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Kulturherbstzeitlos

„Schwabenkinder“ wurden wieder gefeiert

Mössingen. Es ist eine ganz ungewöhnliche Lindenhof-Aufführung, nicht nur des Stoffes wegen, der da in spartanisch angemessener Weise auf die Bogenhallen-Bühne in der Pausa gebracht wird: „Schwabenkinder – in fremden Händen“, auch beim 6. Mössinger Kulturherbst jetzt wieder begeistert gefeiert.

18.09.2012
  • Ernst Bauer

Zwei Vorstellungen gab es am Wochenende, lange schon ausverkauft, und vielleicht hätten die Lindenhöfler doch für etwas komfortableres Zusatz-Gestühl sorgen sollen. Es gab ein etwas unangenehmes Gedränge, unzufriedene Gäste – weil man plötzlich das Bühnengestänge vor der Nase hatte.

Aber die Kinder spielten in der dichten, gerade mal einstündigen Inszenierung alle Unpässlichkeiten rasch hinweg, spielten den einzigen professionellen Schauspieler, ihren bäuerlichen Zuchtmeister und scheinheiligen Pfaffen Franz Xaver Ott – der in seinen Rollen gleichwohl großartig agierte –, immer wieder in den Hintergrund. Woher nehmen diese zehn Firstwald-Schüler/innen ihre Power, so eine Aufführung nicht bloß in ihren Sprechrollen fehlerlos durchzustehen, sondern dabei auch noch so munter zu agieren, als ob sie direkt aus Vorarlberg kämen, aus dem ganzen Elend verarmter Bergbauernfamilien?

Das war die eigentliche Überraschung – auch für Mössinger Jahrgänger, die jüngst in Oberschwaben waren, sich in Ravensburg das Schwabenkinder-Denkmal angesehen hatten: Da ist nur einer vom Lindenhof auf der Bühne, diese Geschichte moderner Kindersklaven, die nicht nur bis 1914 unterwegs waren, als Saisonkräfte geknechtet, spielen zehn Schüler/innen, Kinder, so unglaublich überzeugend, dass einem das Herz aufgeht. Kulturherbstzeitlos schön.

Die unglaubliche Tiefe der alten Pausa-Bogenhalle gibt dem ganz hinten, fast versteckt sich abspielenden Drama noch eine besondere Dimension; etwas Rohes, Unfertiges, Authentisches. Umso mehr müsste die Stadt schon jetzt danach schauen, die schöne Kulturherbst-Spielstätte des Lindenhofs in Mössingen auf Dauer als Bühne und Festsaal zu sichern.

„Schwabenkinder“ wurden wieder gefeiert
„Schwabenkinder“, direkt vom Firstwald: Die Schüler/innen aus Mössingen bestritten beim Kulturherbst zwei furiose Aufführungen.Bild: Lindenhof

Das neue Stück des Melchinger Theaters Lindenhof (siehe unsere Premieren-Besprechung in der regionalen Kultur vom Freitag) steht heute und morgen, jeweils 20 Uhr, noch einmal auf dem Kulturherbst-Programm: „Empfänger unbekannt“. Zwei Freunde entzweien sich im aufkeimenden Nationalsozialismus. Am Mittwoch gibt es dazu anschließend auch noch ein Publikumsgespräch in der Pausa-Bogenhalle.

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18.09.2012, 12:00 Uhr

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