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Schuldspruch spaltet Israel
Elor Asaria ist wegen Totschlags verurteilt worden. Foto: dpa
Gericht

Schuldspruch spaltet Israel

Ein Soldat hat einen wehrlos am Boden liegenden Attentäter erschossen. Dafür wurde er nun verurteilt.

05.01.2017
  • DPA

Tel Aviv. Als der Schuldspruch gegen den israelischen Soldaten Elor Asaria verlesen wird, stehen bereits mehr als hundert Demonstranten vor dem Militärhauptquartier in Tel Aviv und fordern seine Freilassung. Asaria hat im März einen verletzt am Boden liegenden Palästinenser mit einem Kopfschuss getötet. Das Militärgericht verurteilt ihn gestern wegen Totschlags. Die Verkündung des Strafmaßes wird innerhalb eines Monats erwartet. Asaria drohen bis zu 20 Jahre Haft.

Der emotionsgeladene Prozess hat Israel gespalten. Rechte Politiker kritisieren das Urteil und wollen sich für eine sofortige Begnadigung Asarias einsetzen. Nach einer Umfrage des Israelischen Demokratie-Instituts unterstützen 65 Prozent der jüdischen Israelis das Vorgehen Asarias als Selbstverteidigung.

Ein Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation Betselem hatte den entscheidenden Beweis geliefert. Er filmte den Vorfall in Hebron. Auf dem Video ist zu sehen, wie der 21-jährige palästinensische Attentäter verletzt am Boden liegt und leicht den Kopf bewegt. Ein Soldat, den der Palästinenser mit einem Messer verletzt hat, wird medizinisch versorgt. Plötzlich hebt Asaria sein Gewehr und schießt dem auf den Rücken liegenden Attentäter ohne Vorwarnung in den Kopf.

Im Gerichtssaal drängen sich am Vormittag etwa 50 Menschen. Asaria sitzt neben seinen Eltern, seine Mutter nimmt ihn immer wieder in den Arm. Die Vorsitzende Richterin Maja Heller verliest fast drei Stunden lang die Urteilsbegründung. Sie nimmt ein Argument der Verteidigung nach dem anderen auseinander. Asaria, der zunächst zuversichtlich wirkt, wird immer ernster.

Seine Erklärung, er habe auf den Palästinenser geschossen, weil er befürchtet habe, dieser könne unter seiner Jacke einen Sprengstoffgürtel tragen, nimmt ihm die Richterin nicht ab. Asaria habe nicht aus Selbstverteidigung gehandelt, sagt sie. Der Soldat habe den verletzten Attentäter aus Rache für die Verletzung seines Kameraden und „ohne Not“ erschossen. dpa

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05.01.2017, 06:00 Uhr

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