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Dettenhausen kurbelt Tourismus an - schon jetzt viele Übernachtungen

Schönbuchgemeinde will staatlich anerkannter Erholungsort werden

Ein Bädle gibt es schon in Dettenhausen, ein kleines Freibad eingangs des Schaichtals, eines der reizvollsten Täler des Schönbuchs. Ein „Bad Dettenhausen“ wird wohl kaum daraus. Die Gemeinde will aber nun auf jeden Fall „staatlich anerkannter Erholungsort“ werden – und den sanften Tourismus ankurbeln.

22.10.2014
  • Ernst Bauer

Dettenhausen. Die Pläne machte Bürgermeister Thomas Engesser am Dienstagabend im Dettenhäuser Gemeinderat publik – mit einer einseitigen Pressemitteilung, die er auf den Ratstischen verteilte. „Die Gemeinde Dettenhausen will seine vorhandenen Potentiale und die tolle Lage zwischen Naturpark und Ballungsraum künftig besser nutzen und betonen“, hieß es darin. „Dadurch soll es gelingen, auch mehr Touristen in die Schönbuchgemeinde zu locken.“

Groß diskutiert wurde im Gremium nicht mehr darüber. Kein Wunder: Auf einer Ratsklausur am vergangenen Wochenende hatten sich die Dettenhäuser Gemeinderäte bereits ausführlich darüber unterhalten. Und das Vorhaben – den „Einstieg der Gemeinde in den ‚sanften Tourismus‘“ – auch für gut geheißen. Wie kam‘s dazu? Wer hatte die Idee, Dettenhausen touristisch noch attraktiver zu machen?

Bisher nur wenige Betten zu bieten

„Intern“, so ließ Bürgermeister Engesser dazu wissen, habe man die Sache „schon mal andiskutiert“, vor geraumer Zeit schon – und sie bei der Gemeinderatsklausur jetzt entschieden. „Wir wollten die Leute nicht jaloux machen, bevor wir nicht die wichtigsten Fakten beinander haben“, so der Dettenhäuser Rathauschef. „Wir haben natürlich noch einen ordentlichen Weg vor uns.“ Ein Hauptthema – mit das größte zu lösende Problem – seien die (fehlenden) Übernachtungsmöglichkeiten. Davon gibt es bisher nämlich viel zu wenige in der Schönbuchgemeinde:

Bis dato gibt es in Dettenhausen lediglich 15 Fremdenzimmer mit 26 Betten, in zwei Gasthöfen am Bahnhof und in der Hauptstraße. Hinzu kommt eine einzige Ferienwohnung mit weiteren vier Betten, insgesamt sind es also 30.

Als Richtgröße, um als Erholungsort staatlich anerkannt zu werden, bedarf es laut Engesser aber mindestens 100 Übernachtungsmöglichkeiten vor Ort. Das werde, so unterstreicht er in seinem Papier, denn auch „die größere Herausforderung“ auf dem Weg zu mehr sanftem Tourismus sein: die Steigerung der Übernachtungsmöglichkeiten.

Man will hier vor allem verstärkt Privatleute ansprechen, die Zimmer oder Ferienwohnungen anbieten könnten. Der Bürgermeister: „Wir wollen auch eine Informationsveranstaltung machen.“ Termin steht noch nicht fest. Es sollen aber auf jeden Fall Fachleute hinzugezogen werden, die die Leute etwa auch steuerlich beraten.

Auf der anderen Seite ist es ganz erstaunlich, wie hoch bereits jetzt die Übernachtungszahlen in Dettenhausen sind – in den zwei Gasthäusern und der einen Ferienwohnung übernachten weit mehr als tausend Gäste im Jahr. Was auch der Grund war, weshalb man auf dem Rathaus überhaupt auf die Idee kam, die „touristischen Potentiale“ künftig besser auszuschöpfen.

Nach Einschätzung von Engesser macht sich hier offensichtlich auch die verkehrsgünstige Lage von Dettenhausen bemerkbar – in unmittelbarer Nachbarschaft zum Filderraum. Schon jetzt sei es so, dass man den „Messetourismus mitnehmen“ könne. Der Dettenhäuser Rathauschef: „Da ist bei uns immer alles ausgebucht.“

Das ist aus seiner und der Räte Sicht ein Pfund, auf dem man aufbauen kann: „Da wird gar nicht großartig beworben – und trotzdem haben wir diese Frequenz! Das ist nicht nur für mich ein ganz klares Indiz, dass da noch mehr geht.“

Dass im beschaulichen Schönbuch-Ort, der nicht gerade mit großen Ausgehmöglichkeiten, aber einem riesigen Naturpark vor der Haustür gesegnet ist, in punkto Fremdenverkehr weit mehr gehen könntet als bisher, liegt für den Dettenhäuser Schultes gerade wegen der Verkehrsverbindungen und auch der Wanderwege buchstäblich nahe: „Wir sind hervorragend angebunden, sind ruckzuck in Tübingen, schnell in Böblingen“ – Dettenhausen sei somit ein idealer Ausgangspunkt für Tagesausflüge, natürlich auch für einen Messe-Besuch und für Touren vor Ort (siehe auch Infobox), im schönen Schaichtal.

Im Nachbarort Waldenbuch gibt es nicht nur die weltweit bekannte Schokoladenfabrik, sondern auch ein viel beachtetes Kunstmuseum Ritter sowie ein landesweit einmaliges Museum der Alltagskultur; im Ortsteil Glashütte hat man jüngst, wie berichtet, die bisher weitgehend unbekannte Lokalgeschichte des Bauernkriegs, der Anhänger des Armen Konrad im Schönbuch aufgearbeitet. Museen, Freibad, Wander-, Rad- und Reitwege im Schönbuch „laden schon jetzt zum Verweilen in Dettenhausen ein“, sagt Engesser. Die „Aufenthaltsqualität“ lasse sich aber sicher noch steigern. Eigentlich ist der Schultes ganz guter Dinge, dass seine Gemeinde die Zertifizierung als Erholungsort bekommen kann – „wir versprechen uns natürlich auch, ins Tourismus-Förderprogramm reinzukommen“.

Schönbuchgemeinde will staatlich anerkannter Erholungsort werden
Eingebettet im Grün des Schönbuchs, im Hintergrund der Echterdinger Flughafen, in unmittelbarer Nachbarschaft Waldenbuch: Dettenhausen, die nördlichste Tübinger Kreisgemeinde, hat landschaftlich einiges zu bieten und ist dank Schönbuchbahn an den Ballungsraum gut angebunden. Archivbild: Grohe

  • Am nördlichen Rand des Naturparks Schönbuch gelegen, grenzt die Tübinger Kreisgemeinde Dettenhausen an die Landkreise Böblingen und Reutlingen an.
  • > Die 5400-Einwohner-Gemeinde sieht sich selber, wie es auf der Homepage (www.dettenhausen.de) heißt, als eine attraktive Wohngemeinde in der Randzone des Großraumes Stuttgart und im Naturpark Schönbuch mit einer guten Infrastruktur und einem aktiven Vereinsleben.
  • >Nach einem starken Bevölkerungswachstum in den 1970er Jahren habe man in den letzten 20 Jahren „bewusst demSiedlungsdruck aus dem Großraum Stuttgartwiderstanden“. Die Verflechtungen mit dem Wirtschaftsräumen Böblingen/Sindelfingen und Stuttgart seien jedoch sehr intensiv, was auch in der Bevölkerungsstruktur zum Ausdruck kommt.
  • >Mit der Integration in den Verkehrsverbund Stuttgart, der Nahverkehrslinie der Schönbuchbahn und deren Anbindung an die S-Bahn nach Stuttgart sowie guten Busverbindungen nach Tübingen ist Dettenhausen aus Rathaussicht „verkehrstechnisch optimal an die wirtschaftlichen, kulturellen und verwaltungspolitischen Zentren angebunden“.
  • >Größte touristische Attraktion bisher: das kleine Freibad (siehe Logo) – und vor allem der Schönbuch selber mit seinem riesigen Angebot an Wandermöglichkeiten, mit dem Naturschutzgebiet Schaichtal; dazu hat Dettenhausen ein kleines, aber feines Schönbuchmuseum, das die Wald- und Jagdgeschichte auch kritisch beleuchtet.

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22.10.2014, 12:00 Uhr

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