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Horb · Ärzteversorgung

Schwierig, die Richtigen zu finden

Es hat sich längst herumgesprochen: Die Horber Frauenärzte Margarete und Rudolf Rebholz wollen aufhören und suchen Nachfolger für ihre Praxis.

11.07.2019

Von Rita Ott

Margarete und Rudolf Rebholz. Bild: Rita Ott

Am 1. Juni 1986 kam Dr. Rudolf Rebholz als Frauenarzt nach Horb. Zunächst praktizierte er ein halbes Jahr unter recht schwierigen räumlichen Bedingungen in der Neckarstraße, bis die neue Praxis in der Schillerstraße 5 fertig war; Rebholzes hatten das Haus vom damaligen E-Werk Schneider gekauft. Seine Frau Margarete Rebholz stieg 1990 in die Praxis ein; zuvor hatte sie in Krankenhäusern in Stuttgart und Freudenstadt als Gynäkologin gearbeitet. Zusammen baute das engagierte Ärzte-Ehepaar die Gemeinschaftspraxis auf und stetig aus. Dreimal wurde in den Jahren seit der Eröffnung umgebaut, 2001 wurde die Praxis erweitert. Laufend wurde modernisiert, vieles wurde verändert und stetig neuen Anforderungen angepasst, etwa Praxisstruktur, Gerätetechnik, Ausstattung und Behandlungsangebote. Schon Anfang der 1990er-Jahre ist die Praxis auf EDV und PC umgestiegen – Margarete Rebholz hatte schon früh die Zeichen der Zeit erkannt. Beide Gynäkologen waren bis 2006, als die Horber Akutklinik geschlossen wurde, Belegärzte im Krankenhaus.

Rudolf Rebholz wird bald 70, Margarete Rebholz 66 – Zeit, in Rente zu gehen, beschlossen sie. Zwar haben sich darauf vorbereitet, in Dießen ein Haus gebaut, doch aus dem Ruhestand wird so schnell noch nichts. So gern sie sich auch zurückziehen und ihrem Privatleben, Hobbys, Haus und Garten widmen würden: Bevor keine Nachfolger für die Praxis gefunden sind, wollen die beiden Gynäkologen weitermachen.

Es gab bereits Anfragen von Interessierten, „aber die Konstellation muss passen“, betonen Rudolf und Margarete Rebholz. So sind etwa zwei Arztsitze zu besetzen, es soll weiterhin ein bestimmter Umfang an Leistungen angeboten werden, vor allem auch im Ultraschallbereich, für den Qualifikationen notwendig sind, „die man nicht unbedingt alle mitbringt, wenn man vorher im Krankenhaus tätig war“. Die Qualifikation ist das eine, der Standort der Praxis eine ganz andere Geschichte. „Es ist sehr schwierig, passende Ärzte zu finden“, haben Margarete und Rudolf Rebholz festgestellt.

Eigentlich könnte man annehmen, dass jede Interessentin und jeder Interessent begeistert ist von den großzügigen, hellen und gut ausgestatteten Praxisräumen in dem idyllisch am Neckar gelegenen Haus. Die räumliche Situation ist flexibel, das Umfeld passt. Interessenten können das Haus mit Praxis mieten „und bis jetzt auch noch kaufen“, erklärt das Ehepaar Rebholz; das Objekt wird momentan auf einer Immobilienplattform im Internet zum Kauf angeboten. Über den Praxisräumen ist eine große Wohnung, in der Familie Rebholz gelebt hat, bis das Ehepaar vor einem Jahr nach Dießen ins neue Haus umgezogen ist. Das Gebäude ist 90 Jahre alt, hat viel Charme und steht optisch gut da dank der „entsprechenden Pflege“ und Renovierungen. Dazu kommt die schöne Lage am Neckar mit Blick auf viel Grün, zentrumsnah und doch ruhig. Daran kann es also nicht liegen.

„Wir machen uns schon Sorgen, weil die Nachfolge-Suche doch schwieriger ist als erwartet“, erklären Margarete und Rudolf Rebholz. „Manche Interessenten sind ganz angetan, aber dann wollen sie doch lieber in die Großstadt“, bedauern die beiden – und sprechen damit ein im ländlichen Raum immer brisanteres Problem an.

