Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Ein Damm im Bühler Tal

Schutz vor einem Jahrhunderthochwasser ist jetzt doch möglich

Ein Damm quer durchs Bühler Tal soll künftig den Ort vor Hochwasser schützen. Frühestens im Jahr 2015 ist Baubeginn. Es ist nicht der erste Anlauf für ein solches Projekt.

11.10.2012

Tübingen. Es war ein Hochwasser, wie es nur selten vorkommt: Am 14. Juni 2003, einem Samstag, goss es am Nachmittag wie aus Kübeln. Der Bühler Talbach schwoll an, trat über seine Ufer und wurde zu einem reißenden Fluss. Er setzte zahlreiche Wohnungen unter Wasser, überflutete Keller und verwandelte die Straßen in einen gefährlichen Strom. Pflastersteine wurden herausgerissen, die Gullys waren verstopft, die Feuerwehr kam mit ihren Pumpen nicht mehr hinterher. Zehn Monate war das letzte Hochwasser erst her, damals stieg der Traubbach an und überflutete die Straßen.

Kurz nach dem Hochwasser 2003 gründete sich eine Bürgerinitiative, die einen Schutz vor künftigen Überschwemmungen forderte – zunächst mit Erfolg. Immerhin ging es an die Planung für einen Damm an der schmalsten Stelle des Bühler Tals. Er scheiterte jedoch an den Naturschutzbestimmungen: Der Auewald an den Ufern des durchs Bühler Tal fließenden Talbachs ist ein Schutzgebiet, Ausgleichsmaßnahmen wären erforderlich gewesen, für die es keinen Ort gab. 2008 kam das Aus für dieses Projekt.

Seither sucht man nach Alternativen. So wurde etwa geprüft, ob man das Bachbett im Ort nicht aufweiten könne, um so dem Gewässer mehr Raum zu geben. Man kann – allerdings ist der Platz begrenzt und viele der an den Bach grenzenden Grundstücke sind in privater Hand. Geprüft wurde auch ein „mobiler Damm“. Einen solchen müsste man jedesmal, wenn Hochwasser droht, zusammenbauen, was jedoch zwei bis drei Stunden dauern würde. Für Bühl wäre das viel zu viel Zeit, denn der Bach schwillt bei starkem Regen dermaßen schnell an, dass der Ort überflutet wäre, bevor der Damm fertig wäre.

Es kommt aufs relative Ausmaß an

Nur eine kleinere Maßnahme kam bisher in Frage und wird nun auch realisiert: die Automatisierung des Pegels an der Otterfurt eingangs des Bühler Tals. Dadurch kann dann wenigstens die Bevölkerung zuverlässiger gewarnt werden.

Und nun ist wieder alles anders: Plötzlich ist ein Damm doch möglich. Die Landesregierung hat die Richtlinie für Schutzgebiete wie den Auewald geändert. Demnach darf man in ein solches Gebiet – ohne einen Ausgleich schaffen zu müssen – dann eingreifen, wenn eine bestimmte Bagatellgrenze nicht überschritten wird. Die richtet sich nach dem prozentualen Anteil am gesamten Schutzgebiet. „Wenn wir sehr sorgsam vorgehen, können wir einen Damm bauen“, sagte Baubürgermeister Cord Soehlke jetzt im Planungsausschuss. Mehrere Standorte für einen Damm wurden inzwischen geprüft. Die meisten wurden wieder verworfen, denn der Eingriff für einen ausreichenden Schutz wäre zu hoch. In der Regel gilt der Schutz vor Hochwasser dann als ausreichend, wenn er eine Flut, wie sie rechnerisch alle hundert Jahre vorkommt, im Zaum hält. Darum schied die Otterfurt am Eingang des Tales aus. Unter der Bagatellgrenze läge dort lediglich ein Damm, der vor einem Hochwasser schützt, wie es alle 30 Jahre vorkommt.

Näher untersucht werden nun zwei Standorte – beide weit hinten im Tal, in Richtung Ortschaft. Der eine liegt im Gewann Bruckwiesen, dicht an der Bebauungsgrenze. Dort müsste der Damm 4,70 Meter hoch sein (der Damm in Lustnau ist rund vier Meter hoch). Ein kleines Stück weiter südlich würden schon 3,75 Meter reichen, allerdings liegt dieser Damm dann mitten in einer Streuobstwiese. Zudem wäre die Wegeführung problematisch – das Bühler Tal soll ja weiterhin der Naherholung dienen.

Auf Wunsch des Ortschaftsrates wird auch ein Standort geprüft, der fast in der Mitte des Tals liegt (Wuhrwiesen). Der Damm dort würde, davon geht der Rat aus, wahrscheinlich niedriger sein. Dafür jedoch ist der Eingriff in den Auewald größer. Ob er unter der Bagatellgrenze liegt, ist noch nicht geklärt.

„Das Bühler Tal liegt uns sehr am Herzen“, sagte der Bühler Ortsvorsteher Gerhard Neth im Planungsausschuss. Darum sei ein langer Damm, der dafür aber landschaftlich verträglicher wäre, vorzuziehen. Auf jeden Fall aber sei dem Ortschaftsrat wichtig, dass Schutz vor einem 100-Jahr-Hochwasser geboten werde. Rein rechnerisch nämlich sei die Flut, die beim Sommerregen 2003 durch den Ort schoss, ein Hochwasser gewesen, wie es nur alle 137 Jahre vorkomme.

Schutz vor einem Jahrhunderthochwasser ist jetzt doch möglich
Das „steinerne Brückle“ in der Bühler Ortsmitte über dem Talbach versinkt bei einem Jahrhunderthochwasser wie 2003 (Bild rechts) in den Fluten. Das Wasser strömte damals in zahlreiche Häuser. Jetzt soll Bühl endlich seinen Hochwasserschutz bekommen: durch einen Damm im Bühler Tal.

Von einem Dammbau im Bühler Tal wäre längst keine Rede mehr, hätte sich Anfang der 80er-Jahre die damalige Landesregierung mit einer Idee durchgesetzt, die überhaupt nicht gut ankam: Sie plante, das Bühler Tal unter Wasser zu setzen. Dazu sollte eingangs des Tals ein riesiger Damm gebaut werden. Das Speicherbecken sollte dann dazu dienen, den Neckar bei Niedrigwasser zu kühlen, damit die Großkraftwerke am Neckar mit ausreichend Kühlwasser versorgt werden könnten. Nicht nur die Stadtverwaltung und der Ortschaftsrat, sondern viele Bürger aus Bühl und der weiten Umgebung lehnten diesen Plan ab. Es gab zahlreiche Demos und Veranstaltungen – bis die Landesregierung einen Rückzieher machte.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

11.10.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball