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Horb·Digitalisierung

Schritt halten mit der Zukunft

Im Digital Hub und dem Technologiezentrum informierten sich Unternehmen darüber, wie ein von der „Offensive Mittelstand“ unterstütztes Projekt helfen soll, auch kleineren Betrieben in der Umgebung den digitalen Wandel zu ermöglichen.

17.04.2019

Von Mathias Huckert

Im Technologiezentrum Horb tauschten sich Besucher über die Digitalisierung und ihre Umsetzung in kleinen Firmen aus. Bilder: Karl-Heinz Kuball

Um seinen Wocheneinkauf zu bezahlen, bräuchte Christoph Runde weder Bankkarte noch Bargeld. Auch seine Wohnungstür könnte er ohne einen Schlüssel öffnen. Der Grund: In Rundes Hand wurde vor einigen Jahren ein NFC-Chip implantiert. Mit der Technik, die dahintersteckt, der sogenannten Near Field Communication (zu deutsch: Nahfeldkommunikation) lassen sich Daten übertragen. Runde, der Geschäftsführer des Virtual Dimension Center (VDC) in Fellbach ist, sprach im Horber Technologiezentrum über Chancen, Ziele und Gefahren, die das Digitale Zeitalter mit sich bringt.

Mit am Tisch auf dem Hohenberg in Horb saßen am gestrigen Dienstag Geschäftsführer kleiner und mittelständischer Unternehmen oder Verwaltungen: die Stadt Nagold, die Berufschule Horb oder ein kleinerer Betrieb, der in der Metallverarbeitung aktiv ist – sie alle wollten etwas lernen über Digitalisierung und wie sie der Gefahr aus dem Weg gehen können, nicht mit ihr Schritt zu halten.

Deswegen hatte Axel Blochwitz, Wirtschaftsförderer der Stadt Horb und Geschäftsführer des Technologie-Zentrums und Verantwortlicher für den im Aufbau befindlichen Digital Hub Angelika Stockinger in die Neckarstadt eingeladen. Stockinger, die als Verantwortliche das Projekt „GeZu 4.0“ („Gemeinsame Zukunft 4.0“) vorstellte, erklärte: „Was große Unternehmen oftmals wie von alleine können, gelingt den Kleinen meist erst gar nicht. Wir wollen das ändern.“

Die „Kleinen“, von denen Stockinger gestern redete, waren gekommen: Samuel Binder leitet die Horber Filiale des Familienunternehmens Traugott Binder. Der Betrieb beschäftigt in Horb acht Mitarbeiter – und passt damit genau ins Profil des Projektes, das von der „Offensive Mittelstand“ und der Fortbildungsakademie der Wirtschaft in Lübeck angestoßen wurde: „Ich möchte unseren Online-Shop optimieren und zum Beispiel den Kontakt zu Kunden, etwa auf Netzwerken wie Telegram, für uns verbessern“, sagte der 30-jährige Unternehmer.

Geschehen soll das laut Angelika Stockinger schon sehr bald in Horbs Digital Hub: Dort soll ein sogenannter Experimentierraum entsstehen. Was abstrakt klingt, soll zumindest Raum bieten, um konkrete Ziele für Unternehmen im Umkreis von 30 Kilometern zu erfüllen. Im Experimentierraum geht es darum, neue Geschäftsmodelle für Betriebe zu ergründen und sich mit Personalpolitik, Beschäftigung, Qualifizierung und Führung auseinanderzusetzen.

Die Nutzung des Experimentierraums soll Gemeinschaftssache sein: Maximal acht Betriebe sollen sich auf monatlichen Treffen daran machen, zusammen festgelegte Konzepte umzusetzen. Am Ende könnte dann etwa die Entwicklung einer Software oder eines Gerätes stehen, dass für die beteiligten Firmen alleine schlicht zu teuer gewesen wäre. Zur Seite steht den Unternehmen zudem ein „Quartiermanager“, der die Betriebe auf ihrem Weg in die Digitalisierung unterstützen soll.

In Gruppen erprobten die anwesenden Vertreter lokaler Unternehmen bereits, was schon sehr bald auf 600 Quadratmetern im Digital Hub Realität werden soll: netzwerken, sich Austauschen und Ideen umsetzen.

Kosmetik in Eigenproduktion

Einen Ausblick darauf, was die Digitalisierung für die einzelne Person und die Wirtschaft in naher Zukunft bereithält, gab Christoph Runde. Er stellte etwa den Zozo-Suit aus Japan vor, der den Online-Kleidungskauf revolutionieren will: Anzug und Smartphone ermöglichen einen kompletten 3D-Körperscan des Trägers von zuhause aus – und damit das Bestellen maßgeschneiderter Kleidungsstücke. Wie Runde an einer Statistik des Bericht des World Economic Forum aus der Schweiz festmachte, sollen in zwei Jahren eine Trillion Sensoren, die Gegenstände und Gebäude mit dem Internet verbinden, auf der Welt existieren. Dass sich noch immer viele Entwicklungen in einer frühen Phase befinden, machte Runde am vom Autohersteller Audi geförderten Startup „holoride“ fest, das Virtual Reality für die Rückbank bieten soll: „Bevor das wirklich serienreif ist, hat man erstmal nur eine günstige Kotzmaschine geschaffen.“

Die Grundskepsis, die vor allem viele Arbeitnehmer dem digitalen Wandel entgegenbringen, hält Christoph Grunde für gerechtfertigt. Deshalb sollten vor allem kleine Unternehmen, die das Projekt „GeZu 4.0“ ermutigen will, verstärkt auf Digitalisierung setzen – auch was die Produktion angeht: „Im Bereich von Microfacilities tut sich viel. Firmen aus der Region stellen zum Beispiel Naturkosmetik aus regionalen Zutaten her.“

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Erstellt:
17. April 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
17. April 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. April 2019, 01:00 Uhr

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