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Schüsse in der Tiefgarage
Umjubelt: Christian Thielemann. Foto: OFS/Matthias Creutziger
Oper

Schüsse in der Tiefgarage

„Tosca“ als Polit-Thriller: Christian Thielemann eröffnet die Osterfestspiele im Salzburger Festspielhaus.

28.03.2018
  • OTTO-PAUL BURKHARDT

Salzburg. Schon vor dem ersten Ton geht die Action los. Mit schrillem Lalü und kurzer Schießerei in einer Tiefgarage wird die Vorgeschichte erzählt: die Befreiung eines politischen Gefangenen. Mit dieser Auftakt-Ballerei wagt sich die Salzburger „Tosca“ ein klein wenig aus der Komfortzone des kulinarischen Genusses. Doch das Parkhaus samt Schusswechsel versinkt schnell wieder im Bühnenboden. Und mit dem Einsatz der Musik findet sich die Festspielgemeinde im vertrauten Originalablauf der Oper wieder.

Mit Puccinis „Tosca“ eröffneten jetzt die Osterfestspiele Salzburg. Das Edel-Festival, das seit 2013 von Christian Thielemann und der Sächsischen Staatskapelle Dresden bestritten wird, ist eigentlich kein Ort für Regietheater. Doch „Jedermann“-Regisseur Michael Sturminger zeigt seine „Tosca“ nicht nur schnell, mit viel „Suspense“ und Opulenz, sondern auch mit politischen Bezügen. So spielt er mit den Neonlettern „Il Divo“ (Der Göttliche) im Bühnenbild auf den gleichnamigen Film von 2008 über den mafiös verstrickten Politiker Andreotti an.

Das alles bleibt sehr dezent. Überraschend wirkt da höchstens, dass der Freiheitskämpfer und Künstler Cavaradossi nicht an einem Altarbild arbeitet, sondern an einer riesigen Skulptur im Silbergewand – die an jene Straßenkünstler in Salzburg erinnert, die als scheinbar frei schwebende Balancewunder zum Gaffen einladen. Die große Bühne füllt Sturminger mit einer exuberanten Nachbildung der historischen Salviati-Fresken im Palazzo Farnese. Um dann die Story doch wieder ins Heute zu blenden, wenn Polizeichef Scarpia, ein auf seriös machender Mafia-Tyrann, sich zwischendurch am Hometrainer abstrampelt. Sturminger zeigt „Tosca“ als Thriller, bei dem die Grenzen von Gut und Böse nicht ganz so klar verlaufen wie gewohnt.

Top-Bariton Ludovic Tézier lässt beim Folterer Scarpia auch zarte Register aufscheinen. Und Spinto-Tenor Aleksandrs Antonenko gibt seinem Cavaradossi weiche, breite Höhen – den Smash-Hit „E lucevan le stelle“ singt er auf einem trostlosen Flachdach, freilich vor einem grandiosen nächtlichen Rom-Panorama. Vollends Anja Harteros: Sie gibt ihre Tosca eher unexaltiert. Wenn sie den gewaltfixierten Scarpia nach dem Preis fragt, für den er ihren Geliebten Cavaradossi von der Folter befreien würde, spricht sie dies kalt und angewidert aus: Quanto – wieviel? Doch wenn sie „Vissi d'arte“ anstimmt, verzaubert sie – Schluchzer inklusive – mit strömenden, glühenden Kantilenen.

Und Christian Thielemann? Er zieht „Tosca“ als aufwühlenden Krimi-Soundtrack durch, lässt die Musik krachen und peitschen, sehnen und schmachten, sogar kleine Schleifer in den Geigen sind genehmigt. Seine Dresdner künden von wilden Konflikten, so schlagkräftig packend und heftig beseelt hat man „Tosca“ selten gehört.

Am Ende erlaubt sich die Regie eine weitere Extratour: ein umgemodeltes Finale mit Scarpia, der laut Libretto längst tot sein müsste, und Tosca, die sich im Original in den Tod stürzen sollte. In einer Art Show-Down knallen sie sich gegenseitig ab. Dafür kassiert Sturminger kurze Buhs, die aber im aufbrandenden Jubel untergehen. Otto Paul Burkhardt

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28.03.2018, 06:00 Uhr

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