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Soziales

Schulersatz für Flüchtlingskinder

Das Karlsruher „Lernfreunde“-Haus soll Neuankömmlingen bei der Vorbereitung auf das Leben in Deutschland helfen.

25.11.2016

Von LSW

Inmitten der Schulranzen-Erstausstattung für die Kinder: „Lernfreude“-Initiatorinnen Jasmin Sahin (links) und Silke Jordan. Foto: dpa

Karlsruhe. Bis vor wenigen Monaten war die alte Kaserne noch ein Verwaltungsgebäude für Notunterkünfte der Flüchtlinge. Jetzt ist sie eine „Schule“ für bis zu 100 Flüchtlingskinder der Landeserstaufnahme (LEA). Am 7. November ist das frisch renovierte „Lernfreunde“-Haus eröffnet worden – mit Musikzimmer, Bibliothek und Kunstwerkstatt. Ein landesweites Pilotprojekt für neu ankommende Flüchtlinge.

Auf die Beine gestellt hat das Projekt Jasmin Sahin, die Gründerin der Kinderhilfsorganisation UNESON (United Social Network), zusammen mit der Pädagogin Silke Jordan. Die beiden hatten sich in der Flüchtlingsarbeit kennengelernt und festgestellt: Für LEA-Kinder gibt es kaum Angebote.

Sie entwickelten mit dem UNESON-Team das Schul-Projekt. Mitgearbeitet haben etwa ein Dutzend weiterer Ehrenamtliche der Pädagogischen Hochschule (PH) Karlsruhe und der Tulla-Realschule. Fünf Tage die Woche von 9 bis 16 Uhr wollen sie Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren in der „Schule“ auf dem Karlsruher Uni-Gelände betreuen.

Kaum gemeinsamer Unterricht

Damit es richtig nach Schule aussieht, haben die Kinder zum Start einen Schulranzen mit Heften und Stiften bekommen. Sahin: „Bei den Eltern kommt das Projekt super an.“

Weil die künftigen Schüler ganz unterschiedlicher Herkunft sind, habe gemeinsamer Unterricht wenig Sinn, sagt Jordan. Sie werden nicht nach Klassen, sondern nach Interessen aufgeteilt. Die Kinder dürfen im Kunsthandwerkraum werkeln, Fußball spielen oder sich in den mit Sofas ausgestatteten „Sinnesraum“ zurückziehen.

Jordan zufolge haben Kinder und Jugendliche in den Erstaufnahmestellen keinen festen Tagesablauf, es gibt weder Bücher, Musikinstrumente noch Training im Sportverein. „Wenn sie einige Monate dort gelebt haben, ist die Umstellung auf den normalen Schulbetrieb schwierig.“ Wichtig sei deshalb die Begleitung von Anfang an. Die spätere Integration in das Schulsystem oder in die Gesellschaft falle dann leichter.

Wenn Kinder sich wertgeschätzt fühlen und sich beschäftigen können, stärke das ihr Selbstbewusstsein und die Persönlichkeit, sagt Jordan. Den „Lernfreunden“ geht es um alle Kinder. Sie schließen auch diejenigen ein, die Deutschland wieder verlassen müssen.

Das Projekt wird komplett von Spenden aus der UNESON-Stiftung finanziert. Sahin kümmert sich neben der Finanzierung vor allem um Organisatorisches und das Netzwerk an Helfern, Jordan hat die pädagogische Leitung.

Die Landesregierung begrüßt solche ehrenamtliche Initiativen. „Sie leisten einen wertvollen Beitrag und ergänzen das staatliche Angebot“, sagt eine Sprecherin des Stuttgarter Innenministeriums. Jordan hofft, dass es an anderen Orten bald ähnliche Einrichtungen geben wird, wenn das Konzept Erfolg hat.

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von Timo Hoyer, einem Professor für Allgemeine Erziehungswissenschaften an der PH Karlsruhe, und seinen Studenten. Sie untersuchen die Pilotphase der „Lernfreunde“ und versuchen, Konzepte zu entwickeln, die jungen Flüchtlingen den Einstieg in Deutschland erleichtern können.

Man erforscht auch, inwieweit Ehrenamtliche dafür geschult werden müssen, sagt Hoyer, gerade vor dem Hintergrund der teils schlimmen Erfahrungen der Flüchtlingskinder. „Das kommt letztlich allen zugute.“ dpa

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Erstellt:
25. November 2016, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
25. November 2016, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. November 2016, 06:00 Uhr

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