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Jeder Tag ist ein Geschenk Gottes

Schwester Evangelista Meixner feiert 100. Geburtstag

Bad Niedernau. „Jeder Tag ist ein Geschenk des Herrn“, sagt Schwester Evangelista Meixner. Geschenkt hat er ihr bisher schon viele: Am heutigen Samstag feiert die gebürtige Donauschwäbin im Haus der Armen Schulschwestern ihren 100. Geburtstag, gemeinsam übrigens mit vier weiteren Mitschwestern, die allesamt aus demselben Dorf stammen wie sie.

11.09.2010

Der Ort, in dem auch Robert Zollitsch zur Welt kam, der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, nennt sich inzwischen Backi Gracac und liegt in der Vojvodina im Norden Serbiens. 1910, als die kleine Rosina Meixner dort geboren wurde, wohnten fast nur Deutsche im Dorf, und es war ein Teil Österreich-Ungarns, ehe es nach dem Ersten Weltkrieg an Jugoslawien kam.

Aber auch in der neuen Landessprache Serbisch wurden die Kinder von Armen Schulschwestern unterrichtet, deren Mutterhaus in München steht. So nimmt es nicht Wunder, dass Rosina Meixner schon mit zehn Jahren bei ihrer Erstkommunion ebenfalls Schwester werden wollte. Nach drei Jahren Ausbildung zur Kindergärtnerin legte sie 1933 ihr Gelübde ab und arbeitete zunächst in Südungarn.

Das Kriegsende, den Einmarsch der Roten Armee und die vorübergehende Flucht überstanden die Schwestern dort noch einigermaßen unversehrt. Dann wurde Ungarn kommunistisch, und die Entlassung aus dem Schuldienst folgte. 1950 klopfte die Geheimpolizei AVO an ihre Tür. „Wir mussten ein Papier unterschreiben, in dem stand: Wir sind schwarze Reaktionäre, wir wollen den Krieg, und das Volk will uns nicht mehr haben“, erzählt Evangelista Meixner. Anschließend brachten Lastwagen sie in ein Sammellager im Gebirge nördlich Budapests. In einem Kloster, das für 80 Menschen gebaut war, wurden 440 Menschen zusammengepfercht, ohne Wasser und ohne Essen.

Schwester Evangelista war schon krank, als sie ins Lager kam. Ihre Rippenfell- und Lungenentzündung verschlechterte sich derart, dass Polizisten sie eines Tages zum Arzt brachten. Nach der Freilassung 1950 schlug sie sich schließlich – das Tragen des Ordenskleides war ihr untersagt worden – mit Handarbeiten durch. Noch 35 Kilogramm wog die zierliche Frau, als sie 1957 nach Deutschland ausreisen durfte. Dort wurde bei ihr Knochentuberkulose festgestellt. Drei Jahre dauerte es, bis sie nach einer Operation wieder arbeiten konnte. 1962 fing die Ordensfrau in der Pfarrei Stuttgart-Rot als Sekretärin an und führte fast dreieinhalb Jahrzehnte lang die Matrikelbücher, betreute aber auch die vielen Donauschwaben in der Gemeinde. Seit 1997 verbringt Evangelista Meißner ihren Lebensabend in Bad Niedernau.

„Ich bete viel für den Heiligen Vater und für alle Menschen“, sagt sie: „Aber Fernsehen mag ich nicht mehr schauen, wenn all die Kriege und Katastrophen zu sehen sind. Denn ich habe selber schon sehr viel mitgemacht in meinem Leben.“ Das alles erzählt das Geburtstagskind mit einem Temperament und in einer Klarheit, dass man ihr die 100 Jahre kaum abnehmen mag. Ja, ihr Zahlen- wie Namensgedächtnis ist verblüffend.ski / Bild: Faden

Schwester Evangelista Meixner feiert 100. Geburtstag

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11.09.2010, 12:00 Uhr

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