Deshalb haben sie nun ein Vermittlungsbüro eingeschaltet und mit der Nachfolger-Suche beauftragt. „Wir wollen weitermachen, bis die Nachfolge geregelt ist“, betont Rudolf Rebholz und seine Frau Margarete ergänzt: „So Gott will und wir gesund bleiben“. Und: „Es muss auch noch Spaß machen“, so Rudolf Rebholz. Das tut es offenbar nach all den Jahren immer noch: Wegen der Sozialkontakte und „weil uns unser Beruf jeden Tag aufs Neue fordert“.

Sie sind stolz auf ihr „super Personal“, das gut ausgebildet ist und zudem die Abläufe und die Patienten kennt. Einige der Frauen sind seit vielen Jahren mit in der Gemeinschaftspraxis, eine von ihnen hat dort ihre Ausbildung gemacht und ist geblieben. „Das ist ein enormer Erfahrungsschatz“, von dem die Nachfolger profitieren können. Das gehört zu den Vorteilen einer bestehenden Praxis. „Es ist eigentlich ein gemachtes Nest, in das man sich setzen kann“, sagt Margarete Rebholz. „Zudem sind mein Mann und ich immer da und bereit, die Neuen zu unterstützen, wenn nötig und gewünscht.“ Eine Einarbeitungszeit halten die beiden erfahrenen Gynäkologen schon deshalb für notwendig, „weil die Arbeitsfelder in einer Praxis deutlich anders sind als in einem Krankenhaus“.

Eigentlich wollten die Doktoren Rebholz zusammen aufhören, „aber wir sind flexibel in Bezug auf eine Einarbeitungsphase für die Praxisnachfolger“. Vorstellbar wäre inzwischen auch, dass nur einer der beiden aufhört und zunächst ein neuer Arzt dazukommt – „als Älterer hätte ich das Vorrecht, zuerst aufzuhören“, sagt Rudolf Rebholz schmunzelnd. Sie sind zuversichtlich, dass der Praxisbetrieb ohne Unterbrechung weitergeht. Das Vermittlungsbüro habe erklärt, sie könnten durchaus Facharztpraxen im ländlichen Raum vermitteln, doch das brauche Zeit – von etwa zwei Jahren war die Rede. Die intensive Suche läuft also.

Die Herausforderungen in der Frauenarztpraxis Drs. Rebholz sind nicht ohne: Pro Quartal rund 2500 Patienten und ein großes Leistungsspektrum in einer gut durchorganisierten Praxis mit geringen Wartezeiten. Was die oder der Neue mitbringen muss? „Eine hohe Bereitschaft, sich die notwendigen Qualifikationen anzueignen und das Leistungsniveau aufrechtzuerhalten, das wir anbieten.“ Dabei spricht natürlich nichts dagegen, sich die Aufgaben aufzuteilen, wie es die beiden Gynäkologen seit Jahren praktizieren: Der Schwerpunkt von Margarete Rebholz liegt bei der Schwangerenvorsorge, der von Rudolf Rebholz in der Präventionsmedizin.

Umzug nach Dießen

Für ihre Zeit „danach“ haben sich Rebholzes in Dießen ein Haus gebaut; Rudolf Rebholz ist „eingeborener Dießener“, seine Frau Margarete eine „Reigschmeckte“, stammt aus Rudersberg im Wieslauftal, einem Seitental des Remstals. „Wir haben lange diskutiert, ob wir länger über der Praxis wohnen bleiben wollen“. Doch dann haben sie beschlossen, umzuziehen. „Wir wissen nicht, wie es mit der Praxis weitergeht, und wollten nicht den ganzen Trubel um uns haben.“ Jetzt genießen sie es, abends nach einem langen Tag nach Hause zu kommen: „Man kommt heim, ist weg von der Praxis und viel entspannter.“ Ihr Haus liegt am Hang mit Blick ins Grüne und auf die Burgruine – das ist fast wie Urlaub. Und: Das Jagdrevier liegt jetzt direkt vor ihrer Haustür, „das ist schon toll“.

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Erstellt:
11. Juli 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
11. Juli 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. Juli 2019, 01:00 Uhr

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