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1980 - Das TAGBLATT im Gespräch mit den Rockern der Region

Schwarzweiß-Streifen aus dem Jugendhaus Pauline

Sie waren der Schrecken der „Spießer“ und das Idol pubertierender Mofafahrer: Die Rocker. In den 70er- und 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts sorgten sie auch in Tübingen für einiges Aufsehen. Und für Probleme.

10.11.2012
  • slo

Tübingen. Das Tagblatt hatte deshalb im Sommer 1980 einige von ihnen ins Jugendhaus Pauline zum Gespräch eingeladen. Jungredakteur Ernst Bauer, damals gerade 30 Jahre alt und außer für die Reutlinger Themen auch zuständig für die Tübinger Jugendkultur, stellte die Fragen (auf Schwäbisch), Hans-Joachim Lang und Ulla Steuernagel schrieben mit und verfassten danach einen seitenlangen Artikel über die Rockerszene.

Die zeigte sich beim „Tagblatt im Gespräch“ zunächst recht zugeknöpft, dann aber immer offener – was vielleicht auch am reichlichen Biergenuss während der Veranstaltung gelegen haben könnte.

Warum sie denn solche Jacken tragen, wollte Bauer wissen, und wie sie’s eigentlich mit Frauen in ihren Motorrad-Clubs hielten. „Die Weiber, die wollen wir nicht dabei haben, das gibt bloß Reibereien“, sagte einer der Rocker. Dann gab er auf Nachfragen zu, dass auch die Männer untereinander Reibereien hätten – „wegen der Frauen in der Hauptsache“. Und die Jacken und Lederklamotten zeigten halt auch nur, „dass wir im Grunde nichts anderes sind als der Albverein, der ja auch in Trachten rumläuft“.

Bauer, heute längst Redaktionsleiter des Steinlach-Boten, unserer Mössinger Redaktion, erinnert sich noch vage an das Gespräch: „Das war kurz nach der Wiedereröffnung der Pauline, in der es gebrannt hatte.“ Mit den Rockern hatte es immer wieder Ärger gegeben und die „Spießer“ hatten gehörigen Respekt vor den jungen Männern, die in ihren Nieten- und Aufnäher-bestückten „Joppen“ (sprich Dschoppen), die sie auch „Schrottjacken“ nannten, herumliefen.

Nicht ganz zu Unrecht: Stets traten sie in der Gruppe auf und wirkten durchaus einschüchternd. Und wenn sie sich provoziert fühlten, schlugen sie auch mal zu. Einer der Rocker sagte, er kenne keinen Club, der ohne Grund eine Kneipe auseinandergenommen habe.

Von den Epplehaus-Besuchern grenzten sich die Rocker ab: „Die Leute dort sind ganz anders als wir – so bissle gescheiter im Kopf“, erklärte einer den Unterschied. Aber in eine Disco gingen sie schon hin und wieder. Am liebsten aber würden sie raus fahren aufs Land, wo sie ihre Ruhe hätten und unter sich sein könnten.

Das Gespräch, zu dem gleich drei Clubs gekommen waren, wurde damals gefilmt. Das Band allerdings verschwand im Archiv des Jugendhauses. Erst jetzt, als wegen des 40. Geburtstags der Pauline dort gestöbert wurde, tauchte der alte Film wieder auf. Die Rolle wurde inzwischen in Karlsruhe digitalisiert. Der Film wurde am Freitagabend im Jugendhaus Pauline gezeigt – als Vorfilm zu Klaus Lemkes „Rocker“ in der Jubiläumsfilmreihe „Vier Jahrzehnte Jugend im Film“.

Das Video von 1980: TAGBLATT im Gespräch mit den Rockern

1980 sprach der damalige Jungredakteur Ernst Bauer im Tübinger Jugendhaus Pauline mit Rockern aus der Region. Links neben Bauer saßen die (damals noch) Freien Tagblatt-Mitarbeiter Hans-Joachim Lang und Ulla Steuernagel.

© Video: Jugendhaus Pauline 38:12 min

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10.11.2012, 12:00 Uhr

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