bahn ausbauen. Weil es Zweifel gibt, ob sich die hohen Investitionen für Tübingen lohnen, laufen jetzt Gespräche über den Kostenanteil des Kreises.

10.08.2012
  • Renate Angstmann-Koch

Tübingen/Böblingen. Zirka 8000 Menschen nutzen derzeit täglich die Schönbuchbahn. Bis 2020 werden sogar 10 000 Fahrgäste erwartet. Um sie befördern zu können, will der Zweckverband die 17 Kilometer lange Strecke bis 2016 komplett elektrifizieren und zwischen Holzgerlingen und Böblingen zum Teil zweigleisig ausbauen. Das würde auf diesem Abschnitt zu Hauptverkehrszeiten einen 15-Minuten-Takt ermöglichen.

Die Baukosten sind mit rund 47,5 Millionen Euro beträchtlich. Dabei rechnet der Zweckverband mit einem Landeszuschuss von 35 Millionen Euro. Es sollen nicht nur weitere Gleise verlegt, sondern auch Bahnübergänge beseitigt und Bahnsteige verlängert werden. Allein 12,7 Millionen Euro sind für eine neue Werkstatthalle in Böblingen vorgesehen. Denn zu den reinen Baukosten kommen noch einmal 40 Millionen Euro für neue Elektrofahrzeuge. Zwar fördert das Land eine solche Anschaffung seit einiger Zeit nicht mehr, doch beim Zweckverband hofft man auf Entgegenkommen.

Der Kreis Böblingen ist an der Schönbuchbahn mit 80 Prozent und der Kreis Tübingen mit 20 Prozent beteiligt. Das wurde 1993 bei der Gründung des Zweckverbands vereinbart. Zu Beginn betrug der Tübinger Umlageanteil umgerechnet 90 000 Euro. Doch mit den jetzt geplanten Investitionen wird er bis zum Jahr 2019 auf geschätzte 1,7 Millionen Euro steigen. Der Tübinger Kreistag will bei aller Liebe zur Schönbuchbahn nicht so viel bezahlen, wurde bei seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause deutlich. Schließlich stehen auch die Elektrifizierung der Ammertal-, Neckartal- und Zollernbahn an – neben weiteren Projekten im Zug der Regionalstadtbahn.

Was hinzukommt: „Die Maßnahmen beim Ausbau der Schönbuchbahn kommen weit überwiegend nicht Dettenhausen und seinen knapp 5500 Einwohnern zugute“, sagt Landrat Joachim Walter, der wegen der Kostenanteile Gespräche mit seinem Böblinger Kollegen aufnahm. Im Nachhinein wunderte man sich im Landratsamt, weshalb der Kreis Tübingen an der Schönbuchbahn mit 20 Prozent beteiligt ist, obwohl nur 1,1 Kilometer der Strecke (6 Prozent) und nur einer der zwölf Haltepunkte auf seinem Gebiet liegen. Der Anteil der Fahrgäste aus dem Kreis Tübingen beträgt zehn Prozent. Bei der Ammertalbahn zwischen Tübingen und Herrenberg, die ebenfalls ausgebaut werden soll, ist das Verhältnis der Anteile umgekehrt: Der Kreis Böblingen hält 20, der Kreis Tübingen 80 Prozent, was auch ungefähr den Streckenanteilen entspricht.

Der Tübinger Landrat hatte den Eindruck, in Böblingen mit seinen Bedenken wegen der Schönbuchbahn Verständnis zu finden. Nun werde gerechnet, wie sich die Kosten des Projekts verringern ließen und ob man Teile der Investitionen, die vor allem den Böblinger Kreisgemeinden zugute kommen, aus dem Paket herausrechnen kann.

Walter ist optimistisch, dass eine faire Lösung gefunden wird. Davon geht auch Roland Bernhard aus. Dem Böblinger Landrat und Zweckverbandsvorsitzenden ist das Thema ein Herzensanliegen. „Die zentrale Botschaft beider Landkreise ist, dass wir zum Ausbau und der Elektrifizierung der Bahn stehen. Das verbindet die beiden Partner, es gibt keine Alternative“, sagte er uns am Telefon. Die geplanten Investitionen seien kein Grund, neu über die Anteile am Zweckverband zu verhandeln. Doch „wir sollten nicht so sehr auf Paragrafen und Formalismus achten“.

Er erkenne durchaus an, dass die Kommunen im Landkreis Böblingen vom geplanten Ausbau überproportional profitieren, sagt Bernhard. Die nächste Aufgabe sei, das Kostentableau näher zu prüfen und über die Verteilung nochmal zu reden. „Es war ein glasklarer Wunsch des Landkreises Tübingen und besonders von Dettenhausen, an die Schönbuchbahn angeschlossen zu bleiben“, betont Bernhard jedoch im Rückblick. „Wir sind gesprächsbereit, warnen aber vor zu viel Euphorie.“

Schönbuchbahn soll erweitert werden – doch wer zahlt?
Der größte Teil der „Sauschwänzle“-Strecke liegt im Kreis Böblingen. Er würde von einem Ausbau am stärksten profitieren – besonders vom geplanten Viertelstundentakt zwischen Holzgerlingen und Böblingen. Grafik: ZV Schönbuchbahn

Schönbuchbahn soll erweitert werden – doch wer zahlt?
Als im Juli 2011 „Hundert Jahre Schönbuchbahn“gefeiert wurden, fuhr auch der „Feurige Elias“ am Bahnhof von Dettenhausen ein. Alle Festredner bekannten sich zum Ausbau und zu der Elektrifizierung der Strecke. Archivbild: Faden

Für den Ausbau der Schönbuchbahn werden Kosten von 47,5 Millionen Euro veranschlagt. Der Zweckverband hofft auf einen Landeszuschuss von 35 Millionen Euro. Allein 12,7 Millionen Euro kostet eine Werkstatthalle in Böblingen. In Dettenhausen soll kurzfristig eine Million Euro investiert werden.
Für neue Elektrozüge muss der Zweckverband
40 Millionen Euro ausgeben. Mit Geld vom Land ist nach jetzigem Stand dafür nicht zu rechnen.

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10.08.2012, 12:00 Uhr

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