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Es folgt ein düsteres Frühjahr

Schüler organisieren ein Metal-Festival

Sie wollten einen Ort, an dem sie selbst auftreten können, Kontakte zu anderen Bands knüpfen, Metal-Musik populärer machen: Deshalb haben vier Jugendliche kurzerhand das „Dark Autumn Festival“ im Jugendhaus M gegründet. Im März folgt nun das „Dark Spring“.

11.02.2010
  • Gabi Schweizer

Mössingen. War Metal nicht längst out? Offensichtlich nicht. Denn an der Theke des „M“ sitzen vier Jugendliche, 17 bis 19 Jahre alt, die zusammen ein Konzert gestemmt und ein weiteres in Planung haben: Max Gropper, Viktor Gencic, Ngo Vuong und Philipp Nawroth, allesamt ein bisschen dunkler gekleidet als die meisten Gleichaltrigen und mit mehr Totenköpfen auf dem T-Shirt. „Das ist so ein böses Klischee“, kommentiert Viktor Gencic sein Oberteil. Und später wird Max erklären, dass es in seinen eigenen Songtexten auch um den Alltag und um Gefühle geht; oder dass es Bands gibt, die gesellschaftskritische Lieder singen: „Das finde ich wichtig“, sagt der 17-Jährige.

Doch zurück zum „Dark Spring Festival“, das die Schüler eben gemeinsam vorbereiten. Am Samstag, 27. März, treten im Jugendhaus vier Metal-Bands auf: Vor allem May the Silence Fail, eine junge Formation um zwei Frontfrauen, sollen viele Gäste anziehen – die Musikerinnen und Musiker haben schon als Vorband von Slayer gespielt und beschreiben ihren Sound als „Bastard, der einem das Fleisch von den Knochen schält“. Davor treten die Doom-Metaller Spit Blood aus Mössingen auf, außerdem Vaporizer aus Ludwigsburg und die Ulmer Out of My Flame.

Ein ähnliches Line-up gab es schon im Herbst beim Dark Spring Festival, das die Jugendlichen ebenfalls ehrenamtlich organisiert haben. „Wir wollten mal selbst was machen, unter eigenem Namen“, erklärt Ngo – eine Metalnight hatte es im M durchaus auch davor gegeben. Die Schüler luden Bands aus Stuttgart, Nagold und Reutlingen ein, bauten selbst die Bühne auf, verkauften Getränke. Prompt kamen fast 100 zahlende Gäste – und nun steht das zweite düstere Festival an.

Jugendpfleger Andre Lux musste für die Organisation auch dieses Mal nichts machen – vom Flyer-Druck mal abgesehen. Aber selbst das Design hat Hauptorganisator Max Gropper selbst entworfen. Die Jugendlichen sind für alles zuständig, von der Technik bis zur Bandauswahl. Die übrigens macht ihnen am meisten Spaß: sich treffen, Demo-CDs anhören, darüber diskutieren, wer wohl am besten ins Programm passen würde. Für die eigene Arbeit finden die Jugendlichen es inspirierend, mit anderen Musikern in Kontakt zu sein, neue Ansätze kennenzulernen. Im M haben schon Metaller gespielt, die eine Geige im Repertoire haben. Auch Freundschaften sind entstanden. Mittlerweile bekommt das M drei, vier Bandanfragen pro Woche, sogar aus Frankreich haben sich schon Musiker gemeldet – auch dies eine Folge der Veranstaltungen, die es in der Vergangenheit gab.

„Die Bandbreite beim Metal ist groß“, sagt Philipp Nawroth, mit 19 Jahren der Älteste in der Runde. „Es ist nicht alles nur Draufgeholze und Lärm. Metal strahlt eine gewisse Energie aus, die gerade live gut rüberkommt.“ Da gibt es Alternative Metal, Doom Metal, Death Metal – mal mit, mal ohne das Attribut „Melodic“, Metalcore und vieles mehr. Und dann natürlich auch die Bands, die alles miteinander mischen, auf die Art ihren ganz eigenen Stil finden. Dazu gehört die Gruppe von Max, Ngo und Philipp– zusammen mit einer Schlagzeugerin proben sie regelmäßig im Güterschuppen. As Darkness Returns haben sie ihre Band genannt. Beim Umsonst und Draußen trat sie schon auf, im Herbst beim Dark Autumn Festival. Damals allerdings noch in einer anderen Besetzung.

Weil sowohl Philipp Nawroth als auch die Schlagzeugerin neu dabei sind, möchten die Jugendlichen dieses Mal nicht selbst auf die Bühne. Außerdem wollen die Musiker, wie Max es ausdrückt, „nicht die Hausband von Mössingen sein“.

Statt dessen organisieren sie nun. Das bedeutet viel persönliches Engagement, aber kaum finanzielles Risiko, weil die Stadt ein Budget für die Bands zur Verfügung stellt. Dass Jugendliche im M mitarbeiten, ist per se nichts Neues – schon bei der Metalnight haben die Musik-Fans mitgemacht, Max beispielsweise auch beim Umsonst und Draußen. Nun haben sie ihre eigene Show. Und hoffen, dass es im Jugendhaus wieder voll wird, wenn am 27. März Gitarrenriffs, Schlagzeug-Beats und heiserer Gesang durchs Jugendhaus dröhnen.

Schüler organisieren ein Metal-Festival
Das Metal-Quartett im Jugendhaus M: Philipp Nawroth, Ngo Vuong, Viktor Gencic und Max Gropper (von links) organisieren gemeinsam das Dark Spring Festival am 27. März – dabei tritt auch „May the Silence Fail“ auf. Bild: Franke

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11.02.2010, 12:00 Uhr

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