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Dorthea Kliche-Behnke behält den Vorsitz

Sechs neue Mitglieder im Kreisvorstand der SPD

Im Kreisvorstand der Tübingener SPD gab es einen Wechsel auf sechs Positionen. Die Herausforderungen der aktuellen Flüchtlingspolitik waren am Wahlabend das beherrschende Thema. Allgemein wurde eine stärkere Kommunikation mit den Bürgern gefordert.

08.11.2015
  • Vera Leuner

Tübingen. Dorothea Kliche-Behnke war „verzückt“: „So viele wie heute waren wir schon lange nicht mehr.“ Die alte und neue Kreisvorsitzende der SPD kandidierte bereits zum fünften Mal und wurde mit nur einer Gegenstimme für weitere zwei Jahre ins Amt gewählt. „Es gibt einen sehr großen Unterschied zu den letzten beiden Wahlen“, sagte sie vor 45 Genossen. Im Vergleich zu der Situation vor noch vier Jahren wird die Tübinger SPD heute von zwei Politikern auf höherer Ebene vertreten. Martin Rosemann ist seit zwei Jahren in Berlin als Abgeordneter. Rita Haller-Haid vertritt die Partei bereits seit 2001 im Landtag.

Dorothea Kliche-Behnke will bei der kommenden Landtagswahl ihre Nachfolgerin werden. Auch deshalb war die Wiederwahl für die Kreisvorsitzende unmittelbar vor dem Wahlkampf ein besonderes Zeichen für das Vertrauen, das ihr die Parteimitglieder entgegenbringen. Gemeinsam mit dem neuen Vorstand wird sie in den nächsten zwei Jahren auch im Kreis Tübingen wichtige Herausforderungen angehen müssen. „Wir stecken mittendrin in einem Prozess“, sagte sie mit Blick auf einen Mitgliederschwund, besonders in kleineren Ortschaften. Stolz sei sie besonders auf das Tübinger Bündnis „Ja zu Vielfalt“. Mit ihm habe man es geschafft, alle an einen Tisch zu holen. Zukunftsweisend ist für sie auch das Engagement der Jusos und der Gruppe 60 Plus der SPD. Doch gerade der Zuzug von Flüchtlingen und der angespannte Wohnungsmarkt forderten die Politik heraus.

Martin Rosemann berichtete über seine Arbeit im Bundestag. Das beherrschende Thema in Berlin und im Wahlkreis seien derzeit selbstverständlich die Flüchtlinge. „Ich weiß, dass es mit der Erstaufnahme nicht getan ist“, sagte Rosemann und betonte, dass rund die Hälfte der ankommenden Menschen unter 25 Jahre alt seien. „Wir müssen deren Potenziale heben und in sie investieren“, forderte er. Das gelte aber auch für sozial benachteiligte deutsche Staatsangehörige, die derzeit Probleme haben, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. „Man darf nicht Schwache gegen noch Schwächere ausspielen“, warnte Rosemann. So sei er auch für den Mindestlohn für Flüchtlinge, da sonst andere Arbeitnehmer durch die Konkurrenz von noch billigeren Arbeitskräften den Job verlieren könnten. Das schüre nur weitere Ängste.

Auch beim Thema Transitzonen, die seiner Meinung nach nur mit Zäunen funktionieren könnten, vertrat Rosemann eine deutliche Position: „Die Zeiten mit Mauern und Stacheldrahtzäunen in Europa sind wohl hoffentlich vorbei.“ Die Europäische Union stehe jetzt an einem Scheideweg: „Sind wir eine Wertegemeinschaft oder eine Geschenkbuchgemeinschaft?“

Auch die Landtagsabgeordnete Rita Haller-Haid bezog zum Thema Flüchtlinge deutlich Stellung. „Das Recht auf Asyl ist kein Gnadenakt, sondern steht im Grundgesetz“, sagte sie. Außerdem kritisierte sie die aktuell herrschende Mentalität in der Gesellschaft. „Wenn ich mir anschaue, welche Mails ich zur Zeit bekomme, dann wird mir schlecht.“ Die schwierige aktuelle politische Lage erfordere Demokraten aus allen Parteien, die gemeinsam die anstehenden Probleme lösen. Im Hinblick auf Herausforderungen bei der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen, schloss sie auch das Sich-Verabschieden von der Schwarzen Null in Baden-Württemberg nicht aus.

Dorothea Kliche-Behnke forderte außerdem: „Wir müssen verhindern, dass die Gesellschaft in zwei Lager zerfällt.“ Dafür sei für sie besonders das Zugehen auf die Bürger wichtig. „Man muss jetzt mit den Menschen ins Gespräch kommen, ihnen zuhören und Antworten geben“, sagte sie. Dabei nannte sie den Wohnungsmarkt als vordringlichstes Thema der aktuellen Politik.

Sechs neue Mitglieder im Kreisvorstand der SPD
D. Kliche-Behnke

Kreisvorsitzende der SPD bleibt weiterhin Dorothea Kliche-Behnke. Der 34-Jährigen stehen drei Stellvertreter zur Seite: Neu im Amt ist Gabriele Class-Götz, gelernte Krankenschwester und seit Kurzem im Ruhestand. Wiedergewählt als Stellvertreter sind Hendrik Bednarz, Leiter des Verkehrs- und Ordnungsamtes im Landkreis Tübingen, sowie Dirk Eisenreich, Referent beim Statistischen Landesamt in Stuttgart.
Das sechsköpfige Gremium der Beisitzer setzt sich für die nächsten zwei Jahre aus Regina Bamberg, Vorsitzende des Kinderschutzbundes in Tübingen, Florian Burkhardt, Lehramtsstudent an der Universität Tübingen, Ute Leube-Dürr, Gemeinderatsmitglied für die SPD-Fraktion in Tübingen, Lehrerin Maike Paduch, Hotelmanager Thomas Puchan sowie Oliver Gaedicke zusammen.

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08.11.2015, 12:00 Uhr

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