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Einmal im Leben Nachrichten präsentieren

Schüler fiebern ihrem SWR-Auftritt entgegen

Es ist nicht leicht, auf dem Fernsehschirm präsent und freundlich zu wirken. Das erlebten Schüler/innen der Geschwister-Scholl-Schule beim Dreh mit einem SWR-Team.

26.06.2012
  • Ute Kaiser

Tübingen. Wie kommen Nachrichten ins Radio oder Fernsehen? Was macht den Reiz des Journalistenberufs aus? Wann ist eine Sendung gelungen? Um diese Fragen sollte es gestern auch gehen. Doch für eine handverlesene Gruppe von Neunt- und Zehntklässler(inne)n zählte erst einmal die Praxis. Und die bedeutete: Lesen üben, üben, üben.

Tatjana Geßler, eine der Moderator(inn)en der „Landesschau aktuell“, war ihre Lehrmeisterin. Sie erklärte, worauf es beim Nachrichtensprechen ankommt. Beispielsweise aufs angemessene Sprechtempo und den freundlichen Blick in die Kamera beim Verabschieden. Bevor drei angehende Mediengestalter des SWR die Beiträge aufnahmen, ging es ans Make-up. Monika Majer, gelernte Friseurin mit dreijähriger Zusatzausbildung als Maskenbildnerin, schminkte dezent. Nur etwas Puder für die Schüler, dazu noch ein wenig Wimperntusche und Gloss auf die Lippen der Schülerinnen.

„Und bitte“: Geßler gab das Kommando, das im Studio vom Regisseur kommt. „Du wirkst schon sehr sicher“, lobte sie Jakob Faust aus der 10c, der als Erster dran war. Ihm macht freies Sprechen, etwa bei „Jugend debattiert“, Spaß. Und er kann sich Journalismus als Beruf vorstellen. Niemand merkte ihm an, dass er beim „ersten Mal vor der Kamera Lampenfieber“ hatte.

„Ihr müsst eure Nervosität nicht in Schnelligkeit umsetzen“, riet Geßler. Auch Jakobs Mitschülerin Jule Hepp blieb gelassen. Die ehemalige Mentorin, die auch in der Schülermitverantwortung aktiv ist, „mag es zu präsentieren“. Es kostete sie daher kaum Mühe, „sich nicht vor Nervosität ständig ans Blatt zu klammern“. Die Moderatorin war mit ihren Eleven höchst zufrieden. „Du hast es sehr, sehr gut gemacht“, honorierte Geßler den Auftritt von Sarah Fritsche aus der 10b.

Moderatoren müssen mehr können als gut sprechen und präsent sein. Tatjana Geßler ist ausgebildete Journalistin. Angefangen hat sie bei einer Tageszeitung: „Schreiben ist die Grundlage unseres Berufs.“ Sie empfahl interessierten Schüler(inne)n, Praktika zu machen, um das Handwerk kennenzulernen.

Medien spielen im Bildungsplan der neunten und zehnten Klasse eine Rolle, sagt Deutschlehrerin Susanne Mehrer. Das Gelernte bleibt viel besser hängen, „wenn es mit persönlichen Erfahrungen verknüpft wird“. Deshalb hat sie mit Fachleiter Michael Schwarzkopf den Besuch des SWR in der Schule organisiert.

Prickelnde Themen unter hohem Zeitdruck

In der fünften und sechsten Stunde zeigten Vertreter/innen des SWR, wie die sechs Nachrichtensendungen werktäglich entstehen. Die wenigsten Neunt- und Zehntklässler/innen hatten schon einmal die „Landesschau“ gesehen, wie Moderator Wolfgang Niess erfuhr. Ihr hafte das Image an, „eher was für die Älteren zu sein“. Das Team wollte vom Gegenteil überzeugen.

Die Jugendlichen erfuhren, dass in zwei Redaktionssitzungen „sehr demokratisch“, so Geßler, über die Inhalte entschieden wird, die in die Sendungen kommen. Sie sahen in einem eingespielten Film, welche Möglichkeiten das Mitte Mai in Betrieb genommene virtuelle Studio bietet. Dessen Ziel ist, „die Nachrichten besser zu illustrieren und verständlicher zu machen“, sagte Kristina Böker, die Chefin des „Landesschau“-Teams. Das geschieht oft unter ziemlichem Zeitdruck, wie auch Reinhold Baisch, der Leiter der Fernseh-Redaktion in Tübingen, am Beispiel des „Southside Festivals“ erklärte.

Neben der Landespolitik spielen Wirtschaft, Kultur, Sport und Wissenschaft eine Rolle. Das Team will, so Böker, „einen hintergründigen Überblick über den Tag“ liefern. Reporter vor Ort sorgen dafür, dass Ereignisse in Tübingen sowohl im Rundfunk als auch im Fernsehen vorkommen. Die Macher der Sendungen sind zufrieden, „wenn die Themen prickelnd sind und die Mischung gelungen ist“, sagte Geßler.

„Wir sind dicht am Geschehen dran“, sagte der Tübinger Studioleiter Andreas Narr. Rund drei Viertel der Beiträge in einer Nachrichtensendung „kommen aus der Fläche“. Auch Tübingens Baubürgermeister Cord Soehlke trat schon in einem Film über das Loretto-Viertel auf, den er gestern zum ersten Mal sah. Er wünschte sich von Zeitungen wie Funk „eine fundierte und differenzierte Berichterstattung“. Das Metier kennt er aus eigener Erfahrung – als TV-Journalist des SWR in Mainz.

„Was Buntes zum Schluss“ – das nannte Kristina Böker als eines der Prinzipien der Nachrichtensendungen. Voilà: Tatjana Geßler macht es nichts aus, auf der Straße erkannt zu werden. Doch es hat einen Moment gegeben, auf den sie „gern verzichtet“ hätte. Als ein Gast in einer Sauna rief, „Sie sind doch ...“

Schüler fiebern ihrem SWR-Auftritt entgegen
Vor dem Moderieren kommt das Stylen. Die Maskenbildnerin Monika Majer pudert Robin Schiedt (Klasse 10b, links), damit die Haut nicht glänzt. Und sie richtet, wie auf dem Monitor in der Mitte zu sehen, Jule Hepp (10c) die Haare, damit sie das Gesicht nicht verdecken. Theresia Leitermann (10a) liest in dem für einen Vormittag aufgebauten virtuellen Studio des Südwestrundfunks (SWR) Nachrichten vor. In der aktuellen geht es um die Wiederwahl eines Oberbürgermeisters.

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26.06.2012, 12:00 Uhr

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