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Beamter ist lebensgefährlich verletzt

Schüsse auf Polizisten

Ein Anhänger der Bewegung greift Beamte an. Sie wollten seine Waffen beschlagnahmen.

20.10.2016
  • PATRICK GUYTON

Georgensgmünd. Ein sogenannter „Reichsbürger“ hat in Franken auf Polizisten geschossen und vier Beamte teils schwer verletzt. Ein Polizist ist dabei schwer verletzt worden, teilte das Polizeipräsidium Mittelfranken mit. Der Fall rückt die Bewegung neu in den Fokus. Bayerns Innenminister sieht jetzt eine größere Gefahr.

Der Mann hatte legal mehr als 30 Gewehre und Pistolen, denn er war Jäger. Die Behörden hielten ihn aber wegen seiner „Reichsbürger“-Gesinnung nicht mehr für geeignet, die Waffen weiter zu besitzen, sie sollten beschlagnahmt werden. So machten sich der Zoll mit Hilfe eines Polizei-Sondereinsatzkommandos am Mittwochmorgen daran, ihm an seinem Wohnort in Georgensgmünd die Schusswaffen abzunehmen.

Der 49-Jährige hatte offenbar damit gerechnet, dass die Polizei irgendwann auftaucht. Die Beamten fuhren mit Blaulicht und Sirene vor. Als sie sich Zutritt zum Haus verschafften, schoss der Täter vom ersten Stock aus sofort auf sie. Er selbst trug eine kugelsichere Schussweste. „Weste und Waffe hatte er wohl neben sein Bett gelegt“, sagte Johann Rast, Polizeipräsident für Mittelfranken, auf einer Pressekonferenz in Roth. „Ich bin entsetzt über den Fall“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

Eskalation der Gewalt

Ein Polizist (32) wurde von dem Schützen lebensgefährlich verletzt, musste notoperiert werden und schwebt in Lebensgefahr. Ein anderer SEK-Mann, 31, erlitt einen Durchschuss am Oberarm. Zwei Polizisten wurden durch Glassplitter verletzt. Der Täter konnte überwältigt werden, er wurde auch leicht verletzt. Die Staatsanwaltschaft erließ Haftbefehl.

„Es handelt sich für uns in Bayern um eine bislang so nicht bekannte Eskalation“, so Herrmann. Ende August hatte in Sachsen-Anhalt ein selbst ernannter „Reichsbürger“ bei einer Schießerei zwei Polizisten verletzt, als diese sein Haus zwangsräumen wollten.

„Reichsbürger“ erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht als Staat an. Stattdessen behaupten sie, das Deutsche Reich bestehe bis heute fort. Häufig legen sie dabei die Grenzen von 1937 zugrunde. Daher sprechen sie dem Grundgesetz, Behörden und Gerichten die Legitimität ab. Auf den ersten Blick kann das als Spinnerei angesehen werden. Viele Reichsbürger sind aber bekennende Rechtsextremisten.

Der bayerische Verfassungsschutz spricht von einer steigenden Zahl von Anhängern der Bewegung. Bundesweit gehören laut Verfassungsschutz mehrere hundert Menschen der Gruppierung an. Herrmann kündigte an, die Bewegung „stärker in den Blick zu nehmen“. Anhänger sollen auf Waffenbesitz überprüft werden.

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20.10.2016, 06:00 Uhr

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