Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Schwabenschau mit Spitzenzahlen
Das Sprachlabor war einer der Anziehungspunkte in der Schwabenschau des Landesmuseums. Foto: Raimund Weible
Ausstellung

Schwabenschau mit Spitzenzahlen

Mit rund 130 000 Besuchern ist die Sonderausstellung „Die Schwaben. Zwischen Mythos und Marke“ im Landesmuseum zu Ende gegangen. Nun stehen Exponate zum Verkauf.

24.04.2017
  • UWE ROTH

Ein halbes Jahr lang war im Stuttgarter Alten Schloss die Schwabenschau zu sehen. Manche Ausstellung ist nach einer so langen Laufzeit im Endspurt nahezu leergefegt. Im Landesmuseum war in den vergangenen Tagen das Gegenteil der Fall.

Bereits vor zehn Uhr staut sich am Samstag im Innenhof eine Besucherschlange vor dem Eingang. Sind Schwaben geduldige Menschen? „Eine Stunde Wartezeit, so im Schnitt“, gibt der freundliche Sicherheitsmann Auskunft. Er fügt sicherheitshalber hinzu: „Es könnte länger dauern, so genau weiß man das nie.“

Nicht mehr als 250 Besucher gleichzeitig dürfen wegen der Sicherheitsvorschriften auf die 1300 Quadratmeter große Ausstellungsfläche. Die 300 Kunstwerke und Objekte der Alltagskultur, darunter 150 internationale und nationale Leihgaben, scheinen eine recht hohe Anziehungskraft zu haben: „Die Verweildauer betrug teils zweieinhalb Stunden, deutlich länger als üblich“, hat Museumsdirektorin Cornelia Ewigleben festgestellt. Der Schwabe scheint tatsächlich ein geduldiger Mensch zu sein – sowohl beim Warten auf Einlass als auch beim gründlichen Studieren der Exponate.

Kittel und Kehrwoche

Auf der dritten Etage erwartet das Publikum eine Mischung aus Kunstgeschichte und Schwabenklischees. Es geht los mit der frühen Geschichte Schwabens, das vor mehr als 1500 Jahre erstaunlich weitläufig war und sogar die heutige Schweiz umfasste. Sakrale Kunstwerke lockern die Hinweise auf, wann und wo welche Herrscherfamilie das Sagen über die Schwaben hatte. Im Lauf der Jahrhunderte, die historischen Karten zeigen es, wurde das Gebiet der Schwaben immer kleiner, irgendwann gehörte die Schweiz nicht mehr dazu. Weniger Kunstwerke zeigt die Ausstellung im Verlauf, die Gegenstände werden stattdessen alltagstauglicher.

Der Kittelschurz, das Kehrwochenschild oder die Spätzlespresse – sie fehlen nicht. Es ist das Erwartbare, wenn man über die Schwaben spricht – und was man von der Großmutter noch kennt.

Die Kuratoren wollen die Präsentation der Schwabenklischees „mit einem Augenzwinkern“ verstanden wissen. Die Besucher freut es derweil, Bekanntes zu entdecken. Eine besondere Attraktion ist zweifellos der Raum, welcher der Mundart gewidmet ist. Unter anderem sind dort die regional unterschiedlichen Schreibweisen von Begriffen wie Hund, Äpfel und Kartoffel gegenübergestellt.

Das Konzept, das der Kunsthistoriker Olaf Siart und der Kulturwissenschaftler Frank Lang für die Schau erdacht haben, ist eine Mischung aus Geschichtsunterricht und Gegenständen der Volkskultur aus dem 20. Jahrhundert. Und das kommt an, wie man aus dem Gästebuch ableiten kann. Die meisten haben ihren Eintrag auf Schwäbisch hinterlassen. Das Urteil „sup'r war's“ ist in allen Variationen zu lesen. Das bestätigt die Feststellung der Forscher, dass das Schwäbische so lautmalerisch daherkomme, dass es mit den üblichen Buchstaben nur schwer zu erfassen sei.

Spitzenmäßige Besucherzahl

Die Erklärungen, die dem Besucher der Schwabenschau von Dominik Kuhn (alias Dodokay) ins Ohr gesprochen wurden, waren sinnvoll und geradezu notwendig: Die Beschriftung der meisten Exponate war klein und im Dämmerlicht schlecht lesbar. Der entsprechende Audioguide war im Eintrittspreis von 13 Euro inbegriffen. Zusätzlich gab es nur selten Führungen durch die Schau.

Museums-Chefin Ewigleben ist mit dem Besuchererfolg sehr zufrieden: „Ich bin extrem glücklich. Meine Erwartungen wurden bei Weitem übertroffen.“ Die Besucher hätten „die Mitmachmöglichkeiten ausgiebig genutzt“. Mit rund 130 000 Besuchern rangiert die Ausstellung in der Statistik des Württembergischen Landesmuseums weit oben. Die Zaren-Ausstellung „Im Glanz der Zaren“ vor drei Jahren hatte etwa 10 000 Besucher mehr. Die Ausstellung „Ein Traum von Rom“ vor zwei Jahren kam auf 90 000 Besucher.

Die wertvollen Leihgaben der Ausstellung gehen ab heute wieder zurück an die Eigentümer. Die eigens für die Schwabenschau produzierten Exponate jedoch können Interessierte kaufen. Die meisten Stücke kosten zwischen 20 und 700 Euro.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

24.04.2017, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball