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Erschreckende Hilflosigkeit

Schüler der Reportageschule präsentieren Fotografien über Flüchtlinge seit 1945

Die Fotoausstellung „Odyssee Europa“, eine Kooperation von Schülern der Reutlinger Reportageschule mit der französischen Agentur Magnum, soll dem Thema „Flucht und Zuflucht“ historische Tiefe verleihen und die Distanz zu den Betroffenen abbauen.

29.06.2015
  • Maik Wilke

Reutlingen. Eine endlose Menschenkolonne erstreckt sich über kilometerweit verwüstetes Land. Den Weg über die Berge haben sie bewältigt, doch die Anstrengungen sind ihnen ins Gesicht geschrieben. Ein Mann liegt auf dem Boden, seine Gefährten überschütten ihn mit Wasser – in der Hoffnung, er komme wieder zu Kräften. Die Knochen zweier äthiopischer Frauen scheinen das Fleisch ihrer dünnen Häute gleich zu durchdringen. Ihre zerbrechlichen Körper sind völlig ausgehungert. All diese Bilder zeigen auf erschreckende Weise die Hilf- und Machtlosigkeit von Flüchtlingen.

Schüler der Reportageschule präsentieren Fotografien über Flüchtlinge seit 1945
Auf ihrem Weg übers Mittelmeer, hier auf die italienische Insel Lampedusa, nehmen viele Flüchtlinge ein hohes Risiko auf sich – und stoßen auf Ablehnung.

50 ausdrucksstarke Fotografien vermitteln seit Freitagabend den Besuchern der Ausstellung „Odyssee Europa: Flucht und Zuflucht seit 1945“ die Ursachen und Hintergründe von Flüchtlingsbewegungen seit dem Zweiten Weltkrieg. Darunter die Kriege im Kosovo, im Irak oder in Afghanistan, der Mauerfall in Berlin, der Syrien-Konflikt, die Ukraine-Krise und Flüchtlingslager in Äthiopien oder Libyen. Ziel der Ausstellung, einer Kooperation der Zeitenspiegel-Reportageschule Günter Dahl Reutlingen mit der bekannten Pariser Fotoagentur Magnum, sei es, die Geschichten hinter dem Stichwort „Flüchtlinge“ zu zeigen und Distanz zu den Betroffenen abzubauen.

„Diese Menschen kommen nicht zu uns, um es sich in der sozialen Hängematte Europa bequem zu machen“, sagte Vhs-Geschäftsführer Ulrich Bausch bei der Eröffnung. „Sie kommen, weil sie in ihrer Heimat wegen Kriegen oder Hungersnöten ums Überleben kämpfen.“ Das Thema sei definitiv keine leichte Kost, „aber Wegsehen hilft nicht. Wir müssen uns intensiv damit beschäftigen.“

Schüler der Reportageschule präsentieren Fotografien über Flüchtlinge seit 1945
Mutter und Tochter 1984 im äthiopischen Flüchtlingslager in Mekelle.

„Odyssee Europa“ ist bereits die dritte Kooperation mit Magnum Photos und schließt an die Ausstellung „Wunder der Welt“ an, die vor etwa eineinhalb Jahren in der Vhs zu sehen war. Die zwölf Schüler der Reportageschule arbeiteten seit Dezember an diesem Projekt und waren für drei Tage bei Magnum in Paris vor Ort. Dort wählten sie aus einer Unmenge an Objekten ihre 50 Favoriten. „Wir mussten uns dadurch aber auch mehrere Stunden am Tag schlimme Bilder anschauen“, erklärt Hannes Opel, einer der Schüler. Und seine Kollegin Christine Luz ergänzt: „Ich glaube, wir sind durch die persönlichen Geschichten, die hinter den Fotografien stecken, wohl alle noch sensibler geworden.“

Die eigentliche Aufgabe bestand jedoch nicht in der Auswahl, sondern dem Recherchieren und Schreiben der Hintergründtexte, die nun neben den Bildern einen tieferen Einblick in die Geschichten geben. Spannend sei, so die Schüler einstimmig, die Zusammenarbeit mit den Fotografen gewesen – falls man sie denn telefonisch erreichte. Denn viele der bekannten Fotografen reisen auf der Suche nach den nächsten Motiven gerade in der Welt umher. In diesem Fall müsse man sich eben auf Buch- und Internetrecherche beschränken, erklärt Luz. Teils sei die Arbeit aufgrund der schrecklichen Hintergründe für sie auch deprimierend gewesen. „Doch vor allem hat das Projekt dazu angeregt, den Flüchtlingen selbst helfen zu wollen.“

Info: Die Ausstellung zu 70 Jahren Flucht und Vertreibung, in und aus Europa, ist noch bis zum 29. Juli im 1. und 2. Obergeschoss der Volkshochschule zu sehen.

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29.06.2015, 12:00 Uhr

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