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Ausgleich mit Opfer gesucht

Schwurgericht: Drei Jahre und zehn Monate Haft für Ex-Rocker

Der 39-Jährige, der am 4. Januar vor der Bar „Mezcalitos“ einen anderen Gast mit dem Messer angriff, muss wegen gefährlicher Körperverletzung drei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Vom Anklagevorwurf auf versuchten Totschlag rückte das Schwurgericht ab.

25.07.2014
  • DOROTHEE HERMANN

Tübingen/Reutlingen. Der Angeklagte war in der Nacht auf den 4. Januar in der Reutlinger Bar „Mezcalitos“ zunächst in der Herrentoilette auf einen damals 38-Jährigen losgegangen. Wenig später entwickelte sich vor dem Lokal eine heftige Auseinandersetzung, bei der er ein Messer zog und einen anderen Gast mehrfach verletzte (wir berichteten).

Zunächst konnten nicht einmal seine schwangere Verlobte und sein „sehr stattlicher und sehr muskulöser“ Begleiter den Angeklagten aufhalten, sagte der Vorsitzende Richter Ralf Peters. „Er hat den Tod des Geschädigten in Kauf genommen.“ Geplant habe der 39-Jährige die Tat nicht. Weil er mehrfach und teilweise wuchtig mit dem Messer zustach, erkannte das Gericht zwar einen bedingten Tötungsvorsatz. Doch schließlich hielt der Angeklagte inne, als wäre er über sich selbst erschrocken, wie eine Zeugin schilderte. Zu diesem Zeitpunkt konnte der Verletzte noch stehen und gehen.

Der Angeklagte war an jenem Abend mit einem Kumpel in die Bar gekommen, um dort seine Verlobte zu treffen. Die beiden Männer trugen Lederjacken der Reutlinger Hells Angels. Angaben des Angeklagten, der Geschädigte habe seine Freundin angemacht und immer wieder angestarrt, seien durch frühere Aussagen der Frau widerlegt. „Es war nur Smalltalk“, sagte der Richter.

Gewaltausbrüche bei Bar- und Diskobesuchen

Das vergleichsweise milde Urteil verdanke der Angeklagte auch seinen Verteidigern Daniel Mahler und Urs Heck, so der Richter. Der zweifache Vater habe früh ein Geständnis abgelegt, statt sich damit herauszureden, der andere sei mitschuldig. Günstig wirkte sich zudem aus, dass er schon vor dem Prozess den Ausgleich mit dem Opfer suchte und diesem „eine substanzielle Entschädigung“ zahlte – trotz seiner begrenzten finanziellen Möglichkeiten in der Untersuchungshaft. Mitte Juli erhielt der Geschädigte weitere 1000 Euro, wobei jeweils die Familie des Angeklagten mit einsprang.

Der stark blutende Verletzte überlebte durch die Hilfe einer fachkundigen Zeugin. Weil eine Sehne verletzt war, konnte er seinen Arm drei Monate lang nicht richtig bewegen und benötigte eine langwierige Physiotherapie. Von der Attacke blieben erhebliche Narben zurück.

Ungünstig wirkte sich aus, dass der Angeklagte dreimal wegen Körperverletzung vorbestraft ist, jedes Mal wegen Auseinandersetzungen bei Gaststätten-, Bar- oder Diskobesuchen. Die Tat im „Mezcalitos“ zeige erneut, dass der Mann schon bei geringfügigen Anlässen zu Gewaltausbrüchen neige, sagte der Richter.

Der gelernte Trockenbaumonteur sympathisierte in der Vergangenheit mit verschiedenen Rockergruppen. Zuletzt war er Prospect (Anwärter) bei den Reutlinger Hells Angels. Laut eigenen Angaben ist der Angeklagte dort mittlerweile nicht mehr Mitglied. Der Richter hoffte, dass dessen „strafrechtliche Karriere“ nun zu Ende ist: „Sie tragen Verantwortung für zwei Kinder.“

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25.07.2014, 12:00 Uhr

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