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Schwerer Anschlag in Tunesien
Die Polizei inspiziert den bei dem Anschlag zerstörten Bus der tunesischen Präsidentengerade. Foto: afp
Islamist zündet Sprengstoffgürtel im Bus der Präsidentengarde

Schwerer Anschlag in Tunesien

Bereits zwei Mal ist Tunesien in diesem Jahr von schweren Attentaten erschüttert worden. Nun gab es einen Anschlag auf die Präsidentengarde. Staatschef Essebsi macht IS-Milizen verantwortlich.

26.11.2015
  • RALPH SCHULZE

Tunis: Tunesien kommt nicht zur Ruhe. Ein schwerer Terroranschlag traf das Land im Herzen. Mitten in der Hauptstadt Tunis, auf der Geschäftsallee Mohammed V., starben bei einem Bombenanschlag auf einen Militärbus zwölf Mitglieder der Präsidentengarde. Weitere 20 Militärs der Eliteeinheit, die für den Schutz von Staatspräsident Beji Caid Essebsi zuständig ist, wurden verletzt. Ein Selbstmordattentäter hatte offenbar den Stopp des Militärbusses genutzt, um einen Sprengstoffgürtel zu zünden. Laut Innenministerium handelte es sich dabei um zehn Kilo eines militärischen Sprengstoffs. Gestern Nachmittag bekannte sich die Terrormiliz IS zu dem Anschlag.

Diese hatte Tunesien in diesem Jahr schon mit zwei Attentaten erschüttert: Am 18. März erschoss ein Kommando im Bardo-Nationalmuseum in Tunis 21 ausländische Urlauber. Am 26. Juni ermordete ein Terrorist am Strand der Urlaubsregion Sousse 39 europäische Feriengäste.

Staatschef Essebsi, der erste demokratisch gewählte Präsident des Landes, verurteilte den jüngsten Anschlag auf seine Leibwächter als "feigen terroristischen Akt". Er verhängte den Ausnahmezustand. Das Notstandsrecht, das zunächst 30 Tage gelten soll, verleiht Polizei und Militär Sonderrechte. Essebsi sagte, das Land befinde sich in einem "Krieg gegen den Terrorismus".

Tunesien gilt als Hochburg islamistischer Extremisten, denen die weltweit als beispielhaft angesehene Demokratisierung ein Dorn im Auge ist. Vor allem die große Armut im unterentwickelten Hinterland treibt tausende junge Leute in die Arme radikaler Prediger. Nach Schätzung von Essebsi sind inzwischen mindestens 4000 tunesische Dschihadisten in den Krieg nach Syrien und in den Irak gezogen. Sie stellen das größte ausländische Kontingent in den Reihen der IS-Terrormilizen.

Auch im Nachbarland Libyen gewinnen die IS-Milizen Einfluss. Tunesiens Sicherheitsbehörden glauben, dass jene Terroristen, die im Land immer wieder zuschlagen, vor allem in Libyen ausgebildet wurden und über die Grenze kommen. Die tunesische Armee ist nicht in der Lage, die 500 Kilometer lange Wüstengrenze zu Libyen komplett zu überwachen. Es fehlen Hubschrauber, Geländewagen und Radargeräte. Essebsi warnt, dass die Terrormilizen nun auch Tunesien destabilisieren wollten: "Der IS ist in Libyen fest verankert und die nächste Beute nach der Strategie des IS ist Tunesien." Er fordert internationale Hilfe und mehr Zusammenarbeit mit Europa: "Die Terrorismusbekämpfung kann ein Land alleine nicht schaffen."

Erst vor wenigen Tagen hatte Tunesiens Polizei eine Terroristengruppe dingfest gemacht, die Attentate im ganzen Land geplant hatte. Zudem war ein Anschlagsplan auf den früheren Übergangspräsidenten Moncef Marzouki aufgedeckt worden. Marzouki hatte das Amt 2011 übernommen und 2014 an Essebsi übergeben.

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26.11.2015, 08:30 Uhr

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