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Seehofer will Söder ausbremsen
Zum Grübeln? Horst Seehofer hegt ganz neue Pläne. Foto: dpa
CSU

Seehofer will Söder ausbremsen

Der Parteichef soll künftig im Berliner Kabinett sitzen, wünscht sich Bayerns Regierungschef und ärgert seinen Minister.

08.10.2016
  • PATRICK GUYTON

München. Für Horst Seehofer ändern sich die Dinge mitunter sehr schnell. Im Frühjahr noch versuchte der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident, sämtliche Spekulationen zu beenden, wer ihm in den Jahren 2017 und 2018 folgen würde. Die Lage in Deutschland sei viel zu ernst, um sich mit so etwas zu befassen. Das CSU-Personal hielt sich weitgehend an die Vorgabe, auch Seehofers Dauerrivale, der bayerische Finanzminister Markus Söder.

Nun hat Seehofer selbst die Diskussion wieder entfacht: Bei einer Sitzung mit den mächtigen CSU-Bezirksvorsitzenden meinte er, dass der CSU-Chef als Minister eines bedeutenden Ressorts ins kommende Bundeskabinett einziehen soll. Seehofer hält das für notwendig, weil er mit der Schlagkraft der jetzigen CSU-Bundesminister nicht zufrieden ist. Mit der Forderung setzt er – nebenbei gesagt – auch voraus, dass die Christsozialen in der nächsten Bundesregierung mit von der Partie sein werden.

Die Äußerung verwirft einen Grundsatz, den Seehofer selbst einmal als nahezu unumstößlich aufgestellt hat: Parteivorsitz und Ministerpräsidentenamt sollten in einer Hand sein. Mit Doppelspitzen hat die Partei keine guten Erfahrungen gemacht. Als Theo Waigel Vorsitzender und Bundesfinanzminister war, machte ihm Edmund Stoiber von der Münchner Staatskanzlei aus das Leben schwer. Das erfolgloseste CSU-Duo, so Seehofer, bestand aus dem Ministerpräsidenten Günter Beckstein und dem Parteichef Erwin Huber.

Es liegt auf der Hand, dass sich der jetzige Vorstoß gegen Markus Söder richtet. Denn dieser möchte der CSU vorstehen und Bayerns Regierungschef werden. Folgt die Partei Seehofers Linie, wäre ihm sein Lebensziel versperrt. Deshalb reagierte er prompt und warnte davor, die Aufgaben auf zwei Personen zu verteilen.

Doch was dann? Seehofer könnte als Vorsitzender entgegen seinem Plan verlängern und selbst nach Berlin ins Bundeskabinett gehen. Dass Söder nach Berlin wechselt, gilt als unwahrscheinlich. Denkbarer wäre, dass Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sich meldet, er hält sich für viele Posten geeignet. Dann bliebe Söder nur das Münchner Spitzenamt. Ob ein Vorsitzender Herrmann ihn da aber reinhieven würde, bleibt fraglich. Zwei Franken an der Spitze und kein Oberbayer? Sehr schwierig.

Wie auch immer: Für einen Wechsel an der Parteispitze bräuchte die CSU einen Sonderparteitag vor der Bundestagswahl im September 2017.

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08.10.2016, 06:00 Uhr

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