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Dreifacher Preis für Obstbauern

Schützen durch Nützen ist die Philosophie der Rosstriebkellerei

Um den Streuobstbestandim Ermstal zu nutzen und zu erhalten, erzeugt die Dettinger Kelterei hochwertige Fruchtperlweine aus alten Obstsorten.

26.08.2010
  • Karin Burth

Dettingen. Die Bewirtschaftung von Streuobstbeständen und deren Pflege wird für die Landwirte immer schwieriger. Insbesondere die Anzahl der Birnbäume verringert sich von Jahr zu Jahr. Die Dettinger Rosstriebkellerei will dieser Entwicklung zumindest im Ermstal Einhalt gebieten: Für die Erhaltung von Streuobstbeständen ist deren wirtschaftliche Nutzung ein wichtiger Motor, erklärt Hans Knauer die Ausgangsidee des Projektes im Gespräch mit dem TAGBLATT.

Schützen durch Nützen ist die Philosophie der Rosstriebkellerei
Hans Knauer im ehemaligen Wasserhochbehälter. Heute produziert hier die Dettinger Rosstriebkellerei Fruchtperlweine aus alten Obstsorten. Bild:Haas

Inmitten von Streuobstweisen und mit Blick auf den Albtrauf ist die Rosstriebkellerei gelegen. Im Jahre 2006 wurde der ehemalige Wasserhochbehälter am „Rosstrieb“, der einst die Dettinger Gemeinde mit Wasser versorgte, zum Gewölbekeller umfunktioniert. Damals fanden sich acht Dettinger zusammen, denen die Nutzung der Streuobstwiesen am Herzen lag, und gründeten eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Die Gesellschafter pachteten das Gebäude des ehemaligen Wasserhochbehälters für zwölf Jahre von der Gemeinde, starteten mit der Renovierung und stiegen noch im selben Jahr in die Produktion ein. Finanziell unterstützt wurde die Initiative in den ersten beiden Jahren vom Regionen aktiv“ über das Projekt Ebbes Guad´s .

„Wir hatten bis dato verschiedene Erfahrungen gesammelt, die für die Umsetzung des Projekts sehr nützlich waren“, erzählt Knauer. Der 50-Jährige arbeitet in der Finanzabteilung des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum und kümmert sich innerhalb der GbR um die Vermarktung der Produkte.

„Wir wollen die Landwirte in Dettingen unterstützen, bei uns erhalten sie den dreifachen Preis fürs Kilo.“ Gleichzeitig sorge man für die Erhaltung der Streuobstbestände in der Region. Streuobstwiesen böten neben der Obsterzeugung vielfältigen Zusatznutzen: Sie beherbergen ein großes Artenreservoir, tragen zu einer klimatischen Verbesserung bei und dienen dem Boden- und Wasserschutz. „Außerdem sind sie landschaftsprägend und somit ein erhaltenswertes Kulturgut“, sagt Knauer. Inzwischen erzeuge die Kellerei fünf verschiedene Sorten von Fruchtperlweinen. Ob trockener Apfelperlwein, ein in der Flasche gegärter Birnenschaumwein oder einen Apfelcuvée mit Holunderblüten – an innovativen Kompositionen mangelt es den Rosstrieblern jedenfalls nicht. In der Verbindung von Innovation und Tradition sieht Knauer den Erfolg der Produkte. Im vergangenen Herbst verkaufte man rund 25 000 Flaschen Fruchtperlwein.

Der zweite Grund für den hohen Absatz habe mit der Idee des nachhaltigen Wirtschaftens und der bewussten Ernährung zu tun. Zudem sollen die Produkte das Interesse junger Menschen für die Landwirtschaft wecken.

Wenn im Herbst die Bauern das reife Obst geerntet haben, wird es direkt an die Rosstriebkellerei geliefert und dort zunächst gekeltert. Unter den Augen des Kellermeisters Hans Olpp fließt der sortenreine Saft dann in die Edelstahltanks im Gewölbekeller. Dort bringt sie dann der Zusatz einer speziellen Weinhefe zum Gären. Nach sechs Wochen der aromaschonenden und langsamen Kaltvergärung bei einer Temperatur von zehn Grad ist der Fruchtwein dann vollendet. Danach wird er in einer nahe gelegenen Manufaktur zu den entsprechenden Produkten weiterverarbeitet, mit Kohlensäure versetzt und abgefüllt.

Streuobstwiesen in Baden-Württemberg

Laut Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum (MLR) hat die Streuobstwiese ihren Anfang im 18. Jahrhundert. Damals wurde den Bürgern systematisch vorgeschrieben, wie viele Obstbäume sie zu pflanzen hatten. Seit Mitte der 50er Jahre nehmen die Baumzahlen kontinuierlich ab: Während es 1965 noch fast 18 Millionen Bäume gab, ergab die aktuelle Streuobsterhebung einen Bestand von 9,3 Millionen Bäumen. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Verdrängung durch Niederstammplantagen sowie Wohn- und Straßenbau und eine oftmals unzureichende Pflege, die zum Absterben der Baumkronen führt.

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26.08.2010, 12:00 Uhr

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