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Übergriff statt Drohungen

Schwurgericht muss über Attacke eines psychisch Kranken entscheiden

Ein 47-jähriger Tübinger muss sich wegen versuchten Totschlags vor dem Schwurgericht verantworten. Der psychisch kranke Mann soll am 9. März 2012 einen Passanten mit einer Ast-Schere attackiert haben.

10.11.2012
  • DOROTHEE HERMANN

Tübingen. Der Beschuldigte ist aufgrund einer chronischen Schizophrenie vermindert schuldfähig. Deshalb beantragte Staatsanwalt Tobias Freudenberg die Unterbringung des 47-Jährigen in einer psychiatrischen Klinik.

Der Mann soll am 9. März 2012 zunächst in eine verbale Auseinandersetzung mit einem Fußgänger geraten sein, der am elterlichen Haus des Beschuldigten in Tübingen vorbeiging. Er habe den Spaziergänger beleidigt und ihn aufgefordert, von seinem Grundstück zu verschwinden. Der Mann konterte, er befinde sich auf einem öffentlichen Weg und ging weiter. Daraufhin sei der 47-Jährige ihm nachgesetzt und habe mit einer Ast-Schere von hinten auf ihn eingeschlagen. Der Spaziergänger wehrte den Hieb mit der rechten Hand ab, wurde aber noch ein zweites Mal getroffen.

Der rechtsmedizinische Gutachter Prof. Frank Wehner stellte Verletzungen an beiden Händen und am Unterschenkel des Mannes fest. „Mit einer solchen Ast-Schere kann man deutlich schwerere Verletzungen verursachen“, so Wehner auf die Frage des Vorsitzenden Richters Ralf Peters nach der Wucht der Hiebe.

Der Attackierte musste sich zur Behandlung in die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik begeben. In der Folge litt er an Schlafstörungen. Mit der Gerichtsverhandlung sei die ganze Sache für ihn „wieder aufgebrochen“, sagte der Mann, der dem Verfahren als Nebenkläger folgt und sich derzeit psychotherapeutische Hilfe sucht.

Der Beschuldigte selbst gab an, er sei zuerst von dem Spaziergänger beleidigt und bespuckt worden und habe nur reagiert. Bereits in früheren Jahren sollte er mehrfach auf Antrag der Stadt Tübingen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden. Im Sommer 2010 soll er einer Familie, die in seiner Gegend wohnt, gedroht haben, einen Molotov-Cocktail auf ihr Haus zu werfen und ihr Gemüse zu vergiften. Die Kinder der Familie seien durch sein Verhalten schon traumatisiert, heißt es in Unterlagen der Polizeidirektion Tübingen zu dem Fall. Einmal soll der Mann einem in der Nähe seines elterlichen Grundstücks parkenden Auto ein Hakenkreuz auf die Motorhaube gesprüht haben.

Eine frühere Tübinger Gerichtsentscheidung, den keinerlei Krankheitseinsicht zeigenden Mann auch gegen seinen Willen in eine Klinik einzuweisen, zog das Oberlandesgericht Stuttgart jedoch in Zweifel. In einem Beschluss vom 14. September 2009 fragte sich der Senat, ob ausreichend geprüft worden sei, ob das Verhalten des Mannes über die bloße Lästigkeit hinausgehe. Der Prozess wird am Montag, 12. November, fortgesetzt.

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10.11.2012, 12:00 Uhr

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