Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Sebastian-Blau-Preis für Protestbarde Thomas Felder
Thomas Felder
Grenzgänger gewinnt

Sebastian-Blau-Preis für Protestbarde Thomas Felder

Ond d’r G’winner hoißt ... Thomas Felder. Zum fünften Mal wurde am Sonntag der Sebastian-Blau-Preis vom Verein „schwäbische mund.art“ für Liedermacher vergeben. Acht Wettbewerber zeigten in der Rottenburger Festhalle, dass zu Schwäbisch auch Dixieland, Tango oder Samba passt.

16.10.2012
  • Werner Bauknecht

Rottenburg. Mit den Preisgewinnern von 2004 begann vor etwa 400 Zuschauern der Reigen der Musikdarbietungen. Anton Tauscher und Roland Geiger vom Duo „Die Albträumer“ erzählten in ihrem Stück „Der Untermieter“ zu Querflöte und Gitarre von der schwierigen Suche nach Studentenbuden in Pfullingen.

Mit Thomas Felder folgte eine hochdekorierte Institution unter den schwäbischen Liedermachern. Einer, der nicht nur vor sich hin schwäbelt, sondern auch politisch unbequem ist. Sein „Ehre sei Gott in der Tiefe“ verzierte und verzerrte er mit Drehleier, schrägen Pianotönen und krächzender Zugposaune. Nicht im Himmel sollen die Menschen nach dem Heil suchen, sondern „nach dem Kind im Stall gucke“, lautet seine Botschaft.

Danach sorgten die Altjazzer „Die Gluzger“, eine Rottenburger Marke, mit ihrem Stück „Der Knoblauch“ für Stimmung im Publikum. Keine Überraschung, dass sie am Ende den Publikumspreis bekamen. Mittags hatte es bereits den Soundcheck gegeben, so dass keine Umbaupausen zwischen den einzelnen Darbietungen nötig waren. Wie am Schnürchen lief die von Hermann Walz geleitete Organisation.

Als „Mann der leisen Töne“ stellte der Vereins- und Jury-Vorsitzende Wulf Wager den Liedermacher Dieter Huthmacher vor. Der führte mit Gitarrenbegleitung einen „Zeitungs-Rap“ auf. Die Zeitung benutzte er als Akkordeon / Klapper, die er beständig auseinanderzog und geräuschvoll wieder zusammenklappte. Über diesem Beat rappte er seine Nachrichten vom Weltgeschehen – selbstverständlich schwäbisch.

Der Pforzheimer Pius Jauch mit Band – Akkordeon, Gitarre, Geige – präsentierte einen Chanson im Tangorhythmus, danach Alexander Köberlein sein „Im Nirvana ist nix los“ als Samba – begleitet von Ukulele, Stehbass und Akkordeon. Eine grausige Geschichte aus dem Krankenzimmer von vier Todeskandidaten, die übers Leben nach dem Tod sinnieren. Ergebnis: Lieber ebbes nach dem Tod, als nix, wie im Nirvana. „Wo der Schwabe singt, spielt auch immer der Tod mit“ kommentierte Wulf Wagner.

50 Einsendungen gab es, aus denen die Jury eine Vorauswahl traf. Die Band „Wendersonn“ habe erfahren, dass sie in der Jury keine große Lobby habe. „Da haben sie einfach abgesagt“, erzählte Wulf Wager.

Gitte Müller, ehemalige Rock-Röhre, sang „Drüberstau“ und begleitete sich zur Gitarre. Den Abschluss bildete Claudia Pohel. Sie wurde zwar als „schwäbisches Mädchen“ vorgestellt, zog aber ins – Obacht! – badische Überlingen. In ihrem „Felchen im Bodensee“ wünscht sie sich, im nächsten Leben als Fisch wiedergeboren zu werden, „damit ich im Bodensee, den Boden seh‘“ – und sie im Dreiländereck grenzenlos herumschwimmen kann.

Danach zog sich die Jury zur Beratung zurück. Den Zuschauern wurden währenddessen im Foyer Getränke und Brezeln angeboten. Nach den Plätzen acht bis vier (siehe unten) wurden dann die „großen Drei“ prämiert. Der dritte Platz (750 Euro) ging an Pius Jauch, der zweite an Alex Köberlein (1000 Euro). Träger des Sebastian-Blau-Preises wurde Thomas Felder (2500 Euro).

Er sei ein „Liedermacher, Musiker, Performer, der die Grenzen des Genres erforscht“, hieß es in der Begründung der Jury. In zwei Zugaben drehte der Protestsänger noch einmal richtig auf, sang in „Sodom und Gomorra“ gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 und brachte in „Rosemarie“ Hermann Löns auf eine Linie mit Udo Jürgens. Riesenbeifall.

Info Weitere Platzierungen: 4. Claudia Pohel, 5. Albträumer, 6. Dieter Huthmacher, 7. Gluzger, 8. Gitte Müller.

Sebastian-Blau-Preis für Protestbarde Thomas Felder
Für Stimmung im Publikum sorgten die Gluzger mit „Der Knoblauch“.

Sebastian-Blau-Preis für Protestbarde Thomas Felder
Alexander Köberlein

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

16.10.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball