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Stufen kosten Zeit und Puste

Sechs Fußwege zum Schloss im TAGBLATT-Test

So mitten in der Stadt erscheint das Tübinger Schloss doch recht abgelegen. Der Aufstieg ist mühsam und für Ältere alles andere als ein Spaziergang. Wir prüften sechs Wege, die zum Schloss hinaufführen und maßen die Strecke, die Zeit und den Puls des Fußgängers.

07.09.2012
  • Ulla Steuernagel

Tübingen. Unsere männliche Versuchsperson ist 23 Jahre alt, sportlich, spielt Basketball und joggt regelmäßig. Für einen jungen Mann mit guter Kondition ist der Weg zum Schloss hoch keine Tortur, doch im Laufe der Klettertour klettert auch sein Puls – von einem Ruhewert von 50 auf schließlich 130 Schläge pro Minute. Es ist kein heißer Tag. Die Sonne scheint angenehm, und es geht ein leichter Wind. Doch spätestens auf der Wegstrecke Nummer 6 rinnt der Schweiß und macht sich die Anstrengung bemerkbar.

Der kürzeste Fußweg zum Schloss Hohentübingen beginnt an der Treppe in der oberen Neckarhalde. Wer die 63 Stufen bis zum unteren Schlossportal und die Strecke bis zur Mitte des Schlosshofes zurücklegt, ist 223 Meter gelaufen. Doch die kürzeste Strecke ist nicht die schnellste. Und umgekehrt gilt ebenfalls: Der längste Weg ist nicht derjenige, der die meiste Zeit in Anspruch nimmt. Am längsten ist der Zugang über den Kapitänsweg von der Haaggasse aus, nämlich 390 Meter. Mit ihm erschließt sich das Schloss von hinten, über den „Dienstboteneingang“ und den engen Tunnel zum Hof.

Am häufigsten wird wohl der herrschaftlichste Aufstieg durch die Burgsteige gewählt. Man sollte hier allerdings auf Gegenverkehr und vorbei drängelnde Autos gefasst sein. Dafür muss niemand befürchten, von Touristenschwärmen überrannt zu werden. Die Strecke 1 ist jedenfalls an diesem September-Nachmittag nicht besonders frequentiert. Bummelnde Besucher halten sich die Waage mit denen, die sich etwas geschäftiger auf den Weg zu ihrem Arbeits- oder Studienplatz in einem der Uni-Institute begeben. Ein paar Kinder werden vom archäologischen Sommerferienkurs im Museum Hohentübingen abgeholt. Vorm Haus der Verbindung Roigel stehen ein paar ARD-Autos herum – ein gewöhnlich schläfriger Schlosstag.

Unsere männliche Versuchsperson legt diese und die anderen Strecken in gleichermaßen zügigem Spaziertempo zurück. Er lässt die Aussicht links liegen, durchschreitet das untere Renaissance-Portal, lässt sich dahinter nicht zu einer Verschnaufpause à la Stützmauer mit Albblick verlocken, sondern passiert das obere Portal und stoppt erst in der Mitte des Schlosshofes. Nach 3 Minuten 15 Sekunden hat er 257 Meter hinter sich gebracht und die Mitte des Hofes erreicht. Der Puls ist derweil von 50 vor dem Aufstieg auf 92 beim „Gipfelsieg“ geklettert. Auf dieser Strecke erreicht unser Proband eine Geschwindigkeit von 4,74 Kilometer pro Stunde.

Strecke 2 beginnt in der Haaggasse. Der malerische Aufstieg mit Tendenz ins Schmuddelige mündet nach 45 Stufen in die Burgsteige und endet nach 234 Metern und 3 Minuten 15 Sekunden bei einem Puls von 120 im Schlosshof. Das Tempo beträgt 4,43 Stundenkilometer.

Strecke 3 geht das Schloss ebenfalls von der Ostseite her an, nämlich in der oberen Neckarhalde. Mit 223 Metern beginnt hier die kürzeste Strecke, deren 63 Stufen allerdings das Tempo des Spaziergangs auf 3,65 Stundenkilometer drosseln. Die Werte am Ende: 3 Minuten 40 Sekunden, Puls 110.

Strecke 4 ist mit 390 Metern der längste Weg zum Schloss, allerdings nicht der langwierigste. Von der Haaggasse aus führt der Kapitänsweg vorerst stufenlos und in gemächlicher Steigung an Hasengraben und Haspelturm vorbei und durch den schmalen Wehrgang in den Hof (6 Minuten 34 Sekunden, 63 Stufen, 3,56 kmh, Puls 125).

Strecke 5 beginnt als Haeringstaffel am Haagtor. Der Proband läuft bis zum Verbindungsweg Richtung Kapitänsweg und erreicht das Schloss nach 387 Metern über 125 Stufen in 6 Minuten 48 Sekunden (3,41 kmh, Puls 111).

Strecke 6 fängt am anderen Ende von Haeringstaffel und Fußgängertunnel an: die anstrengendste Tour zum Schloss. Unsere Versuchsperson benötigt für die 371 Meter 8 Minuten 12 Sekunden, erklimmt 280 Stufen und erreicht nur 2,81 Stundenkilometer (Puls 130). Im Sommer hat diese Strecke – an Derendingia und dem Hasengraben vorbei – einen Vorteil: Sie ist schattig.

Lesen Sie auch das Übrigens in der Freitagsausgabe des Schwäbischen Tagblatts.

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07.09.2012, 12:00 Uhr

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