Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Aus alten Nehrener Aufsatzheften (Teil 3 und Schluss)

Schulausflug auf den Farrenberg

NEHREN. Über das alte Nehrener Schulhaus wurde viel berichtet. Doch was die Schüler dachten und erlebten, darüber weiß man nur wenig. In den alten Aufsatzheften von Karl Buck und Ilse Fauser finden sich einige Hinweise. Die heute 81-jährige Ilse Harm, geborene Fauser, hat ihre alten Schulhefte aufgehoben. Die Hefte des inzwischen verstorbenen Karl Buck haben bei seinen Ekeln überlebt. Wir lassen die damals zehnjährigen Schüler erzählen.

25.08.2007
  • Susanne Mutschler

Ein Ausflug war für die Kinder früher der Höhepunkt im Schuljahr und gleichzeitig ein beliebtes Aufsatzthema. Die Nehrener Kinder gingen mit ihren Lehrern, so weit sie die Füße trugen, nach Bad Sebastiansweiler, auf die Salmendinger Kapelle oder auf den Farrenberg.

Geschüttelte Maikäfer

Karl Bucks Beschreibung vom Maienausflug 1926 lässt die Hochstimmung, die an diesem Tag unter den Nehrener Schulkindern geherrscht haben muss, noch einmal aufleben. „Auf dem Farrenberg“ heißt sein Aufsatz und er schreibt: „Um 7 Uhr kamen wir im Schulhof zusammen. Wir riefen fröhlich unseren Lehrer zum Aufbruch. Nach einer Weile kam er. Frisch und lustig marschierten wir zum Dorf hinaus, dem Farrenberg entgegen. Nach Mössingen sprach unser Lehrer: „Bevor wir auf dem Farrenberg sind, wird nichts gegessen und nichts getrunken!“ Wir mussten tüchtig bergsteigen. Zur Unterhaltung schüttelten wir Maikäfer und ließen Steine den steilen Abhang hinunter rollen.

Die ersten riefen: „Wir sind oben!“ Die letzten fingen an zu laufen. Der Wald hörte auf, wir standen im hellen Sonnenschein auf einer großen Ebene! Es war der Bismarkkopf. Zuerst suchten wir nach unserem Heimatort Nehren. Augenblicklich fanden wir ihn in weiter Ferne, tief unten im Tal. Flugs den Rucksack ins Gras und gevespert. Das dauerte ¼ Stunde. Frisch gestärkt zogen wir weiter, am Steilabfall entlang, bis zur Rutsche. Der Lehrer kommandierte: „Mann hinter Mann!“ Sachte und ängstlich gingen wir im Zickzack an der gefährlichen Stelle vorbei. Aber es war so schön, dass wir noch einmal Halt machten, um die Umgebung, die Rutsche und alles genau anzusehen.

Unter uns lagen viele Dörfer, Felder und Wälder. Zur linken lag Belsen, tief unter uns Mössingen und Öschingen, weiter entdeckten wir Nehren, Gomaringen, Ofterdingen und Dußlingen. Auf dem Bauch liegend sahen wir weit hinaus ins schöne Heimattal. Drüben grüßte der Schönberg und der Rossberg mit seinem weißen Turm. Wir sprachen auch davon, wie alle diese Albberge in vielen tausend Jahren entstanden sind. Dann nahmen wir Abschied von diesem schönen, luftigen Plätzlein und wanderten über den langen und breiten Rücken des Farrenbergs. Wer hätte geglaubt, dass dieser so groß wäre?

Nachdem wir noch ein junges Tälchen entdeckt hatten, welches sich von der Seite her in den Farrenberg hineinfrisst, begann der lustige Abstieg über die Ruine Andeck“.

Der arme Konrad

Ilse Fauser, die im Juni 1935 mit der ganzen Schule einen Ausflug auf die Salmendinger Kapelle unternimmt, ist beim Aufsatzschreiben noch immer ganz beeindruckt: „Am Mittwoch machten wir unseren Schulausflug. Die ganze Schule ging miteinander auf die Salmendinger Kapelle. Wir gingen zuerst nach Talheim. Als wir vor Talheim draußen waren, vesperten wir. Dann ging es steil durch den Wald hinauf. Als wir vor dem Walde draußen waren, sahen wir die Kapelle. Unten am Wege hing der Heiland am Kreuz, ausgehauen aus Stein. Wir stiegen den Berg hinauf und oben stand die Kapelle. Als wir droben waren, vesperten wir. Wir sahen auch Salmendingen. Das 7. Schuljahr ließ viele Flieger steigen. Ein paar Flieger bekamen wir nicht mehr. Auf einmal ging die Türe auf und die Glocke läutete. Wir gingen in die Kapelle hinein. Als ich hinein schaute, stand da ein Altar und viele Bilder vom Heiland, von Maria und Josef aus Stein ausgehauen. Ich ging auf dem Berg herum und schaute in den Steinen die Bilder vom Heiland an. Um ½ 12 Uhr gingen wir von der Salmendinger Kapelle weg. Als wir nach Talheim kamen, durften wir bei einer Wirtschaft ausruhen. Wir bekamen auch Wasser, dann zogen wir heim. Als ich heim kam, war ich noch gar nicht müde. Es hat mir gefallen und es war sehr schön“.

Von einem außergewöhnlichen Ereignis, für das die großen und kleinen Nehrener keinen Ausflug machten, sondern nur bis zum Waldrand gehen mussten, berichtet Karl Buck 1926 in seinem Schreibheft. Am 27. Juni wurde in Nehren in einer Open-Air-Vorstellung das Laien-Theater-Stück „Der arme Konrad“ aufgeführt. Verfasser war der als Kommunist bekannte Hechinger Arzt Friedrich Wolf, der die Nehrener auch bei den Proben unterstützt hatte. Karl fand in seinem Aufsatz vor allem die Action-Szenen gut: „Am 27. Juni fand „Der arme Konrad“ in Nehren statt. Mir gefiel am besten, wo der Herzog einem Bauern einen Tritt gab, dass er umfiel. Und etwas gefiel mir auch noch, wo die Bauern gegen die Herzöge kämpften. Das Waldfest war sehr schön. Nächsten Sonntag ist es noch mal.“

Schulausflug auf den Farrenberg
Die Nehrener Schulklasse von 1935 bei einem Ausflug nach Bad Sebastiansweiler. Hinten rechts ist Ilse Fauser zu sehen.


Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball