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Schweiz entschädigt Kindersklaven
Justizministerin Simonetta Sommaruga: Vergegenwärtigen, was möglich war. Foto: dpa
Ausbeutung und Gewalt bis in die 80er Jahre

Schweiz entschädigt Kindersklaven

Geknechtet, unterernährt, geschlagen und missbraucht: Nun sollen in der Schweiz tausende Opfer von Kinder-Zwangsarbeit entschädigt werden.

28.04.2016
  • SWP

Bern. Die Schweiz stellt sich einem düsteren Kapitel ihrer jüngeren Geschichte: Für die Ausbeutung von Waisen und armen Kindern als Arbeitssklaven sollen künftig Entschädigungen gezahlt werden. Das beschloss in Bern der Nationalrat, die große Kammer des Parlaments.

Die einst als "Verdingkinder" bezeichneten Opfer sogenannter "fürsorgerischer Zwangsmaßnahmen" sollen demnach zwischen 20 000 und 25 000 Franken (umgerechnet 22 750 Euro) erhalten. Bis über die 1970er Jahre hinaus waren in der Schweiz Kinder von den Behörden zwangsweise an Pflegefamilien "verdingt" worden, bei denen sie - oft in Bauernwirtschaften, anderen privaten Betrieben oder in Haushalten - meist harte Arbeit leisten mussten und in vielen Fällen unter Übergriffen zu leiden hatten. Die Zahl der noch lebenden Anspruchsberechtigten wird auf bis zu 15 000 Personen geschätzt. Der Nationalrat sprach sich mit 143 zu 26 Stimmen bei 13 Enthaltungen für ein Entschädigungsgesetz aus. Das Gesetzesvorhaben war durch eine Volksinitiative angestoßen worden.

In der teils stark emotionalen Parlamentsdebatte erklärte Justizministerin Simonetta Sommaruga: "Wir dürfen nicht aufhören, uns zu vergegenwärtigen, was Jahrzehnte lang in unserem Land möglich war." Die Geschichte vieler Verdingkinder sei eine Geschichte der Armut, der Ausgrenzung und der Diskriminierung. "Fürsorgerische Zwangsmaßnahmen" waren in der Schweiz zuletzt noch 1981 angeordnet worden.

Der Schweizer Regisseur Markus Imboden hat 2012 das Leiden vieler Opfer im Kino mit dem Film "Der Verdingbub" thematisiert, der die Forderungen nach Wiedergutmachung beflügelte. Darin spielt Katja Riemann eine verbitterte Bäuerin, die sich bei der harten Arbeit auf dem Hof von "Verdingkindern" helfen lässt. Statt ausreichend Essen und Fürsorge gibt es Schläge, Grausamkeiten und sogar Vergewaltigungen.

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28.04.2016, 06:00 Uhr

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