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Schönheit für Schmerzen
Bild: Schäfer
Fabian Schäfer über das erste Tattoo

Schönheit für Schmerzen

„Das ist halt für immer, ne?“ – „Das tut doch mega weh“ – „Das Motiv ist aber düster, geht’s dir gut?“

09.03.2018
  • Fabian Schäfer

In den vier Monaten, die ich auf den Termin für mein erstes Tattoo warten musste, bekam ich von Freunden, Bekannten und Verwandten reichlich Kommentare, Warnungen und Tipps. Manche mehr, manche weniger hilfreich. Die Entscheidung dafür war dabei schon lange gefallen, deutlich länger als die für das Motiv: Eine Liedzeile aus einem Green-Day-Song: „I walk a lonely road“. Manch einer wollte mir gar aufgrund dieses „düsteren Motivs“ eine depressive Lebenseinstellung attestieren. Na gut, interpretieren kann man viel, sollte es aber vielleicht nicht immer.

Die Auswahl hatte sowieso lange genug gedauert. Nichts zu großes, nichts zu krasses, am liebsten schlicht und simpel. Kein Datum, kein Symbol, kein philosophischer Spruch. Und das Wappen meines Lieblings-Fußballvereins ist einfach zu langweilig (das Gründungsjahr in einem Kreis – naja). Weitaus einfacher gestaltete sich da die Suche nach einem geeigneten Studio. Ich fand eines, renommiert und empfohlen – allerdings entsprechend beliebt und daher mit der erwähnten Wartezeit verbunden.

Kurz nach dem Valentinstag (uh, noch mehr Anzeichen für düstere Gedanken) war es schließlich so weit. Im Tattoo-Studio muss erst einmal ein Fragebogen ausgefüllt werden. Allergien? Medikamente? Nein. „Tätowieren ist ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit und gilt daher als Körperverletzung“ – sehr ermutigend. Unterschrift drunter. Über die zu erwartenden Schmerzen habe ich mich im Vorfeld natürlich informiert. Einer sagt, der Unterarm sei eine harmlose Stelle, ein anderer wiederum schwört, er habe selten so gelitten. Es geht los. Der Arm wird desinfiziert, die störenden Härchen abrasiert. Man nimmt auf dem Zahnarzt-ähnlichen Stuhl Platz, versucht sich zu entspannen. Keine Chance. Der Tätowierer setzt an, stoppt, fragt den Kollegen etwas, lacht. „Jetzt fang halt an!“, möchte man rufen. Dann trifft die Nadel auf Haut. Es piekt, es schmerzt. Aber lange nicht so sehr wie befürchtet. Das Abziehen eines Pflasters kann mehr weh tun. Angenehm ist es trotzdem nicht.

Dafür geht es schnell. Nach kaum einer Stunde endet das Sirren der Nadel, der Arm pocht nur noch etwas. Darauf prangt die schwarze, verschlungene Schrift. Man kann den Blick fast nicht mehr davon losreißen. So präzise, so fein, so sauber. Nur eine leichte Rötung um die Buchstaben verrät, wie frisch die Tätowierung ist.

Während der ersten Tage erwische ich mich laufend, wie ich in sämtlichen spiegelnden Oberflächen meinen Unterarm betrachte. So perfekt. Das Warten, die Kommentare, die Schmerzen: Es war es alles wert. Sogar die besorgten Nachfragen wegen des Motivs, ob es mir gut geht. Denn, ja: Das tut es.

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09.03.2018, 01:00 Uhr

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