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Den Tod in Kauf genommen

Schwurgericht verurteilt Messerstecher zu fünf Jahren Haft

Der 37-jährige Reutlinger, der bei einer Party einen anderen Gast mit dem Messer lebensgefährlich verletzte, wurde des versuchten Totschlags für schuldig befunden und muss über fünf Jahre ins Gefängnis. Er hatte die Tat bis zuletzt vehement bestritten.

22.09.2010
  • karin burth

Tübingen. Mit dem Urteil – einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und einem Monat – entsprach die 5. Schwurgerichtskammer des Tübinger Landgerichts nahezu den Forderungen von Staatsanwalt Lorenz Holl, der den Angeklagten für fünf Jahre und drei Monate hinter Gitter schicken wollte. Verteidiger Stephan Lohrmann hingegen hatte Freispruch gefordert, weil er eine Notwehrsituation sah.

„Der Angeklagte“, so der Vorsitzende Richter Jürgen Walker in seiner Urteilsbegründung, habe sich „in einem alkoholgeschwängerten Milieu zu einer schweren Tat hinreißen lassen“. Wie berichtet war es in der Nacht vom 2. auf den 3. August 2008 während einer Party in einer Reutlinger Wohnung zur Auseinandersetzung zwischen dem Angeklagten und einem weiteren Gast gekommen. Der Grund des Streits konnte nicht eindeutig geklärt werden, so der Vorsitzende Richter Jürgen Walker, fest stehe aber, dass der Angeklagte, als er aufgefordert wurde die Party zu verlassen, seinem Gegenüber mit einem Gegenstand auf den Kopf schlug und ihm in den Daumen biss. Bei der Tatwaffe habe es sich aber nicht um eine Bratpfanne gehandelt, wie der Geschädigte zunächst aussagte, sondern um den beringten Finger des Täters: „Schließlich waren nach der Tat noch Koteletts in der Pfanne.“

Die Version des Angeklagten, es sei nach einem Trinkspiel bei dem die Beteiligten mit dem Kopf aneinander stoßen mussten, zum Streit gekommen, wobei auch er einen Schlag auf den Kopf erhielt, konnte nicht bewiesen werden. „Keiner der Zeugen konnte sich an ein Trinkspiel erinnern“, so Walker, „außerdem habe der Angeklagte keinerlei Verletzungen davongetragen“. Auch bei der zweiten, ungleich folgenschwereren Tat wurden die Schilderungen des Angeklagten, wonach es sich um reine Notwehr handelte, durch die Beweislage widerlegt. Vielmehr sei das spätere Opfer nach dem hörbaren Streit in die Küche gegangen, um den 37-Jährigen „Vorhaltungen“ zu machen, warum er mit seinen Gewalttaten die Party zerstöre. Verärgert über diese Vorwürfe habe der Angeklagte dem Streitschlichter daraufhin mehrere Male in Hals und Bauch gestochen. Angesichts der Schwere der Stiche habe der Angeklagte in Kauf genommen, dass das Opfer stirbt, so Walker. Der 50-Jährige konnte damals durch eine Notoperation gerettet werden.

Der Angeklagte hatte während der Beweisaufnahme behauptet, der Mann sei nach dem ersten Streit mit einem ausgeklappten Wurfstern auf ihn losgegangen. Dem widerspreche aber, dass der Wurfstern nach der Tat ungeöffnet auf dem Boden lag, urteilte der Richter: „Beim besten Willen hätte der Geschädigte angesichts seiner Verletzungen den Wurfstern nicht wieder zuklappen können“. Zudem sei es schwer nachvollziehbar, warum der Täter „mit solch vehementer Gewalt vorging“ und „den Tod des Opfers billigend in Kauf nahm“. Auch dass er sich nicht um ärztliche Hilfe für den Verblutenden bemüht hatte, wurde zu seinen Ungunsten gewertet.

Walker räumte zwar ein, dass der Tatverlauf aufgrund der teilweise widersprüchlichen Zeugenaussagen schwer zu rekonstruieren war. Es gebe aber klare Indizien, die für die Version des Opfers und gegen die des Angeklagten sprächen. Beim Strafmaß berücksichtigte die Strafkammer das psychiatrische Gutachten nach dem zum Tatzeitpunkt eine verminderte Schuldfähigkeit vorlegen haben könnte, da der Täter über zwei Promille intus hatte.

Info Vorsitzender Richter: Jürgen Walker, Beisitzer Claus-Jürgen Hauf und Christof Sandberger, Schöffen: Cornelia Lamparth und Jörg Bohse, Staatsanwalt: Lorenz Holl, Nebenklagevertreter: Rolf Eissler, Verteidiger: Stephan Lohrmann, Psychiatrischer Sachverständiger: Dr. Peter Winckler.

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22.09.2010, 12:00 Uhr

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