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12.000 Liter Sud verdorben

Schon wieder Stromausfall in Horb und im Gäu

In der Nacht zum Mittwoch gab es schon wieder einen Stromausfall. Betroffen waren erneut Bildechingen, Eutingen, Teile Rottenburgs und Hochdorf. Rund 4000 Haushalte waren nach Auskunft der EnBW Regional AG ohne Strom. Ursache sei vermutlich ein technischer Defekt „ohne äußere Einwirkung“, teilte das Unternehmen mit.

06.09.2012
  • Rita Ott

Horb/Eutingen/Hochdorf. Rund eine Stunde war der Strom schon am Dienstagvormittag in Teilen von Horb, Eutingen, Nagold, Haiterbach und Rottenburg ausgefallen (wir berichteten). Dass es in der Nacht zum Mittwoch dann schon wieder einen Stromausfall gab, merkten die meisten Privatleute wahrscheinlich gar nicht, es sei denn, sie haben am Morgen verschlafen, weil der Wecker nicht pünktlich läutete. Für einige Unternehmen jedoch war es weit mehr als nur ein ärgerlicher Zwischenfall.

Bis zu vier Stunden war der Strom weg

Um 0.43 Uhr am Mittwochmorgen ging in der Esslinger EnBW-Leitstelle eine Alarmmeldung ein, die den Beginn des Stromausfalls anzeigte. Der Bereitschaftsdienst habe daraufhin in Abstimmung mit der Leitstelle die defekten Stromleitungen aus dem Leitungsverbund herausgeschaltet, informiert die EnBW. Durch weitere Netzumschaltungen hätten nach 61 Minuten die ersten Kunden in Eutingen und Bildechingen wieder versorgt werden können. Nach 85 Minuten (um 2.09 Uhr) war die Stromversorgung in allen anderen Kommunen wieder hergestellt. Außer in Hochdorf: Dort war der Strom erst in den frühen Morgenstunden, um 4.50 Uhr, wieder da.

Das Fachpersonal aus den EnBW-Bezirkszentren Horb und Nagold lokalisierte wie schon am Vortag mit dem Kabelmesswagen zwei Kabelfehler, diesmal in Bildechingen zwischen den Umspannstationen Weißdornweg und Hanerstraße und in Hochdorf knapp neben der Station im Eutinger Weg. Man habe sofort mit den Reparaturarbeiten begonnen, erklärte die EnBW.

„Natürlicher Alterungsprozess“

Ursache sei vermutlich ein technischer Defekt ohne äußere Einwirkung gewesen – wie beispielsweise bei Tiefbauarbeiten, wenn ein Bagger die Stromleitung erwische. Ein Stromkabel sei mit einer durchschnittlichen „Dienstzeit“ von etwa 40 Jahren rund um die Uhr im Einsatz „und obliegt einem natürlichen Alterungsprozess“. Die Dauerbelastung wirke sich auf das Material aus, zudem sei das Kabel permanenten Erschütterungen des Straßenverkehrs ausgesetzt. Warum innerhalb kurzer Zeit mehrmals Stromausfälle in der gleichen Region zu verzeichnen waren, mag Zufall sein, denn es waren jedes Mal andere Kabel betroffen.

Vor allem der jüngste Stromausfall in der Nacht zum Mittwoch war für die Kreidler Präzisions-Schleiftechnik GmbH in Eutingen „net grad toll“. Mit dieser typisch schwäbischen Untertreibung beschrieb Geschäftsführer Michael Kreidler gestern auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE eine Situation, die sich für das Unternehmen wie folgt ausgewirkt hat: Bei einem Stromausfall bleiben die Maschinen stehen, die Roboter halten mitten in der Bearbeitung inne. Ist der Strom zurück, müssen die Maschinen und Roboter erst wieder freigefahren und in einen „referenzierten Zustand“ gebracht werden, um sie wieder starten zu können. Dies koste dann noch einmal zwei Stunden Zeit, erklärte Kreidler. Nicht nur das: Bearbeitungswerkzeuge seien teilweise beschädigt worden und Werkstücke, die vor dem Stromausfall gerade bearbeitet wurden, „sind sowieso Schrott“.

Betroffen war das Eutinger Unternehmen von allen vier Stromausfällen in den vergangen Wochen. Der am Dienstag sei schon „heftig“ gewesen, der in der Nacht zum Mittwoch aber noch schlimmer: „Er hat fast die gesamte Nachtschicht gekostet.“ Insgesamt standen, bedingt durch die beiden jüngsten Stromausfälle, bei der Kreidler GmbH die Maschinen acht Stunden lang still. „Die fehlen uns“, betont der Geschäftsführer; bei manchen Teilen sei das Unternehmen aufgrunddessen sogar in Lieferschwierigkeiten geraten. „Wenn jetzt nichts mehr passiert, können wir das aufholen“, erläutert Kreidler. Er hofft daher, dass nicht noch einmal der Strom ausfällt.

Stark betroffen war auch die Hochdorfer Kronenbrauerei. Vier Stunden lang war in der Nacht der Strom weg, „alles stand, nichts ging mehr“, erklärte Geschäftsführer Eberhard Haizmann. Das Schlimmste: Das Sudhaus läuft vollautomatisch rund um die Uhr, vorgestern Nacht blieb nach dem Stromausfall der Biersud stehen – 12 000 Liter Sud mussten weggeworfen werden. Hinzu kommen noch einige Reparaturen infolge des Stromausfalls. Er habe bereits mit der EnBW gesprochen, die ihm mitgeteilt habe, sie zahle keine Entschädigung, wenn die Ursache „höhere Gewalt“ sei. Doch so einfach will Eberhard Haizmann dies nicht hinnehmen, schließlich sei der Brauerei ein hoher Schaden entstanden und man werde prüfen, ob Schadensersatz geltend gemacht werden könne.

Die EnBW indes teilte auf Nachfrage der SÜDWEST PRESSE mit: „Nur wenn grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz Ursache für den Stromausfall wäre, könnten gegebenenfalls Regressansprüche geltend gemacht werden. Dies ist jedoch hier nicht der Fall.“

Den Eutinger Einzelhändlern bereitete eher der Stromausfall tagsüber Probleme. Von 8.45 Uhr an war der Strom am Dienstag etwa eine Stunde lang weg. „Ich habe den Laden zumachen müssen“, und das zur besten Einkaufszeit, ärgert sich Wolfgang Schmollinger. Bedingt durch den Stromausfall blieben die Kassen zu, nur ein paar Backwaren hätten am frühen Morgen verkauft werden können. In den anderthalb Stunden, bis die Kassen wieder hochgefahren waren, „habe ich bestimmt 20 Prozent des Tagesumsatzes verloren“. Auch das Nachstellen der Kühltruhen koste Geld. Hätte der Stromausfall länger gedauert, „hätte ich die Kühltruhen ausräumen und die Ware verschenken oder wegwerfen müssen“, erklärte Schmollinger und betonte: „Öfter darf das nicht passieren.“

Beim Kassieren war Kopfrechnen gefragt

Axel Odermatt nahm das Ganze relativ gelassen: zwar funktionierte am Dienstagvormittag in der Eutinger Metzgerei keine Waage und keine Kasse ging auf, „doch wir haben’s eben so gemacht wie früher“: mit Kopfrechnen und einer Küchenwaage – „das hat funktioniert“. In der Nacht sei ein Stromausfall ohnehin egal, denn der Kühlraum halte die Temperaturen mehrere Stunden.

Probleme verursachte der nächtliche Stromausfall in der Eutinger Kläranlage: „Klärwärter Uwe Jäger musste raus und das Blockheizkraftwerk von Hand wieder anwerfen“, teilte der Eutinger Bauamtsleiter Wolfram Fischer mit. „Weiter ist nichts passiert.“

Auswirkungen auf die Gemeindeverwaltung hatte eher der Stromausfall tagsüber: Kein PC, kein Telefon funktionierte mehr. Auf die Frage der Mitarbeiter, was sie tun sollten, habe er geraten, die Schreibtische aufzuräumen, erklärte Bürgermeister Armin Jöchle. Und das, obwohl die ja sowieso immer aufgeräumt seien – „langweilig ist es uns nicht geworden“.

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06.09.2012, 12:00 Uhr

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